Nervenkrebs: Ursache für Therapie-Resistenz entdeckt

Neuer Ansatz soll Erfolg der Chemotherapie verbessern

Das Neuroblastom ist eine der häufigsten Krebserkrankungen im Kindesalter. Wird diese bösartige Erkrankung der Nervenzellen früh genug erkannt, sind die Heilungschancen gut. Hat der Tumor jedoch schon im Körper gestreut, kann nur etwa ein Viertel der Kinder geheilt werden. Forscher der Universitätskinderklinik Düsseldorf haben festgestellt, warum manche Tumorzellen nicht auf die Chemotherapie ansprechen: Sie pumpen das über die Blutbahn zugeführte Medikament wieder aus dem Tumor heraus. Die Deutsche Krebshilfe hat das Projekt mit 80.000 Euro gefördert. Nun wollen die Wissenschaftler eine Therapiemethode entwickeln, die diese Zellen gezielt bekämpft und so die Wirkung der Chemotherapie verbessert.

„So genannte SP-Zellen können beim Neuroblastom zur Therapie-Resistenz führen, weil sie die Chemotherapeutika wieder aus der Zelle entfernen“, erläutert Dr. Charlotte Hirschmann-Jax, Leiterin des Forschungsprojekts an der Universitätskinderklinik Düsseldorf. „Diese Zellen bilden eine spezielle Zellgruppe im Tumor und sind vermutlich auch für sein Wachstum verantwortlich: Als so genannte Tumorstammzellen wachsen sie besonders schnell und können neue Krebszellen hervorbringen.“ Die Abkürzung „SP“ steht für „side population“ (Seitenpopulation), da die Zellen in der bildlichen Darstellung nach einer Anfärbung einen randständigen Schweif neben den übrigen Zellen bilden.

„Bei mehr als zwei Drittel der Neuroblastom-Patienten, bei denen die Erkrankung nach einer Therapie wieder aufgetreten ist, haben wir SP-Zellen entdeckt“, berichtet Hirschmann-Jax. Damit hat ihre Arbeitsgruppe erstmals solche widerstandsfähigen Zellen beim Neuroblastom nachgewiesen. Nun möchten die Wissenschaftler den Transportmechanismus für die Chemotherapeutika in den SP-Zellen näher erforschen. Ihr Ziel ist es, einen Therapieansatz zu entwickeln, der diesen Vorgang gezielt blockiert, so dass die Krebsmedikamenten in den Zellen verbleiben und ihre Wirkung entfalten können.

Als Zielstruktur haben die Forscher bereits spezielle Oberflächenmoleküle der SP-Zellen im Visier. Dies sind Transporteiweiße, die vermehrt auf den Zellen vorkommen. Sie sind vermutlich die eigentlichen „Pumpen“ der SP-Zellen. „Durch eine gezielte Blockade dieser Transportgehilfen könnte somit indirekt die Wirkung der Chemotherapie erhöht werden“, hofft Hirschmann-Jax. Dadurch könne das Krebswachstum eingedämmt und die gefährliche Ausbreitung der entarteten Nervenzellen weitgehend gestoppt werden. Da auch in anderen Tumoren – etwa der Brust oder der Lunge – Zellen mit den Eigenschaften von SP-Zellen vorkommen, ist ihr ungewöhnliches Verhalten auch von allgemeiner Bedeutung für die tumorbiologische Forschung und die klinische Praxis.

„Dieses Forschungsprojekt zeigt eindrucksvoll, dass die Ergebnisse der kliniknahen Grundlagenforschung von großer Bedeutung für den Patienten sind“, erklärt Professor Dr. Dagmar Schipanski, Präsidentin der Deutschen Krebshilfe. „Die Grundlagenforschung fördert das Wissen darüber, wie Krebs entsteht und sich ausbreitet. Dieses Wissen bildet die Basis, um wirkungsvollere und gezieltere Therapien gegen Krebs zu entwickeln.“

Infokasten: Krebs im Kindesalter

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 1.800 Kinder unter 15 Jahren an Krebs. In dieser Altersgruppe ist Krebs besonders bösartig: Die Tumorzellen vervielfachen sich rasend schnell. Am häufigsten werden Leukämien (Blutkrebs), Tumoren des Gehirns und des Rückenmarks sowie Lymphknotenkrebs diagnostiziert. Mehr als 90 Prozent aller krebskranken Kinder werden in kinderonkologischen Zentren und nach bundesweit einheitlichen Therapiekonzepten behandelt. Die Deutsche Krebshilfe finanziert fast alle derzeit in Deutschland laufenden Therapie-Optimierungsstudien bei Kindern. Diesen Studien ist es zu verdanken, dass heute fast 80 Prozent der betroffenen Kinder ihre Krebserkrankung überleben. Die Deutsche Krebshilfe gibt den allgemeinverständlichen Ratgeber „Krebs im Kindesalter“ heraus, der kostenlos bestellt werden kann: Deutsche Krebshilfe, Postfach 1467, 53004 Bonn, oder im Internet unter www.krebshilfe.de (pdf-Datei).

Ansprechpartner für Medien

Dr. med. Eva M. Kalbheim idw

Weitere Informationen:

http://www.krebshilfe.de

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