Neue Immuntherapien bei Psoriasis

Ein neuer Eiweißstoff, Alefacept genannt, hilft Patienten mit Schuppenflechte. Weltweit haben bereits 1.500 Menschen an klinischen Studien mit dem neuen Wirkstoff teilgenommen. Bei über der Hälfte besserte sich die Krankheit deutlich. Neue Therapieansätze bei Psoriasis diskutierten internationale Forscher anlässlich des 10. Kongresses der Europäischen Akademie für Dermatologie und Venerologie in München.

Etwa zwei Millionen Menschen leiden in Deutschland an Psoriasis (Schuppenflechte). Silbrige Schuppen erscheinen ein bis zwei Mal pro Jahr an Ellenbogen, Knien und über dem Steißbein. Die Neigung, an Psoriasis zu erkranken, ist genetisch bedingt. Meist bricht die Erkrankung im frühen Erwachsenenalter aus und begleitet die Betroffenen ein Leben lang.

Das Protein Alefacept setzt an der Immunabwehr an: Es hemmt die Aktivität einer bestimmten Gruppe von weißen Blutkörperchen. Diese so genannten Memory-Effektor-T-Zellen finden Ärzte bei Psoriasis-Patienten in erhöhter Zahl. „Der große Vorteil der neuen Behandlungsstrategie liegt darin, dass die Patienten nur noch einmal pro Woche eine Spritze bekommen“, erklärt Professor Dr. Dr. h.c. Enno Christophers von der Universitätshautklinik Kiel. Bislang mussten Patienten während eines Krankheitsschubs jeden Tag zum Arzt gehen oder gar stationär aufgenommen werden. Den Wirkstoff Alefacept, spritzt der Arzt indes zwölf Wochen lang nur einmal pro Woche in die Vene oder in den Muskel.

An einer großen europäischen Studie nahm auch die Kieler Universitätsklinik teil. Die Patienten bekamen zwölf Wochen lang eine Alefacept-Spritze pro Woche. Das Ergebnis: nach Beendigung der Behandlung blieben die Patienten im Durchschnitt 300 Tage lang völlig oder weitgehend ohne Beschwerden.

Nach dem ersten Behandlungszyklus zeigten 57 von 100 Patienten eine Verbesserung ihres Zustandes um 50 Prozent, jeder dritte Patient erreichte sogar eine Reduktion der Papeln und Knötchen um 75 Prozent. Die Wirkung steigerte sich beim zweiten Behandlungszyklus: eine 50prozentige Besserung zeigten 71, eine 75prozentige Besserung 40 von 100 Patienten. Die Spritze wurde sehr gut vertragen, die Ärzte beobachteten nur milde Nebenwirkungen. „Wir konnten bislang keinerlei schädliche Wirkungen auf das Immunsystem oder auf einzelne Organe feststellen“, resümiert Christophers.

Alefacept hemmt die Bildung der Memory-Effektor-T-Zellen, indem es die „Andockstellen“ (Rezeptoren) für bestimmte Signalstoffe des Immunsystems blockiert. So verhindert der Wirkstoff, dass Zellen, die ein Antigen präsentieren (bei Psoriasis noch unbekannt), an die T-Zellen andocken. Diese werden somit zum „Futter“ für die körpereigenen Fresszellen. Nach der Therapie mit Alefacept stellten die Forscher fest, dass die Zahl der speziellen Lymphozyten in dem Maße abnahmen, wie die Hautveränderungen verschwanden. Die Zulassung des Präparates wurde bereits vom Hersteller beantragt, doch sie steht noch aus.

Monoklonale Antikörper

Die Substanz ist jedoch erst der Beginn einer neuen Entwicklung. Weil Eingriffe in das Immunsystem auf lange Sicht mit der Gefahr einer Immunschwächung einhergehen, suchen die Wissenschaftler weitere Möglichkeiten. Weltweit sind Forscher dabei, so genannte monoklonale Antikörper gegen verschiedene Signalstoffe (Zytokine) herzustellen, die von den weißen Blutkörperchen gebildet werden. „Klinische Beobachtungen an weltweit etwa hundert Patienten versprechen hervorragende Ergebnisse“, weiß Professor Christophers. Ein solcher Antikörper ist beispielsweise Infliximap, der den Immunbotenstoff TNF-Alpha blockiert.

„Impfung“ gegen die Entzündung

Andere Forschergruppen versuchen, die weißen Blutkörperchen „umzuprogrammieren“. Sie wollen aus entzündungsfördernden entzündungshemmende Zellen machen. „Dies würde verhindern“, erklärt Professor Martin Röcken von der Dermatologischen Klinik der Ludwig-Maximillians-Universität München, „dass die Infektabwehr generell geschwächt wird.“ Für eine solche Umprogrammierung kommen nach Röcken verschiedene Botenstoffe in Frage, etwa die Interleukine 10, 11 und 4. Zum anderen könnten auch spezifische Oberflächenmoleküle die Entwicklung von T-Zellen direkt beeinflussen.

Rückfragen an:
Prof. Dr. Dr. h.c. Enno Christophers
Abt. f. Dermatologie, Christian-Albrechts-Universität
Schittenhelmstr. 7, D- 24105 Kiel
Tel.: +49-431-597 -1500, Fax: +49-431-597 -1503
E-Mail: Echristophers@dermatology.uni-kiel.de

Prof. Dr. Martin Röcken
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
Klinikum der Universität München
Frauenlobstraße 9-11, D- 80337 München
Tel.: +49-89-5160-6205
Fax: +49-89-5160-6206
E-Mail: mroecken@lrz.uni-muenchen.de

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Dipl. Biol. Barbara Ritzert idw

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