Gesundheitsstörungen im Kindesalter

Viele schwere Infektionskrankheiten sind zurückgegangen, klassische Kinderkrankheiten nur noch für einen kleinen Teil der Gesundheitsstörungen im Kindesalter verantwortlich.

Auch Eltern schätzten in einer Befragung den Gesundheitszustand ihrer Kinder in 93 Prozent der Fälle als „sehr gut“ und „gut“ ein.

Bedenklich stimmt der immer deutlicher werdende Wandel im Spektrum der Gesundheitsstörungen im Kindes- und Jugendalter.

Professor Koletzko, Leiter der Abteilung für Stoffwechselstörungen und Ernährungsmedizin am Dr. von Haunerschen Kinderspital, München: „Zum einen registrieren wir mit Unbehagen eine Verschiebung von den körperlichen zu den psychischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen. Zum anderen macht uns die gleichzeitige Zunahme von chronischen Gesundheitsstörungen Sorgen: Die Zahl der Kinder, die unter Übergewicht oder allergischen Erkrankungen leiden, steigt trotz Anstrengungen der Kinder- und Jugendärzte und der Ernährungsexperten mit beunruhigender Geschwindigkeit weiter“.

Zu diesen Gesundheitsrisiken, von denen heute mehr und mehr Kinder bedroht sind, liefern die Ergebnisse der europaweit größten Kinderstudie des Robert-Koch-Instituts Berlin, „KiGGS“ (Kinder und Jugendgesundheitssurvey), alarmierende Fakten.

Die Studie, an der 17.641 Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland zusammen mit ihren Eltern teilgenommen haben, bietet eine verlässliche Grundlage zur Beurteilung des Gesundheitszustandes von Kindern und Jugendlichen in Deutschland vom Babyalter bis zum 17. Geburtstag.

Adipositas – mehr und mehr Übergewicht

Die Zahlen des Kinder- und Jugendgesundheitssurvey sprechen für sich: 15 Prozent aller Kinder im Alter von 3 bis 17 Jahren sind übergewichtig, 6,3 Prozent gelten als adipös.

Allergien – weiter verbreitet

Unter den chronischen Gesundheitsstörungen im Kindes- und Jugendalter nehmen die allergischen Erkrankungen eine herausragende Rolle ein, insbesondere die drei so genannten atopischen Krankheitsbilder: Heuschnupfen, Neurodermitis (atopisches Ekzem) und Asthma.

Auf die Frage, ob jemals ein Arzt bei ihrem Kind eine dieser atopischen Erkrankungen festgestellt hatte, antworteten 22,9 Prozent der für KiGGS befragten Eltern mit „Ja“.

Die so genannte Lebenszeitprävalenz beträgt für Neurodermitis 13,1 Prozent, für Heuschnupfen 10,5 Prozent, für ein allergisches Kontaktekzem 9,5 Prozent und für Asthma 4,7 Prozent.

Das bedeutet, fast jedes vierte Kind und Jugendliche in Deutschland leidet irgendwann an einer dieser Krankheiten. Jungen sind mit 24,3 Prozent statistisch signifikant häufiger betroffen als Mädchen.

Psychische Gesundheitsstörungen – ängstliche Stimmungen

Die seelische Gesundheit und emotionalen Probleme von Kindern und Jugendlichen im Alter von 7 bis 17 Jahren wurden zusätzlich zu KiGGS auch in einer vertiefenden, repräsentativen Studie, der „BELLA-Studie“ untersucht. Insgesamt zeigen 21,9 Prozent aller Kinder und Jugendlichen Hinweise auf psychische Auffälligkeiten. Ängste treten bei 10,0 Prozent, Störungen des Sozialverhaltens bei 7,6 Prozent und Depressionen bei 5,4 Prozent der Kinder und Jugendlichen auf.

Risikofaktoren für das Auftreten psychischer Auffälligkeiten sind ein ungünstiges Familienklima sowie ein niedriger sozioökonomischer Status.

Wie Eltern ihre Kinder schützen können

Schon in den ersten Lebensjahren beeinflussen gesellschaftliche und ökonomische Probleme die Gesundheit von Kindern. Materielle Armut, sozialer Abstieg, konfliktreiche Familienverhältnisse und eine bildungsferne Umgebung erhöhen das Risiko für die Entstehung psychischer Probleme.

Es gibt jedoch einige Schutzfaktoren, die selbst stark belastete Kinder vor Gesundheitsschäden bewahren können. Nach den Ergebnissen von KiGGS sind ein guter Familienzusammenhalt, gemeinsame Aktivitäten, gemeinsame Mahlzeiten besonders starke Schutzfaktoren. Kinder, die sich in ihrer Familie geborgen fühlen, trinken seltener Alkohol und greifen eindeutig seltener zu Haschisch, Ecstasy oder anderen Rauschmitteln.

Dazu Professor Koletzko: „Was und wie Kinder essen mögen, bestimmt die Umgebung, in der sie groß werden. Vater und Mutter sind die ersten Vorbilder. Sie prägen die künftigen Essgewohnheiten ihres Kindes. Ihr tägliches Verhalten kann für viele Jahrzehnte das Essverhalten beeinflussen. Das geht weit über die Ernährung hinaus. Eine ganz wichtige Funktion des gemeinsamen Essens ist, dass man miteinander redet. Beim Familientisch haben sie Gelegenheit, ihre Gedanken, ihre Erlebnisse auszusprechen, eine positive Rückkopplung zu bekommen, verstärkt zu werden, Orientierung zu erhalten. Das gemeinsame Essen ist also viel mehr als nur Nahrungsaufnahme.“

Vorbeugen ist besser als heilen.

Deshalb setzt sich die Stiftung Kindergesundheit, unter dem Vorsitz von Professor Koletzko, Dr. von Haunersches Kinderspital München, für eine verbesserte Gesundheitsvorbeugung ein, fördert die hierzu notwendige Forschung und die Verbreitung wissenschaftlich gesicherter Informationen für Ärzte und Familien mit Kindern. Unser Engagement gilt nicht nur Kindern mit besonderen gesundheitlichen Problemen. Die gewonnenen Erkenntnisse kommen allen Kindern und ihren Familien zugute.

Media Contact

Hildegard Debertin idw

Weitere Informationen:

http://www.kindergesundheit.de

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