Wenn Entzündungen im Gelenk sichtbar gemacht werden

Neue Methode erlaubt detaillierte Darstellung von Entzündungen im Gewebe – Kerckhoff-Klinik beginnt Forschungskooperation mit Neurologischer Universitätsklinik Charité in Berlin

„Wenn Entzündungsprozesse in den befallenen Gelenken von Rheumapatienten auf zellulärer Ebene von außen sichtbar wären und deren Wege und Ausbreitung vorhersagbar gemacht werden könnten, würde dies unsere Möglichkeiten für eine gezielte und effiziente Therapie deutlich erweitern. Es wäre dadurch z.B. sehr schnell und auf zellulärer Ebene absehbar, ob und in welchem Umfang eine medikamentöse antirheumatische Therapie erfolgreich sein wird oder nicht“, kommentiert Prof. Dr. Ulf Müller-Ladner, Leiter der Abteilung für Rheumatologie und klinische Immunologie an der Kerckhoff-Klinik eines der faszinierendsten Themen der bildgebenden Diagnostik in der Medizin. „Molekulares Imaging“ (Molekulare Bildgebung) lautet das Stichwort zu den derzeit innovativsten Methoden der Diagnostik, die jetzt im Rahmen eines Fortbildungsseminars der Kerckhoff-Klinik von Privatdozent Dr. Andreas Wunder aus der Neurologischen Universitätsklinik der Charité in Berlin vorgestellt wurden.

Neben den bekannten Techniken wie Ultraschall und Röntgen können bei den hoch auflösenden Verfahren des „Molekularen Imaging“ auch einzelne Zellen, die Krankheitsprozesse steuern, oder Stoffwechselprozesse live sichtbar gemacht werden. Dazu werden dem Patienten Substanzen gegeben, die bei bestimmten Krankheitsvorgängen oder beim Vorhandensein bestimmter krankheitsspezifischer Moleküle durch Veränderung ihrer molekularen Struktur fluoreszierende Eigenschaften entwickeln. Diese Fluoreszenz kann dann über nicht-invasive bildgebende Verfahren im Gewebe sichtbar gemacht werden, um Entzündungen genau zu lokalisieren und ihre Ausbreitung zu bestimmen.

Das eigentliche Hauptarbeitsgebiet des Berliner Referenten Dr. Wunder ist die Entstehung des Schlaganfalls für den er eindrücklich demonstrieren konnte, wie sich diese Erkrankung in entsprechenden Modellsystemen in der Akutphase im Gehirn ausbreitet und welche Spätschäden zu erwarten sind. „Das wichtigste Ziel unserer Entwicklung ist die Sichtbarmachung von spezifischen Molekülen, die beim Schlaganfall eine wichtige Rolle spielen, um so später im Gehirn des Betroffenen auch vorhersagen zu können, wie viel bleibende Schäden zu erwarten sind“, so Dr. Wunder in der sehr intensiven Diskussion am Ende seines Vortrages. Da der Schlaganfall auch immer durch eine entzündliche Reaktion im Gehirn gekennzeichnet ist, können die angewandten Methoden auch auf verwandte Krankheitsbilder oder Prozesse wie z. B. bei der Gelenkentzündung angewendet werden. Vor diesem Hintergrund wurde im Rahmen der Veranstaltung nach langen Vorarbeiten auch ein Kooperationsprojekt zwischen der Abteilung für Rheumatologie und Klinische Immunologie der Kerckhoff-Klinik und Dr. Wunders Arbeitsgruppe in Berlin begonnen, bei der der Weg und die Ausbreitung der entzündlichen Vorgänge bei rheumatischen Erkrankungen sichtbar gemacht werden sollen. Frau Dr. Neumann, Leiterin des Forschungslabors der Abteilung für Rheumatologie, freut sich besonders auf die kommenden Versuche: „So können wir zukünftig wahrscheinlich vorhersagen, wie sich bei Patienten das Rheuma über die Gelenke ausbreitet und bei welchen Patienten diese Vorgänge durch Medikamente gestoppt werden können“. „Diese neuen Entwicklungen passen auch sehr gut in das derzeitige Forschungsfeld der Kerckhoff-Klinik und des Max-Planck-Institutes, da in allen Gruppen einschließlich der Abteilung für Radiologie an der Kerckhoff-Klinik die Analyse von Entzündungsprozessen rund um die Gefäße im ganzen Körper einen übergreifenden Schwerpunkt bilden“, so Professor Müller-Ladner, und langjähriger Kooperationspartner von Herrn Privatdozent Dr. Wunder.

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