Europaweit erstes Behandlungsprogramm für Cannabisabhängige von Psychologenteam der TU Dresden entwickelt

Bisher existieren weder in Deutschland noch in anderen europäischen Ländern Cannabisentwöhnungskonzepte mit nachgewiesener Wirksamkeit. Einzelne empirisch überprüfte Konzepte zur Behandlung von Cannabisabhängigkeit wurden lediglich in den USA und Australien veröffentlicht.


Um diese Lücke zu schließen, entwickelt und erprobt ein Psychologenteam der TUD im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung das modulare Entwöhnungsprogramm „CANDIS“, das Jugendlichen und jungen Erwachsenen den Ausstieg aus dem Cannabiskonsum erleichtern soll. Das Entwöhnungsprogramm setzt sich aus einer dreistufigen Therapie zusammen:

1.) Zunächst wird die Veränderungsmotivation der Teilnehmer gefördert. In den ersten Sitzungen werden Vor- und Nachteile des Cannabiskonsums diskutiert. Gleichzeitig wird geklärt, wie die Abhängigkeit individuell entstanden ist.

2.) Im Rahmen einer Verhaltenstherapie werden Fertigkeiten eingeübt, um den Cannabiskonsum aufzugeben. Darunter fallen z.B. Strategien zur Rückfallprophylaxe oder Bewältigungstechniken bei starkem Verlangen nach Cannabis.

3.) Fragestellungen und Anliegen aus unterschiedlichen Lebensbereichen der Patienten werden mittels eines Problemlösetrainings angegangen.

CANDIS wird von speziell ausgebildeten Psychologen am Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der TU Dresden angeboten. Vorgesehen sind zehn kostenlose Einzelgespräche mit je zwei Sitzungen pro Woche (Dauer: acht Wochen). Teilnehmen können bis Ende 2006 alle Personen ab 16 Jahren, die ihren Cannabiskonsum verändern möchten. Alle Angaben werden streng vertraulich behandelt.

Cannabis ist die am weitesten verbreitete illegale Droge der westlichen Welt. Epidemiologische Studien zeigen, dass auch in Deutschland noch nie so viele Personen Haschisch oder Marihuana konsumiert haben, wie zurzeit. Fakt ist, dass über 40% der Jugendlichen bereits einmal Erfahrungen mit Cannabis gesammelt hat – Tendenz steigend!

Obwohl die „weiche“ Droge Cannabis lange Zeit als nicht körperlich abhängig machend galt, erfüllen etwa 6 % aller Deutschen die diagnostischen Kriterien für Cannabismissbrauch, 2 % die Kriterien einer Cannabisabhängigkeit. Neben körperlichen und psychischen Problemen berichten zahlreiche Konsumenten auch von sozialen oder rechtlichen Schwierigkeiten. Diese Entwicklung mag dazu beitragen, dass die Zahl der Behandlungen wegen cannabisbezogener Störungen besorgniserregend steigt. Laut der „Sächsischen Landesstelle gegen die Suchtgefahren e.V.“ wurden im Jahr 2005 in den Suchtberatungsstellen des Bundeslandes Sachsen mehr als 2200 Klienten mit Primärproblem Cannabis geführt. Davon sind allein im Regierungsbezirk Dresden fast 900 Personen registriert.

Kontaktdaten und weitere Informationen: Dr. Eva Hoch oder Dipl. Psych. René Noack, Institut für klinische Psychologie und Psychotherapie, Chemnitzer Str. 46, 01187 Dresden, Tel. 0351 463-36592, Fax. 0351 463-36984, E-Mail: candis@psychologie.tu-dresden.de

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Kim-Astrid Magister idw

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