Kompetenznetze machen klinische Forschung international konkurrenzfähig


Patienten profitieren von intensivierter Zusammenarbeit

Klinische Forschung führt in Deutschland gegenüber der medizinischen Grundlagenforschung ein Aschenputteldasein. Da die sozialgesetzlichen Bestimmungen es nicht zulassen, dass die Krankenkassen die Behandlung von Patienten in klinischen Studien bezahlen, wurden gut kontrollierte und gut geplante Therapieoptimierungsstudien in Deutschland bisher nur sehr spärlich durchgeführt. Wenn die Versorgung der Patienten verbessert werden soll und klinische Forschung in Deutschland international konkurrenzfähig sein will, müssen in Zukunft die verschiedenen Akteure des Gesundheitswesens in diesem Bereich verstärkt zusammenarbeiten. Das betonte Professor Dr. Volker Diehl, Sprecher des Kompetenznetzes Maligne Lymphome, am Freitag in einer Podiumsdiskussion, in der die Rolle der medizinischen Kompetenznetze im Gesundheitssystem zur Debatte stand.

Beispielhaft für den Wissenszugewinn durch klinische Forschung seien die im Kompetenznetz Maligne Lymphome zusammengefassten Studien, die sich mit der Hodgkin’schen Erkrankung, den niedrig und den hoch malignen Lymphomen befassen. Das Kompetenznetz biete nun, so Diehl, eine außerordentlich gute Möglichkeit, alle Gruppen zusammenzuführen, die an der Durchführung der Studien in unterschiedlicher Weise beteiligt sind: Pathologen und Strahlentherapeuten, Internisten, niedergelassene Ärzte und Krankenhausärzte, Patientenverbände und Apotheker, Vertreter der Sozialversicherungen sowie Politiker, die sich mit den Entscheidungsprozessen in der Gesundheitspolitik befassen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat die Kompetenznetze ins Leben gerufen, um die klinische Forschung in der Bundesrepublik Deutschland zu fördern und die Verbreitung der Forschungsergebnisse – horizontal zwischen den verschiedenen Forschungseinrichtungen sowie vertikal zwischen Forschung und Praxis – zu beschleunigen. So kann die Verbesserung der Therapiemöglichkeiten schneller und effektiver vorangetrieben werden, und auch Patienten, die außerhalb der Ballungszentren behandelt werden, profitieren dann schnellstmöglich von den neuen Erkenntnissen. Das Kompetenznetz Maligne Lymphome hat deshalb die Aufgabe, Patienten, Apothekern, Ärzten und allen an der Gesundheitsversorgung Beteiligten aktuelle und zielgruppenspezifisch aufbereitete Informationen zu geben, die eine koordinierte und nach den höchsten wissenschaftlichen Konzepten erfolgende Diagnostik, Behandlung und Nachsorge für Patienten mit malignen Lymphomen ermöglichen und gewähren.

Die Patienten sollen von den Kompetenznetzen einerseits durch eine verbesserte Krankenversorgung profitieren, andererseits sollen sie aber auch selber einen besseren Zugang zu Informationen über ihr Krankheitsbild erhalten. Der aufgeklärte, mündige und informierte Patient, der sich nicht mehr blind dem willkürlichen Entscheidungsprozess eines Arztes anvertraut, wird in Zukunft in der Medizin eine wichtige Rolle spielen. „Gerade auch die Internet-Seite des Kompetenznetzes wird die Behandlungsmöglichkeiten und -standards transparenter machen. Patienten werden leichter beurteilen können, wo sie sich mit ihrer Erkrankung am besten hinwenden sollten, und sie werden eher erkennen, wenn sie nicht nach dem aktuellsten Stand der Forschung behandelt werden“, so die Prognose von Dr. Ulrike Holtkamp, Patientenbeistand der Deutschen Leukämie- und Lymphom-Hilfe. „Das Kompetenznetz könnte langfristig zu einer Instanz werden, an die sich Fachleute ebenso wie die interessierte Öffentlichkeit – und nicht zuletzt die Patienten – wenden können, um Antworten auf ihre manchmal sehr brennenden Fragen zu bekommen.“ Durch die ständige Beantwortung von Fragen könne zusätzliche Kompetenz im Netz angesammelt werden, so Holtkamp weiter. Ähnlich sieht auch Diehl die Zukunft der gesamten Medizin: „Es wird in den nächsten Jahrzehnten verstärkt eine koordinierte Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Pflegegruppen, Patientenvertretern, Apothekern und den im Gesundheitsbereich aktiven politischen Institutionen geben.“

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Antje Schütt idw

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