Aussagekraft von Hirnbildern überschätzt

Neuroimaging Aufnahme (Foto: Impact Assessment of Neuroimaging)

Neuroimaging ersetzt psychologische Tests nicht

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung hat für das Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung beim Schweizerischen Wissenschafts- und Technologierat erstmals Chancen und Risiken von Diagnoseverfahren wie Computertomografie oder Magnetenzephalografie bei Gehirnuntersuchungen analysiert und bewertet. Hirnbilder bieten ein großes Potenzial bei der Diagnose von Krankheiten und Erforschung grundlegender Vorgänge im Gehirn. Dennoch warnen die Forscher vor einer Überschätzung der Aussagekraft.

Die Untersuchungen basieren auf der am Montag in Bern erschienen Studie „Impact Assessment of Neuroimaging“. In Deutschland gibt es etwa 400 bis 500 Magnetresonanztomografen, die momentan hauptsächlich in der medizinischen Diagnostik angewendet werden. Das Neuroimaging werde unter anderem bei Schlaganfallpatienten, der Diagnose von Hirntumoren, zur Untersuchung des Krankheitsverlaufes von Multipler Sklerose verwendet. Außerdem ist durch Neuroimaging die optische Darstellung von Hirnaktivitäten wie sprechen, denken, fühlen und handeln möglich. Neuroimaging erweitert damit die methodischen Möglichkeiten der Kognitionspsychologie, Hirnfunktionen zur untersuchen.

„Zwischen Neuroimaging und Kognitionspsychologie besteht aber ein klarer Unterschied“, so Bärbel Hüsing, stellvertretende Abteilungsleiterin Neue Technologien im Fraunhofer-Institut und Mitautorin der Studie, im Gespräch mit pressetext. Die Kognitionspsychologie untersuche Hirnleistungen anhand des beobachtbaren Verhaltens. Das Neuroimaging dagegen messe und visualisiere die Hirnaktvitäten bei der Durchführung von Tätigkeiten, so Hüsing weiter. Insbesondere bestehe beim Neuroimaging die Gefahr, dass der Eindruck erweckt werde, man könne in das Gehirn sehen und sofort eine Diagnose erstellen. Dieses sei aber nicht möglich. In dieser Hinsicht werde die Leistungsfähigkeit des Verfahrens und seiner Ergebnisse überschätzt. Daher seien psychologische Tests wie sie in der kognitiven Psychologie erfolgen unabdingbar“, erklärt Hüsing weiter.

Um eventuellen Missbrauch sensibler persönlicher Daten, die durch Neuroimaging gewonnen werden, zu vermeiden, sei eine gute Qualitätssicherung von größter Wichtigkeit. Für die Zukunft sieht Hüsing vor allem eine Weiterentwicklung im Bereich der medizinischen Diagnostik und der Funktionsdiagnose: Inwieweit können Persönlichkeitsmerkmale, Intelligenz, Sprache, sexuelle Neigung, Neigung zu Gewalt und Sucht untersucht werden. Zurzeit sei die medizinische Diagnostik auf den Bereich der Strukturdiagnose begrenzt, das werde sich ändern. Jedoch seien dafür noch viele Studien notwendig. „Aber Gedanken lesen oder die Persönlichkeit ausspionieren ist auch in ferner Zukunft nicht möglich“, erklärt Hüsing abschließend.

Ansprechpartner für Medien

Ines Gerasch pressetext.austria

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