Welt-AIDS-Tag 2001: AIDS ist nicht erledigt

Für das Jahr 2001 werden in Deutschland etwa 2.000 neue HIV-Infektionen erwartet. Die Zahl der HIV-infizierten Menschen, bei denen sich die Immunschwäche in diesem Jahr zum Vollbild AIDS entwickelt hat, wird im neu erschienenen HIV/AIDS-Bericht des Robert Koch-Instituts auf 700 geschätzt. Obwohl die Zahl der HIV-Neudiagnosen wie der AIDS-Erkrankungen in ihrer Gesamtheit vorerst keine dramatischen Veränderungen erkennen lassen, gibt es Hinweise, dass die Zahlen wieder steigen könnten. Ein solches Anzeichen ist die Zunahme sexuell übertragbarer Infektionen, über die viele westliche Industriestaaten und bestimmte Regionen in der Bundesrepublik Deutschland berichten (vgl. Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts vom 9.11.2001).

„AIDS ist noch nicht erledigt“, betont daher Reinhard Kurth, Präsident des Robert Koch-Instituts, „das Verschwinden des Themas AIDS aus den Gedanken und Köpfen der Menschen muss aufgehalten werden“. Das betrifft nicht nur das veränderte sexuelle Risikoverhalten, das sich in einer Zunahme sexuell übertragbarer Infektionen widerspiegelt, sondern auch den teilweisen Abbau personeller und finanzieller Ressourcen bei so genannten personalkommunikativen Präventionsmaßnahmen wie AIDS-Beratungsstellen oder Informationsveranstaltungen vor Ort.

Unter den zwischen dem 1. Juli 2000 und dem 30. Juni 2001 neu diagnostizierten HIV-Infektionen stellen Männer, die Sex mit Männern haben, mit 38 Prozent auch weiterhin die größte Gruppe dar. Die zweitgrößte Betroffenengruppe mit 19 Prozent sind Personen, die aus Ländern mit einer hohen HIV-Verbreitung in der allgemeinen Bevölkerung stammen (Hochprävalenzländer); es wird angenommen, dass sich der überwiegende Teil von ihnen im Herkunftsland infiziert hat. Siebzehn Prozent haben ihre HIV-Infektion durch heterosexuelle Kontakte erworben, stammen jedoch nicht selbst aus einem Hochprävalenzland, sondern sind mehrheitlich Deutsche.

In Deutschland leben Ende dieses Jahres insgesamt rund 38.000 Menschen mit HIV/AIDS. Weltweit sind es etwa vierzig Millionen Menschen, allein im vergangenen Jahr starben rund drei Millionen Menschen an AIDS. Die Mehrzahl der Infektionen ereignet sich weiterhin in Schwarzafrika und in Asien. In China zum Beispiel hat die Zahl der HIV-Infizierten, die bis Ende 2000 auf 600.000 geschätzt worden war, sehr wahrscheinlich die Millionengrenze überschritten, in Osteuropa setzt sich die explosive Ausbreitung von HIV unter Drogengebrauchern fort.

Bei der Behandlung einer HIV-Infektion gab es in den letzten Jahren große Fortschritte. Derzeit ist aber noch nicht abschätzbar, wie lange sich durch die neuen therapeutischen Möglichkeiten der Krankheitsverlauf tatsächlich aufhalten lässt. Es muss längerfristig damit gerechnet werden, dass auch die mit antiretroviralen Medikamenten behandelten Patienten an AIDS erkranken, wenn die HI-Viren resistent werden und damit die Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind.

Das Robert Koch-Institut ist zuständig für die Überwachung der HIV-/AIDS-Verbreitung. In Deutschland besteht eine gesetzlich geregelte anonymisierte Meldepflicht für den Nachweis einer HIV-Infektion, AIDS-Erkrankungen werden auf freiwilliger Basis gemeldet. Diese Meldungen werden vom Robert Koch-Institut gesammelt und ausgewertet. Im Labor wird die Thematik HIV-Infektionen/AIDS im Robert Koch-Institut in drei Projekten untersucht. Zwei Arbeitsgruppen untersuchen die Ausbreitung therapieresistenter HI-Viren (Projekt Retroviren) beziehungsweise die Art und Weise, wie das Virus die Krankheit im Einzelnen hervorruft (Projekt Retrovirus-induzierte Immunsuppression). Die Projekte sind im Epidemiologische Bulletin des Robert Koch-Instituts in der Schwerpunktausgabe 47/2001 zum Welt-AIDS-Tag beschrieben. Die Arbeitgruppe AIDS-Immunpathogenese und Impfstoffentwicklung war in der Ausgabe 48/2000 des wöchentlich erscheinenden Epidemiologischen Bulletins anlässlich des Welt-AIDS-Tages im vergangenen Jahr vorgestellt worden.

Weitere Informationen:

Ansprechpartner für Medien

Susanne Glasmacher idw

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http://www.aidshilfe.de

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