Weltweit einmalige Helicobacter-Studie wird fortgesetzt

1982 haben die Australier Robin Warren und Barry Marshall die Existenz des Magenkeims Helicobacter pylori und dessen Heimtücke nachgewiesen. 2005 erhielten sie für diese Bahn brechende Leistung den Nobelpreis für Medizin. Heute werden Gastritis, Magengeschwür und Magenkrebs weitestgehend auf dieses Bakterium zurückgeführt und bei frühzeitiger Erkennung nicht mehr durch eine Operation sondern durch die Beseitigung des Bakteriums mit Antibiotika behandelt. H. pylori führt zur Gastritis und bei einem Teil der Patienten zu einem Magengeschwür oder sogar zu einem Karzinom. Die Übertragungswege für das Bakterium sind allerdings bisher nicht vollständig geklärt. Die Ermittlung der Verbreitung von H. pylori ist die Voraussetzung für eine gezielte Prophylaxe zur Vermeidung oben genannter Erkrankungen und ist damit eine wichtige umweltepidemiologische Aufgabe.

1998 haben schon einmal das Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ), die Kinderklinik und das Gesundheitsamt der Stadt Leipzig umfangreiche diagnostische Tests durchgeführt. Damals unterzogen sich 93% aller Leipziger Schulanfänger (rund 3500) einem einfachen Atemtest. Bei 7% der untersuchten Kinder wurde der Keim gefunden. Als diese Kinder im zweiten Schuljahr waren, wurden sie im Jahr 2000 erneut getestet, um den Erfolg einer Therapie und mögliche Neu-Infektionen zu ermitteln. Forschungsmittel des UFZ ermöglichen es nun, dass den Kindern, die jetzt die 8. Klasse besuchen, nochmals ein kostenloser Atemtest angeboten werden kann.

Wie viele neue H.-pylori-Träger wird man finden? Gibt es Spontanheilungen? Können Risiken für eine Kolonisation ermittelt werden? Gibt es vielleicht sogar positive Aspekte wie eine Trainierung des Immunsystems, die mit einer H. pylori Infektion im Zusammenhang stehen? All diese Fragen sollen im Rahmen dieser Studie untersucht werden. Studien hat es dazu auch in anderen Städten gegeben, aber dass ein Geburtsjahrgang mehrfach untersucht wird, macht die Leipziger Forschungen weltweit einmalig.

Unterstützt durch die Schulbehörden werden im 1. Halbjahr des Jahres 2006 Ärzte und Mitarbeiter der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Städtischen Klinikums ?St. Georg“, des UFZ und des Umweltmedizinischen Zentrums der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig die Schüler der 32 Mittelschulen und 19 Gymnasien Leipzigs aufsuchen, um dort den Test durchzuführen. Der halbstündige Atemtest wird mit einer schriftlichen Befragung der Eltern kombiniert, um möglichst viele der noch offenen wissenschaftlichen Probleme beantworten zu können. Die Eltern H.-pylori-infizierter Schüler werden umgehend schriftlich informiert. Diesen Familien wird ein kostenloses Beratungsgespräch in der Poliklinik der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Städtischen Klinikum ?Stankt Georg“ angeboten, um herauszufinden, ob möglicherweise weiterführende diagnostische und therapeutische Maßnahmen notwendig sind. Das Gesundheitsamt Leipzig empfiehlt allen Eltern, ihren Kindern die Teilnahme am Test zu ermöglichen. Ein positives Votum der Ethik-Kommission an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig liegt der Studie zu Grunde. Auch die Leiter und die Mitarbeiter der Untersuchung hoffen, dass alle Schüler und Schülerinnen der 8. Klassen Leipzigs dieses Angebot nutzten werden, um noch offene Fragen zu diesem weltweit verbreiteten Magenkeim klären zu können.

Leitung der Studie:
Prof. Dr. Olf Herbarth
Departmentleiter Expositionsforschung/Epidemiologie am Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ)
und Umweltmediziner an der Medizinische Fakultät der Universität Leipzig
und
Prof. Dr. Thomas Richter
Chefarzt Klinik für Kinder- u. Jugendmedizin am Städtischen Klinikum „St.Georg“

Weitere fachliche Information über:
Dr. Ulrike Rolle-Kampczyk
UFZ- Department Expositionsforschung und Epidemiologie
Telefon: 0341-235-2448
Email: [email protected]
oder über:
Doris Böhme, Tilo Arnhold
UFZ-Pressestelle
Telefon: 0341-235-2278
Email: [email protected]

Die Wissenschaftler des UFZ-Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ) erforschen die komplexen Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt in genutzten und gestörten Landschaften. Sie entwickeln Konzepte und Verfahren, die helfen sollen, die natürlichen Lebensgrundlagen für nachfolgende Generationen zu sichern.

Das UFZ ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, die mit ihren 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2.2 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands ist. Die insgesamt 24.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Helmholtz-Gemeinschaft forschen in den Bereichen Struktur der Materie, Erde und Umwelt, Verkehr und Weltraum, Gesundheit, Energie sowie Schlüsseltechnologien.

Ansprechpartner für Medien

Doris Böhme idw

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