Uni Würzburg: Deutsches Referenzzentrum für Meningokokken

Das Bundesgesundheitsministerium hat das Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg zum Nationalen Referenzzentrum für Meningokokken (NRZM) erhoben. Damit wird die Kompetenz gewürdigt, die sich das Institut auf dem Gebiet der Meningokokken-Infektionen international erworben hat.

Meningokokken sind Bakterien, die lebensbedrohliche Gehirnhautentzündungen auslösen können. Sie werden als besonderer Problemfall angesehen, da sie zu den häufigsten Erregern der bakteriellen Hirnhautentzündung bei Kindern unter vier Jahren zählen und besonders schwer verlaufende Infektionen verursachen. Jährlich treten allein in Deutschland etwa 800 Fälle auf, von denen bis zu 20 Prozent tödlich enden.

Prof. Dr. Matthias Frosch, Vorstand des Würzburger Hygiene-Instituts, ist nun auch Leiter des Nationalen Referenzzentrums. Wie er mitteilt, werden künftig alle Meningokokken-Stämme, die in Deutschland aus Patienten gewonnen werden, nach Würzburg geschickt und hier mit besonderen molekularbiologischen Methoden untersucht und typisiert. Diese Arbeiten seien wissenschaftlich sehr interessant, weil Meningokokken genetisch sehr flexibel sind und ihre Eigenschaften ständig zu ändern wissen.

Im Zuge der Neuformation des Erbgutes entstehen immer wieder Meningokokken-Typen, die besonders ansteckend sind und über sehr stark ausgeprägte krank machende Eigenschaften verfügen. Diese Eigenschaften zu erkennen, ist laut Prof. Frosch eine der vordringlichen Aufgaben des NRZM, um dann Maßnahmen zur Bekämpfung solcher Meningokokken einleiten zu können.

Zu diesen Maßnahmen zählt auch die Impfung. Die bisher verfügbaren Impfstoffe schützen den Menschen nicht vor allen Meningokokken, sondern nur vor bestimmten Typen. Das mache deutlich, so Matthias Frosch, wie wichtig die Charakterisierung der Erreger im NRZM ist: Hier entscheide sich, ob eine Impfung überhaupt sinnvoll ist und die Bevölkerung schützen kann.

Bei der Bekämpfung bestimmter Infektionskrankheiten brauchen das Bundesministerium für Gesundheit und das Robert-Koch-Institut Informationen und Beratung von externen Experten. Zu diesem Zweck werden die Nationalen Referenzzentren eingerichtet. Ihre Aufgabe ist es, über die Routine hinausgehende mikrobiologische Diagnostik zu betreiben, um epidemiologische Zusammenhänge zu verstehen. Außerdem sollen die Zentren diagnostische Laboratorien sowie Mitarbeiter des öffentlichen Gesundheitsdienstes beraten und zum Beispiel mit der Weltgesundheitsorganisation und anderen internationalen Referenzlaboratorien zusammenarbeiten.

Das NRZM ist eingebunden in ein Netzwerk europäischer Meningokokken-Referenzzentren, die „European Monitoring Group on Meningococci“. Diese umfasst derzeit einschlägige Referenzzentren aus 32 europäischen Ländern. Seit September 2001 wird die Gruppe von der Europäischen Kommission auch finanziell unterstützt.

Das Würzburger Hygiene-Institut koordiniert einen Kern aus neun europäischen Gruppen, die eine europäische Infrastruktur zur Erforschung und Überwachung von Meningokokken-Infektionen aufbauen werden. Dabei ist es laut Frosch von besonderer Bedeutung, standardisierte molekulare Methoden zur Typisierung der Erreger zu etablieren.

Aufgebaut wird auch ein elektronisches Informationssystem, um die aktuelle epidemiologische Situation in Europa zu erfassen und daraus Empfehlungen zur Vorbeugung und Bekämpfung von Meningokokken-Infektionen abzuleiten. Durch die Sammlung europäischer Meningokokkenstämme wird die Voraussetzung geschaffen, um die genetische Variabilität und die sich daraus ableitenden Konsequenzen für das krank machende Potenzial der Erreger zu verstehen.

Prof. Frosch ist zuversichtlich, dass mit all dem neuen Wissen über die Meningokokken die lange erwarteten Grundlagen geschaffen werden, um endlich einen breit wirksamen und alle Altersgruppen schützenden Impfstoff gegen die gefährlichen Erreger zu erhalten. Damit wäre eine der letzten großen Infektionskrankheiten von Kindern beseitigt.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Matthias Frosch, T (0931) 201-5160, Dr. Ingrid Ehrhard, T (0931) 201-3949, Fax (0931) 201-3445, E-Mail: 
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