Kardiologische Klinik nach ISO 9001 zertifiziert

Als eine der ersten Kliniken ihrer Art in Deutschland hat sich die Jenaer Universitäts-Klinik für Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensiv-Medizin (KIM III) nach der strengen internationalen Prüfnorm DIN EN ISO 9001:2000 zertifizieren lassen. Das bedeutet, dass alle Arbeitsvorgänge in der Klinik – vom minimalinvasiven Herzeingriff bis zur Essensausteilung – detailliert in einzelne Teilschritte untergliedert und in einem Qualitätshandbuch festgelegt worden sind.

„Daraus resultiert eine hundertprozentige Transparenz bei der Patientenbehandlung“, erläutert Prof. Dr. Hans-Reiner Figulla als Direktor der Klinik. „Mögliche Fehlerquellen im komplizierten Kliniksalltag können gezielt ausgeschaltet werden, alle Vorgänge werden genau dokumentiert, und jeder Patient kann sicher sein, dass er nach den höchsten Qualitätsstandards behandelt wird.“ Zugleich werde die Effizienz und somit auch die Wirtschaftlichkeit der Klinik gesteigert.

„Beim Qualitätsmanagement kommt es entscheidend darauf an, dass alle Mitarbeiter persönliche Verantwortung übernehmen“, ergänzt Oberärztin Dr. Gudrun Dannberg. „Denn im Getriebe aus unterschiedlichen Funktionsbereichen müssen die Zahnräder genau ineinander greifen.“ Die Idee der ISO-Zertifizierung stammt ursprünglich aus der Industrie. Inzwischen wird dieses Prinzip immer häufiger auf den Dienstleistungssektor übertragen und findet seit wenigen Jahren auch im Krankenhausbereich Anwendung.

„Einen defekten Mikrochip mag man sich in der Elektroindustrie ja vielleicht gerade noch leisten können“, meint Pflegedienstleiterin Maria Lasch, „ein vermeidbarer Fehler bei einer Herzkatheter-Behandlung aber wäre unverzeihlich.“ Mit der ISO-Zertifizierung setzt der Chefarzt auf ein lückenloses Qualitätsmanagement, das in einem dynamischen Prozess ständig an neue Anforderungen angepasst wird.

So wuchsen die Patientenzahlen in den vergangenen vier Jahren, seit Figulla die Klinik übernommen hat, rapide an. Wurden im ersten Halbjahr 1997 noch 1.195 Patienten stationär behandelt, so waren es im Vergleichszeitraum diesen Jahres genau 2.232. Außerdem kommen weitere rund 3.500 Patienten jährlich zur ambulanten Versorgung. Die Zahl der Mitarbeiter – derzeit 134, davon 35 Ärzte – hat sich allerdings nicht in gleicher Weise erhöht, vielmehr wurde die Effizienz gesteigert: Die Liegezeiten für stationäre Patienten betragen nur noch durchschnittlich sieben Tage, die Bettenauslastung liegt bei beachtlichen 89 Prozent. Das spricht für ein ausgeklügeltes Management.

„Der Bedarf an herzmedizinischer Versorgung ist in Thüringen immer noch nicht vollends gedeckt“, beklagt Figulla dennoch. „Wir haben seit der Wende zwar erheblich aufgeholt, aber das Niveau der westdeutschen Bundesländer längst noch nicht erreicht.“ Schließlich liegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit Abstand an der Spitze in der bundesweiten Todesartenstatistik.

Hans-Reiner Figulla und sein Team versuchen, der Thüringer Misere mit moderner, leistungsfähiger Medizin gegenzusteuern. So hatte der Freistaat zum Beispiel in der Statistik der Herzkatheter-Untersuchungen – bezogen auf die Einwohnerzahl ehedem die „rote Laterne“, heute belegt man immerhin nur noch den vorletzten Platz.

Rund 3.000 solcher Untersuchungen finden pro Jahr allein in der Jenaer Kardiologie statt, in fast jedem dritten Fall werden Engstellen der Herzkranzgefäße gleich mit einem Mini-Ballon aufgeweitet. Figulla: „Das ist derzeit eine der sichersten Methoden, um einem drohenden Herzinfarkt vorzubeugen. Zugleich wird die Leistungsfähigkeit und damit die Lebensqualität des Patienten erheblich verbessert. Das merkt man schon beim Treppensteigen.“

Außerdem führen die Ärzte minimalinvasive Eingriffe durch, die vorher in Thüringen gar nicht möglich waren: etwa den Verschluss von Löchern in der Herzscheidewand, die Aufdehnung von verengten Herzklappen oder Hochrisikoeingriffe unter Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine. Damit neben der klinischen Patientenversorgung die Forschung nicht zu kurz kommt, hat Figulla seine Mitarbeiter in sechs Wissenschaftler-Teams organisiert, die Ursachen und Therapie z. B. von Herzinsuffizienz, Gefäßkrankheiten oder elektrischen Reizleiterstörungen des Herzens untersuchen.

„Wir müssen uns darüber im klaren sein, dass die moderne Medizin nicht nur unsere Lebensqualität verbessert und verlängert, sondern auch mehr Geld kostet“, gesteht Prof. Figulla ein. Dabei sei das deutsche Gesundheitssystem im europäischen Vergleich – gemessen an der Effizienz – insgesamt das teuerste. Die Zukunft liegt deshalb eindeutig in einer Steigerung von Transparenz und Wirtschaftlichkeit bei gleichzeitigem, konsequentem Qualitätsmanagement. Mit der ISO-Zertifizierung ist die Jenaer Uni-Klinik in dieser Hinsicht Vorreiter.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Hans-Reiner-Figulla
Klinik für Innere Medizin III der Universität Jena
Tel.: 03641/939138, Fax: 939363

Media Contact

Dr. Wolfgang Hirsch idw

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit

Dieser Fachbereich fasst die Vielzahl der medizinischen Fachrichtungen aus dem Bereich der Humanmedizin zusammen.

Unter anderem finden Sie hier Berichte aus den Teilbereichen: Anästhesiologie, Anatomie, Chirurgie, Humangenetik, Hygiene und Umweltmedizin, Innere Medizin, Neurologie, Pharmakologie, Physiologie, Urologie oder Zahnmedizin.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Ordnung in der Unordnung

Dichtefluktuationen in amorphem Silizium entdeckt Erstmals hat ein Team am HZB mit Röntgen- und Neutronenstreuung an BESSY II und BER II in amorphem Silizium mit einer Auflösung von 0.8 Nanometern…

Das Protein-Kleid einer Nervenzelle

Wo in einer Nervenzelle befindet sich ein bestimmter Rezeptor? Ohne Antwort auf diese Frage ist es fast unmöglich, Rückschlüsse über die Funktion dieses Proteins zu ziehen. Zwei Wissenschaftlerinnen am Max-Planck-Institut…

40 Jahre alter Katalysator birgt Überraschungen für die Wissenschaft

Wirkmechanismus des industriellen Katalysators Titansilikalit-1 basiert auf Titan-Paaren/Entdeckung wegweisend für die Katalysatorentwicklung Der Katalysator “Titansilikalit-1“ (TS-1) ist nicht neu: Schon vor fast 40 Jahren wurde er entwickelt und seine Fähigkeit…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close