Charité eröffnet Tinnitus-Zentrum

An der „Klinik für Hals- Nasen und Ohrenheilkunde“ der Charité ist ein Zentrum zur Erforschung und Behandlung chronischer, d.h. länger als drei Monate anhaltender Formen von Tinnitus eingerichtet worden. Das Zentrum steht den Patienten an fünf Tagen in der Woche offen. Anmeldungen sind unter der Telefonummer 450- 55-50 09 möglich: Am Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag zwischen 8.00 und 15.00 Uhr, am Donnerstag von10.00 bis 18.00 Uhr. Die Forschung richtet sich dabei auf die Ursachenerkennung.

Unter Tinnitus werden störende Ohrgeräusche verstanden, die gewöhnlich nur der Betroffene als Brummen, Rauschen, Klingen oder Pfeifen, manchmal auch als hämmernd oder pulsierend vernimmt. Unter den Bedingungen der Zivilisationsgesellschaft treten Ohrgeräusche bei etwa einem Drittel der Erwachsenen, die älter als 17 Jahre sind, irgendwann einmal im Leben auf. Zur Zeit leiden etwa acht Millionen Einwohner Deutschlands an dieser Störung, jedoch nur ein kleiner Teil (0,5 %) von ihnen begreift die Geräusche als so belästigend, daß ihnen ein eigener Krankheitswert beigemessen wird. In diesen Fällen hat der Tinnitus massive Auswirkungen auf alle Lebensbereiche, ist gekennzeichnet durch hohen Leidensdruck und wird sekundär von Konzentrations- und Schlafstörungen oder depressiven Verstimmungen begleitet.

Die Ursachen von Tinnitus sind letztlich noch nicht bekannt. Nicht selten bleiben Ohrgeräusche nach einem Hörsturz dauerhaft zurück. Die Medizin geht derzeit davon aus, daß es sich beim Tinnitus um Störungen an verschiedenen Strukturen des Hörsystems handelt. Im Mittelpunkt steht das Modell einer Schädigung oder Funktionseinbuße der sogenannten inneren und äußeren Haar-Sinneszellen in der Schnecke im Innenohr. So können die Zellen selbst geschädigt werden, ihre Beweglichkeit kann eingeschränkt bis aufgehoben oder im Gegenteil übersteigert sein. Die durch die Schallwellen ausgelösten Vibrationen im Lymphsystem der Schnecke könnten sich dadurch verändern bzw. verstärken, was sich als Tinnitus auswirken würde.

Eine andere Vorstellung sieht Tinnitus als Reaktion auf seelische Konflikte, da Bereiche des Gehirns, die an der Verarbeitung von Affekten beteiligt sind, mit dem Hörsystem durch Nervenfasern eng verbunden sind.

Schließlich könnte Tinnitus auch die Folge einer Störung der „Filterfähigkeit“ des menschlichen Gehirns sein: Es ist nämlich in der Lage, die normalerweise ständig vorhandenen Schalleindrücke (Geräuschkulissen) bis zu 70 % wegzufiltern.

Möglicherweise ist Tinnitus aber auch Ausdruck eines in der Hirnrinde negativ bewerteten Höreindrucks. Auf diesem Modell beruht der Therapieansatz des Tinnitus -Retrainings. Darunter wird ein Hörtraining verstanden, bei dem der Patient lernt, die „falschen“ Höreindrücke durch andere zu überlagern und damit zu beseitigen. Diese, meist langfristige Therapie wird in dem neuen Tinnitus-Zentrum neben umfangreicher Diagnostik, persönlicher Beratung und psychosomatischer Betreuung ebenfalls angeboten.

Anmerkung: Am Samstag, dem 1. Dezember2001, findet zwischen 11.00 und 16.00 Uhr ein Tinnitus-Symposium zu aktuellen Erfahrungen in der Tinnitusforschung und -therapie statt. (Ort: Hörsaal der Zentralen Poliklinik der Charité, Luisenstrasse 11-13 in 10 117 Berlin). Journalisten sind herzlich eingeladen.

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Dr. med. Silvia Schattenfroh idw

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