Erste europäische Leitlinien für enterale Ernährung erschienen

Erstmals wird es europäische Leitlinien zur enteralen Ernährung geben. Sie basieren auf den Deutschen Leitlinien aus dem Jahr 2003 und wurden in einem zweijährigen Prozess überprüft, erweitert und auf europäische Standards angepasst. „Es ist ein großer Erfolg, dass die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM e.V.) verfassten Leitlinien nun auch in erweiterter Form für ganz Europa gelten,“ sagt Prof. Dr. Herbert Lochs von der Charité Berlin und Initiator des Projektes. Es seien die ersten internationalen evidenzbasierten Leitlinien zur enteralen Ernährung, die überhaupt erscheinen. Insgesamt haben mehr als 80 Spezialisten aus 18 europäischen Ländern, Israel und den USA in 13 Spezialgruppen die Leitlinien erarbeitet. Die Teams waren interdisziplinär zusammengesetzt und bestanden aus Ärzten, Diätassistenten, Ernährungswissenschaftlern und Pflegekräften. Die englische Form der enteralen Leitlinien ist zu finden unter www.espen.org. Die übersetzte Form erscheint in der Zeitschrift „Aktuelle Ernährungsmedizin“.

Die Leitlinien sollen nicht nur als Grundlage für therapeutische Entscheidungen dienen, sondern auch als Basis für gesetzliche Regelungen, wie Zulassung von Produkten und Erstattbarkeit. Dies ist von besonderer Bedeutung, da in vielen europäischen Ländern die Erstattbarkeit der enteralen Ernährung derzeit neu geregelt wird. Dabei stellen die Leitlinien eine evidenzbasierte Entscheidungshilfe dar.

Der Prozess der Erstellung der europäischen Leitlinien dauerte insgesamt von März 2004 bis zum Januar 2006. In mehreren Schritten wurden die deutschen Leitlinien geprüft, überarbeitet, erweitert und in eine einheitliche Form für sämtliche europäische Länder gebracht. Die Leitlinien gliedern sich in zehn Leitlinien-Kapitel mit krankheitsspezifischen Inhalten. Dazu kommen noch Kapitel zur Methodik, Ethik, Begrifflichkeit sowie zur Organisation der Krankenhausernährung. Die Leitlinien sind einsehbar unter: www.espen.org und www.dgem.de

Enterale Ernährung ist die Zufuhr von flüssigen Nährsubstraten als Trink- oder Sondennahrung unter Einbeziehung des Magen-Darm-Traktes. Im Unterschied dazu wird mit der parenteralen Ernährung der Magen-Darm-Trakt durch Sonden umgangen. In der enteral verabreichten Nahrung sind Nährstoffe in natürlichen Verbindungen, z.B. Milcheiweiß oder in modifizierter Form, z.B. Oligopeptide enthalten. Sie werden vom Verdauungstrakt ganz oder teilweise abgebaut. Dabei wird die Darmschleimhaut als natürliche Barriere erhalten und eine Stimulation gastrointestinaler Hormone ist gegeben. Die enterale Ernährung gilt als eine physiologische Form der Nährstoffzufuhr und kann bei Patienten mit funktionstüchtigem Gastrointestinaltrakt bevorzugt gewählt werden.

Kontakt:
Prof. Dr. Herbert Lochs
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie
10098 Berlin
Tel.: (030) 450 514 102
herbert.lochs@dgem.de

Media Contact

Rita Wilp idw

Weitere Informationen:

http://www.dgem.de http://www.espen.org

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