Berufsgenossenschaften: Mehr Maschinenergonomie für weniger Unfälle

Die Tasten des neuen Handys sind so winzig, dass sie sich kaum einzeln drücken lassen. Das Display der Digitalkamera ist so klein, dass man Motivdetails nicht erkennt. Der Griff des Vertikutierers ist so kurz, dass ein erwachsener Mann in leicht gebückter Haltung damit arbeiten muss. Was in der Freizeit nur ein Ärgernis darstellt, kann am Arbeitsplatz schnell zum Unfall- oder Gesundheitsrisiko werden: Maschinen und Geräte, die schlecht oder gar nicht an die Bedürfnisse des Menschen angepasst sind. Das Berufsgenossenschaftliche Institut für Arbeitsschutz (BGIA) hat deshalb eine Checkliste „Ergonomische Maschinengestaltung“ entwickelt, die ab sofort im Internet unter http://www.hvbg.de/code.php?link=1738466 kostenlos herunter geladen werden kann.

„Laut europäischer Maschinenrichtlinie müssen Maschinen nicht nur technisch sicher sein, sondern sind außerdem so zu entwerfen, dass sie den Maschinenbediener möglichst wenig belästigen, ermüden oder psychisch belasten“, erklärt Dr. Michael Huelke, verantwortlicher Projektleiter im BGIA. Bislang sei es jedoch für den Hersteller schwierig gewesen, die ergonomische Qualität einer Konstruktion zu prüfen. Denn die Anforderungen seien zahlreich, oft sehr allgemein oder gar lückenhaft und zudem über viele Quellen verstreut.

Mit der Checkliste steht Maschinenbauern nun erstmals eine Art Sammelwerk zur Verfügung: Es enthält die wichtigsten Kriterien zur ergonomischen Maschinengestaltung aus mehr als 28 Einzelnormen und -richtlinien, ergänzt um Grenz- und Kennwerte sowie um Hinweise darauf, wie die Übereinstimmung mit den Kriterien überprüft werden kann. Die Anforderungen beziehen sich dabei auf verschiedene Betriebszustände: vom Automatik- und Einrichtbetrieb, über die Wartung und Instandhaltung bis hin zur Störungsbeseitigung. Die Checkliste enthält etwa 300 Fragen, die alle mit Ja oder Nein zu beantworten sind. Zur Liste gehören außerdem ein Merkheft mit weiteren Informationen und ein Auswertebogen, der hilft, die Ergebnisse des Fragenkatalogs abschließend zu bewerten.

Huelke: „Die Unfallstatistik belegt, dass 60 Prozent aller Unfälle beim Bedienen von vermeintlich fehlerfreien Maschinen auftreten. Wir möchten zukünftig auch durch bessere Maschinenergonomie die Unfallzahlen senken und gleichzeitig arbeitsbedingte Belastungen reduzieren.“ Dabei habe sich das Projektteam zunächst auf die Gruppe der Metallbearbeitungsmaschinen konzentriert, wie z. B. Bearbeitungszentren oder auch handbediente Dreh- und Fräsmaschinen. Initiiert und unterstützt hat das Projekt der zuständige Fachausschuss Maschinenbau, Fertigungssysteme, Stahlbau bei der Berufsgenossenschaft Metall Süd in Mainz.

Die Berufsgenossenschaften sind die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung für die Beschäftigten in der gewerblichen Wirtschaft. Neben der Rehabilitation und Entschädigung der Opfer von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten ist die betriebliche Prävention ihre Hauptaufgabe. Zu diesem Zweck beraten die Berufsgenossenschaften die Unternehmen bei der Verbesserung der Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Die berufsgenossenschaftlichen Institute erforschen praxisnahe Lösungen zur Unfall- und Krankheitsverhütung in den Betrieben.

Fachlicher Ansprechpartner:
Dr. Michael Huelke (BGIA)
Tel.: 02241 231-2644
E-Mail: michael.huelke@hvbg.de

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Andreas Baader idw

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