Wann Hormone für den Mann?

Fragen an den Tagungspräsidenten, Professor Dr. Severin Lenk

In einer Zeit, da die Menschen in unseren Zivilisationsgesellschaften immer älter werden, erreicht die modische „Anti-Aging“ Bewegung nicht nur die Frau sondern langsam auch den alternden Mann. Vital, das heißt gesund und leistungsfähig im Alter sein und bleiben, ist das Ziel, das immer mehr aufgeklärte Männer vor Auge haben.
Auch die „Deutsche Gesellschaft für Urologie“ hat dieses Thema in ihre Weiterbildungsveranstaltungen aufgenommen und klärt in diesem Jahr auf zahlreichen Konferenzen darüber auf. Professor Dr. Severin Lenk, von der „Klinik für Urologie“ der Charité ist Präsident der 13. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Andrologie“(Männerheilkunde), die vom 6.- 8. September in Berlin tagt. Wir sprachen mit ihm:
?? Herr Professor Lenk, lässt sich altern durch anti-aging verzögern?
Lenk: Altern kann man dadurch nicht aufhalten. Aber altersspezifische Leiden lassen sich mildern oder ganz verhindern. Dazu gehören die Krankheiten, wie Diabetes, Fettsucht, und seine Folgen, Hochdruck oder Gelenkbeschwerden, die der Mensch selbst verhindern kann, durch Maßhalten beim Essen und Trinken, beim Rauchen und Alkoholkonsum und im Bemühen um körperliche Beweglichkeit und Sport. Auch die Ernährung scheint Einfluss zu haben, etwa auf die Entwicklung von Prostatakrebs beim älteren Mann. Auf jeden Fall sollte man anstreben, mit hoher Lebensqualität ins Alter zu gehen. Und rechtzeitig die im normalen Lebenslauf auftretenden Störungen, sofern sie Krankheitswert erlangen, behandeln lassen. Dann ist oft viel gewonnen.
?? An welche Störungen sind beim Manne zu denken?
Lenk: In der Bevölkerung ist bisher noch wenig bekannt, dass beim Manne im Laufe seines Lebens die Sexualhormonproduktion abnimmt und dass dies ein Problem werden kann.
Woran erkennt der Mann, dass ihm etwas fehlt? ?
Lenk: betroffene Männer klagen über Leistungsinsuffizienz und über Konzentrationsschwäche. Sie haben depressive Verstimmungen, die aber nicht ohne weiteres erkennbar sind, mitunter in ersten Linie im Arbeitsleben offenbar werden: Der Mann scheint überfordert, ist auf ein Mal nicht mehr in der Lage, seine bisherige Leistung zu erbringen, er sieht Mitarbeiter an sich vorüberziehen.
?? Die wenigstens denken dann an eine nachlassende Hormonproduktion in ihrem Körper….
Lenk: Es ist einfach noch zu wenig bekannt, dass männliche Sexualhormone auch das Denkvermögen, die Psyche und die Muskulatur beeinflussen, keineswegs nur die Sexualität. Der Arzt kann im Einzelfall feststellen, ob tatsächlich ein Hormondefizit besteht. Trifft das zu, so lässt sich durch Hormonsubstitution oft durchaus einiges bessern. Das wichtigste ist, dass der Hormonstatus überhaupt erhoben wird, wenn Beschwerden der genannten Art auftreten.
?? Welche Hormone interessieren in diesem Zusammenhang?
Bestimmt wird dabei nicht nur die Menge des männlichen Sexualhormons, des Testosterons, sondern auch die bestimmter Globuline, die in der Leber das Testosteron binden und es damit biologisch unwirksam machen. Außerdem messen wir auch Nebennierenrinden- Hormone, besonders das sogenannte De-hydro-epi-androsteron ( DHEA) und das Androsteronsulfat und ziehen aus allem zusammen dann unsere Schlüsse und leiten daraus unsere Therapieempfehlungen ab. Dazu ist es auch notwendig, stets die Höhe des sogenannten „Prosta-spezifischen Antigens“ (PSA) zu bestimmen und in Abständen zu kontrollieren. Ein überhöhter Wert weist auf einen Prostata-Tumor hin. In solchem Fall ist eine Hormonbehandlung nicht möglich, weil Testosterone das Wachstum vorhandener Krebszellen in der Prostata fördern können.
Schließlich stellen wir auch die Konzentration von Östrogenen fest, die beim Umbau des Testosterons entstehen. Denn auch beim Mann führt ein Mangel an diesen „weiblichen“ Hormonen zu erhöhter Brüchigkeit der Knochen, zur Osteoporose. Durch Hormonsubstitution mit Testosteron lässt sich aber das Fortschreiten der Osteoporose deutlich aufhalten, bzw. eine beginnende Osteoporose sogar rückgängig machen.
?? Mit Hormonmängeln bringen Männer aber vor allem eine Verminderung ihrer Sexualfunktionen in Zusammenhang. Ist das einseitig?
Lenk: Die Schwierigkeiten mit der Sexualität beginnen bei Männern oft schon nach dem 40. Lebensjahr, haben aber ihren Höhepunkt zwischen dem 50. Und 70. Die sogenannte „erektile Dysfunktion“ die Unfähigkeit, eine normale Erektion zu bekommen, steht zwar beim Patienten meist im Vordergrund, sie lässt sich aber mit Hormonen kaum wesentlich bessern (außer in Fällen, wo ein ganz erheblicher Hormonmangel herrscht). Die Gründe für Erektionsschwäche sind zahlreich, unter anderem psychischer Art. Sie können durch Partnerprobleme bedingt sein oder körperliche Ursachen haben, etwa durch Gefäßerkrankungen oder Diabetes. Die Hormone sind dagegen eher zuständig für die Lust.
?? Welche Art der Hormontherapie steht denn zur Verfügung?
Lenk: Man gibt Testosteron als Tablette, als Pflaster oder als Spritze. Tabletten sind als Langzeittherapie ungeeignet, weil sie drei mal am Tag einzunehmen sind. Von den Pflastern muss der Mann täglich zwei kleben und die Spritzenbehandlung erfordert Injektionen im Abstand von zwei bis drei Wochen. Im Ausland sind Gele und Implantate, sogenannte Presslinge, die unter die Haut gespritzt werden und als Depot wirken, in Erprobung.
Ob das DHEA, das derzeit als Life-Style- Droge angesehen wird, mehr kann, muss sich noch zeigen. Unter der Gabe dieses schwachen Androgens aus der Nebennierenrinde werden Konzentrationsstörungen und Depressionen abgemildert, auf Libido und Sexualfunktionen hat die Substanz kaum Einfluss.
?? Was kann man alternden Männern mit Potenzproblemen raten?
Lenk: Bei der erektilen Dysfunktion kommen heutzutage eher örtlich am Penis wirksam werdende Substanzen, wie Viagra, in Betracht oder neue, zentral, also im Gehirn, angreifende Wirkstoffe wie die Apomorphine, die die Libido anregen und über diesen Weg zur Erektion führen.
Herzlichen Dank für das Gespräch.
Silvia Schattenfroh

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Charité
Medizinische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin
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