Zahl der Laboruntersuchungen geht drastisch zurück

VDGH: Chancen der Labordiagnostik nutzen, nicht behindern

Gesetzlich Krankenversicherte müssen sich weiterhin auf eine schlechtere Versorgung mit laborärztlichen Leistungen einrichten. Darauf hat heute (12.) der Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH) in Berlin hingewiesen. Wie der VDGH-Vorsitzende Dr. Volker Oeding sagte, sei die Zahl der Laborspezialuntersuchungen, mit denen beispielsweise Infektionskrankheiten oder erhöhte Blutfettwerte diagnostiziert werden, in den letzten beiden Jahren in Deutschland dramatisch zurückgegangen. Viele Krankheiten würden erst verspätet entdeckt.

Statt 105 000 Labor-Spezialuntersuchungen pro 100 000 gesetzlich Krankenversicherter im Jahr 1998 seien zwei Jahre später lediglich 62 300 solcher Untersuchungen durchgeführt worden. Dies entspricht einem Rückgang um knapp 41 Prozent. Ein Vergleich mit ähnlich entwickelten Ländern ergebe, dass die Bundesrepublik bei der Anzahl der laborärztlichen Untersuchungen zurückfalle und am Ende der Skala rangiere. Diese Entwicklung sei ausschließlich im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung, nicht aber bei Privatpatienten festzustellen.

In Frankreich sei die Zahl der Laborspezialuntersuchungen, die 1998 nahezu identisch mit der deutschen war, dagegen im Jahr 2000 leicht auf 108 000 Untersuchungen pro 100 000 Versicherte geklettert.

Dr. Oeding gab die Schuld an dieser Entwicklung der Neuordnung der Honorierung laborärztlicher Leistungen im Jahre 1999 sowie deren Budgetierung. Beides habe dazu geführt, dass verunsicherte Ärzte nur noch Untersuchungen veranlassten, die offensichtlich und unaufschiebbar notwendig seien.

Die Chancen, die die Labordiagnostik für bessere Prävention und für das Disease-Management biete, würden vertan, wenn das Ruder nicht bald herum geworfen werde. Der VDGH-Vorsitzende forderte daher, bei der Reform des Gesundheitswesens Stellenwert und Chancen der Labordiagnostik angemessen zu berücksichtigen und mögliche Einsparpotenziale nicht zu blockieren. Schließlich könne durch die gezielte Behandlung nach richtiger Diagnose eine Menge Geld gespart werden.

Der VDGH rechnet für das laufende Jahr mit einem Wachstum des gesamten Labordiagnostica-Markts von 5,2 Prozent auf 3,05 Milliarden Mark. Die entscheidenden Wachstumsimpulse gingen dabei – so Verbandsgeschäftsführer Dierk Meyer-Lüerßen – ausschließlich von den so genannten Selbsttests aus, die sich der Patient kauft, beispielsweise Blutzucker-Teststreifen. Ohne Berücksichtigung dieser Selbsttests wachse der Markt gegenüber 2000 jedoch nur verhalten um voraussichtlich 0,7 Prozent auf 2,156 Milliarden Mark.

Meyer-Lüerßen wies darauf hin, dass die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung für laborärztliche Leistungen auch im Jahr 2001 deutlich unter dem Wert von 1993 blieben. Von 1993 bis 2000 haben sich die GKV-Gesamtausgaben kontinuierlich um 23,3 Prozent erhöht, während die Laborausgaben für niedergelassene Ärzte und Kliniken mit Schwankungen um 5,2 Prozent fielen.

Der Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH) vertritt als Wirtschaftsverband die Interessen von über 80 Unternehmen. Sie stellen zur Diagnose menschlicher Krankheiten entsprechende Untersuchungssysteme und Reagenzien her. Die Unternehmen erwirtschaften in Deutschland einen Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro.

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Thomas Postina ots

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