Puzzle-Arbeit mit System

Deutsche Krebshilfe motiviert zur Teilnahme an Therapiestudien

„Ziel einer Therapiestudie ist immer das Bestreben, eine für den Kranken optimale Therapieform zu entwickeln.“ Damit brachte Frau Professor Dr.-Ing. habil. Dagmar Schipanski, Präsidentin der Deutschen Krebshilfe, auf den Punkt, dass der Patient auf dem langen Weg der Wissenschaft von der Forschung in die Klinik nie aus dem Blick geraten darf. Therapiestudien sind Puzzle-Arbeit mit System. Sie dienen der Fortentwicklung der Chemo- und Strahlentherapie, der Individualisierung von Therapieschemata und der Perfektionierung der zur Verfügung stehenden Behandlungsmethoden. Damit sind sie wichtigstes Instrument in der Krebsbekämpfung. Zertifizierte Studien in der Onkologie standen daher im Mittelpunkt des Präsidenten-Symposiums beim 25. Deutschen Krebskongress in Berlin. Aber auch in anderen wissenschaftlichen Symposien ging es um die große Bedeutung von Therapiestudien.

„Eine optimale Therapie bedeutet aus der Sicht des Krebspatienten: So wirksam wie möglich und gleichzeitig so nebenwirkungsarm wie möglich“, sagte Frau Professor Schipanski zu Beginn des Präsidenten-Symposiums. Jede Therapiestudie trage dazu bei, dieses Ziel zu erreichen. Trotzdem rufen Therapiestudien sowohl in der Bevölkerung als auch bei manchen Ärzten Ängste hervor – Assoziationen wie „Versuchskaninchen“ werden geweckt. Doch Frau Professor Schipanski stellte klar, dass dies völlig unbegründet sei: „Wer als Krebspatient an einer Therapiestudie teilnimmt, bekommt die beste zur Zeit bekannte Behandlung und erhält durch neue Modifikationen zusätzliche Heilungschancen“. Darüber hinaus werde jede Studie überwacht.

Die Unterstützung von Therapiestudien stellt einen wichtigen Förderschwerpunkt der Deutschen Krebshilfe dar. Jahr für Jahr investiert die Organisation rund zwei Millionen Euro allein in diesen Bereich. Fast alle derzeit in Deutschland laufenden Therapie-Optimierungsstudien bei krebskranken Kindern werden von der Deutschen Krebshilfe finanziert. Zu einer dieser Studien, die weltweit Beachtung finden, gehört die „Kooperative Weichteilsarkom-Studie (CWS-96)“ unter der Leitung von Professor Dr. Jörn Treuner, Stuttgart. „Diese Studie hat für die Behandlung von bösartigen Weichteil-Tumoren bei Kindern einen Meilenstein gesetzt. Das langfristige Überleben der kleinen Patienten konnte innerhalb von nicht einmal 20 Jahren von 30 Prozent auf fast 80 Prozent gesteigert werden“, sagte Frau Schipanski. Die Deutsche Krebshilfe hat diese Studie mit bisher über zwei Millionen Euro gefördert.

Ein weiteres Aushängeschild der von der Deutschen Krebshilfe geförderten Therapiestudien ist die Deutsche Hodgkin-Lymphom-Studiengruppe unter der Leitung von Professor Dr. Volker Diehl, Köln. „Durch die Arbeiten dieser Gruppe wurde erreicht, dass heutzutage sogar fortgeschrittene Stadien der bösartigen Lymph-Erkrankung in bis zu 90 Prozent geheilt werden können“, konstatierte die Präsidentin der Deutschen Krebshilfe. Nun ginge es vor allem darum, wie die Nebenwirkungen der Therapie reduziert und die Rate der Zweittumoren gesenkt werden könne.

Infokasten Therapiestudien

 

In Therapiestudien – auch klinische Studien genannt – werden Behandlungsverfahren an einer größeren Anzahl von Patienten statistisch geplant, systematisch überprüft und sorgfältig ausgewertet. Grundsätzlich unterscheidet man: – Präklinische Studien: Im Labor werden die physikalischen und chemischen Eigenschaften eines neuen Wirkstoffes oder einer neuen Behandlungstechnik untersucht.

  • Klinische Arzneimittelprüfungen in den Phasen I, II und III: In Deutschland dürfen nur Arzneimittel verschrieben und verkauft werden, deren Wirksamkeit und Unbedenklichkeit nachgewiesen sind. Hierzu müssen sie vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) offiziell zugelassen werden. Voraussetzung dafür ist, dass alle drei Phasen der klinischen Arzneimittelprüfung der Reihe nach erfolgreich durchgeführt wurden. Phase-IV-Studien überprüfen bereits zugelassene Medikamente.
  • Therapie-Optimierungs-Prüfungen (TOP): Etablierte Behandlungsmethoden werden zum Beispiel in anderer zeitlicher Abfolge oder mit anderen Dosierungsschemata angewendet oder neu kombiniert. Ziel ist es, die Heilungschancen von Patienten zu vergrößern oder ihre Lebensqualität zu verbessern.

Bei der Durchführung von Studien werden äußere Einflussfaktoren zum Beispiel durch Randomisierung, Verblindung oder Doppel-Verblindung weitgehend ausgeschlossen. Eine Ethikkommission überprüft, ob alle Schutzbestimmungen eingehalten werden, und erteilt den Studienärzten die Zustimmung für ihr Vorhaben. Jede Studie muss bei den Aufsichtsbehörden der Bundesländer angemeldet werden.

Die Broschüre „Klinische Studien“ kann kostenfrei bei der Deutschen Krebshilfe, Postfach 14 67, 53004 Bonn, Fax: 0228/ 72 99 0-11, E-Mail: deutsche@krebshilfe.de, bestellt werden. Außerdem kann die Broschüre im Internet unter www.krebshilfe.de im Volltext gelesen und heruntergeladen werden.

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