Giftpflanze sorgt für steigende Selbstmordraten

Sri Lanka: Gelber Oleandersamen wirkt tödlich

Sri Lanka hat eine bisher noch nie da gewesene Zahl an Selbstmordversuchen aufzuweisen. Schuld daran ist ein Strauch, der als Zierpflanze weit verbreitet ist und dessen einzige Samenkapsel ausreicht um einen Menschen zu töten. Der Gelbe Oleander wächst fast überall auf der Insel im Indischen Ozean, wie der britische Mediziner Michael Eddlestone auf BBC-Online berichtet. Eddleston, der in Sri Lanka lebt, hat im Internationalen Medizin Journal QJMed über die Behandlung von Vergiftungen mit Oleandersamen geschrieben.

Die gelben trompetenförmigen Blüten des Gelben Oleander sind sehr hübsch. Die Pflanze hat Früchte in der Größe einer Rosskastanie in denen sich der giftige Samen befindet. Obwohl der Gelbe Oleander in den Tropen weit verbreitet ist, ist diese Pflanze in keinem anderen Land außer Sri Lanka mit „Selbstmord“ in Verbindung gebracht worden. Zurückzuführen ist dies auf ein Ereignis vor 25 Jahren. Damals hatten zwei Mädchen im Norden der Insel den Samen gegessen und sind daraufhin gestorben. Die lokalen Medien berichteten ausführlich darüber und brachten auch gleich die tödlichen Samen des Strauchs mit ins Spiel.

„Im folgenden Jahr waren es bereits 23 Fälle, im Jahr darauf 46, dann 126 und seit damals ist die Zahl der Selbstmordfälle durch Oleandersamen jährlich gestiegen“, so Eddleston. Das Problem überfordere das nationale Gesundheitssystem. Der Mediziner berichtet, dass manchmal nur Kleinigkeiten dazu führen, dass junge Menschen zum Selbstmordgift greifen. Doch sind es nach Aussagen der Mediziner nicht nur Jugendliche, die sich mit den Samen umbringen. „Viele der Fälle sind eher Proteste und Selbstmordversuche“, so der Mediziner. Allerdings enden bis zu zehn Prozent dieser Versuche tödlich. Ein Problem ist die schlechtere Infrastruktur, die einen schnellen Transport in die Klinik nicht zulässt, ein anderes ist ein fehlendes Mittel dagegen.

Das Gift, das in den Samenkapseln des Oleanders enthalten ist, wirkt ähnlich die das Medikament Digoxin, das die Herzleistung bei Herzschwäche steigert, in dem es den Herzschlag verlangsamt, aber kraftvoller werden läßt. Allerdings entspricht die Dosierung einer Samenkapsel etwa 100 Tabletten des Medikaments. Die Effekte des Gifts sind dramatisch: Es lässt das Herz immer langsamer schlagen, bis es schließlich zu schlagen aufhört. „Gegen Digoxin gibt es in der westlichen Medizin auch ein Gegenmittel, das effektiv wirkt“, so Eddleston. Allerdings kostet dieses Präparat weit mehr als sich die meisten Sri Lankesen leisten können – nämlich 3.000 Dollar pro Patient. Nun arbeitet Eddleston daran, einen lokalen Hersteller zu finden, der dieses Medikament für den lokalen Markt zu fairen Bedingungen herstellt.

Ansprechpartner für Medien

Wolfgang Weitlaner pressetext.austria

Weitere Informationen:

http://qjmed.oxfordjournals.org

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