Transplantationsmediziner packen heiße Eisen an

Seit zehn Jahren wird am Universitätsklinikum Rostock die kombinierte Bauchspeicheldrüsen- und Nierentransplantation vorgenommen. Im Sommer 1995 wurde die erste Operation dieser Art durchgeführt. Seither hat sich am Uniklinikum eines der wichtigsten Zentren für die Transplantation der Bauchspeicheldrüse in der Bundesrepublik entwickelt. Die spezielle Operation hilft zum Beispiel Diabetikern, deren Nieren durch die Erkrankung nicht mehr funktionieren. Nach der Transplantation müssen diese Patienten nicht mehr an die Dialyse (Blutwäsche). Die Anerkennung, die die Universitätsklinik als Transplantationszentrum genießt, ist auch an der Wahl Rostocks als Veranstaltungsort der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Transplantationsgesellschaft (DTG) erkennbar. Zwischen dem 22. und 24. September 2005 versammelt der Kongress DTG 2005 in Rostock-Warnemünde prominente Transplantationsexperten, die sich in Referaten, aber auch in Videositzungen mit Erforschung und Praxis der Organtransplantation beschäftigen.


Ende Juni kam eine junge Patientin aus Greifswald an das Universitätsklinikum Rostock. Der schwerkranken Frau wurden Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und Niere transplantiert – genau zehn Jahre, nachdem eine solche OP erstmals in Rostock durchgeführt worden war. „Seinerzeit war es die erste Operation dieser Art in den neuen Bundesländern“, sagt Professor Dr. Wolfgang Schareck, Oberarzt der Abteilung für Allgemeine, Thorax-, Gefäß- und Transplantationschirurgie am Universitätsklinikum Rostock. Seit dem hat sich am Universitätsklinikum Rostock eines der wichtigsten Pankreas-Transplantationszentren der Bundesrepublik entwickelt. Durchgeführt wird die kombinierte Bauchspeicheldrüsen- und Nierentransplantation vornehmlich bei jungen Diabetikern (Typ I Diabetes mellitus), bei denen die Zuckerkrankheit die Nieren zerstört hat. Diese Patienten können nur durch regelmäßige Blutwäsche (Dialyse) überleben. „Mit der Transplantation haben diese Patienten wieder Lebensmut“, sagt Professor Schareck. „Sie können sich normal ernähren und müssen kein Insulin mehr spritzen, ihr Herz-Kreislaufsystem wird nicht mehr geschädigt.“ Außerdem sinke die hohe Sterblichkeit. In den vergangenen zehn Jahren wurden etwa 150 solcher Operationen durchgeführt.

Dass Rostock bundesweit als Pankreas-Transplantationszentrum anerkannt ist, beweist die Tatsache, dass die Deutsche Transplantationsgesellschaft (DTG) ihren Kongress DTG 2005 in diesem Jahr in Rostock stattfinden lässt. „Diese Jahrestagung stellt eine wichtige Standortbestimmung der Transplantationsmedizin in Deutschland dar“, sagt Professor Dr. Ernst Klar, Leiter der Abteilung für Allgemeine, Thorax-, Gefäß- und Transplantationschirurgie am Universitätsklinikum Rostock. Der Kongress befasst sich traditionell mit Belangen der Transplantationsmedizin in Deutschland und darüber hinaus. Zudem gelte es, die Kontakte zu Einrichtungen in den USA fortzusetzen. Aus diesem Grund wird in diesem Jahr der renommierte Mediziner Professor Dr. Hans Sollinger aus Madison, Wisconsin, über Strategien in den USA zur Steigerung der Organspende sprechen.

Beim diesjährigen Kongress, zu dem gut 500 Teilnehmer anreisen, werden besonders „heiße Eisen“ angefasst, verspricht Professor Klar. Dazu zählt besonders ein medizinisch und gesellschaftspolitisch brisantes Thema: die mangelnde Bereitschaft der Deutschen zur Organspende. Dramatisch ist die Situation im Bereich der Lebertransplantation. In ganz Deutschland sind aktuell 1525 Patienten auf der Warteliste – Tendenz steigend. 25 Prozent werden versterben, bevor ein Spenderorgan zur Verfügung steht. Das Transplantationszentrum Rostock zusammen mit der Deutschen Stiftung Organtransplantation hat in Mecklenburg-Vorpommern eine Infrastruktur aufgebaut, bei der die Organentnahme von hirntoten Spendern in den umliegenden Krankenhäusern auf hohe Akzeptanz stößt. Es ist auf diese Weise gelungen, die Organspende auf 36,5 pro eine Million Einwohner zu steigern. Dies bedeutet eine exzellente Entwicklung zum Abbau des Organmangels und stellt eine Herausforderung für alle anderen Bundesländer dar, da der Bundesdurchschnitt bei nur 13 Spendern pro einer Million Einwohner liegt. Das zugrunde liegende Konzept wird dargestellt werden.

Entsprechend der EU-Osterweiterung wird auf dem Kongress nach Strategien gesucht, eine engere Verbindung zu Polen und den Baltischen Staaten aufzubauen. Zusammen mit der Deutschen Transplantationsgesellschaft sollen Kooperationen zur Unterstützung definiert werden. Dies gilt besonders für die Technik der Organentnahme mit dem Ziel, die genannten Staaten in die Organvermittlung durch Eurotransplant in Leiden zu integrieren.

Diesen und anderen aktuellen Themen wird sich der Kongress widmen. Besonderen Stellenwert wird dabei die Definition chirurgisch-operativer Exzellenz zur weiteren Verbesserung der Transplantationsergebnisse in Form einer Videositzung einnehmen, in der besondere Experten für die jeweilige Technik ihre Erfahrungen mitteilen. Zum anderen wird die moderne Immunsuppression diskutiert. Diese hat das Ziel, die Patientenbelastung durch die Medikamente zu reduzieren. Dies bedeutet die Erarbeitung zunehmend individueller Therapiekonzepte, die auf dem Kongress besonders analysiert werden. Zusätzlich findet sich eine kritische Bestandsaufnahme zur Stammzelltransplantation: „Wie nahe ist der klinische Durchbruch wirklich?“.

Professor Dr. Ernst Klar
Abteilung für Allgemeine Chirurgie,
Thorax-, Gefäß- und Transplantationschirurgie
Klinik und Poliklinik für Chirurgie
Universitätsklinikum Rostock
Schillingallee 35
18057 Rostock
Tel. 0381/4946001

Prof. Dr. Peter Schuff-Werner
Ärztlicher Direktor
Universitätsklinikum Rostock
Medizinische Fakultät
Rembrandtstraße 16/17
18057 Rostock
Tel. 0381/4945011

Media Contact

Dr.-Ing. Karl-Heinz Kutz idw

Weitere Informationen:

http://www.dtg2005.de

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