Fehlendes Rezeptormolekül verursacht Tumorwachstum

Ansatz bringt neue Möglichkeiten der Therapie

Wissenschaftler der Medizinischen Universität Wien haben entdeckt, dass das Fehlen eines Rezeptormoleküls zum Wachstum von Tumoren des Eierstocks beiträgt. Das Forscherteam hat auch die mögliche genetische Ursache für das Fehlen des Rezeptormoleküls, das einen wichtigen Faktor zur Regulierung des Zellwachstums darstellt, entdeckt, berichten sie im Fachjournal Molecular Cancer Research.

Das Team um Michael Krainer von der Medizinischen Universität Wien konnte belegen, dass der programmierte Zelltod (die so genannte Apoptose), ein wichtiger Mechanismus der Zellregulierung, auch bei Zellen bestimmter Tumore der Eierstöcke nicht funktioniert, weil ein Signal von den Zellen nicht aufgenommen werden kann: Ein als DR4 bezeichnetes Rezeptormolekül auf diesen Zellen fehlt. DR4 ist aber für das Binden des Signalmoleküls TRAIL, das in diesen Zellen die Apoptose einleitet, verantwortlich.

Zunächst war den Forschern nicht klar, was bei der Signalübertragung fehlte, ob es das Signal oder das Rezeptormolekül war. „Zur Klärung dieser Frage wurden von uns zehn verschiedene Proben von Tumoren der Eierstöcke untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass bei 40 Prozent der Proben keine oder nur sehr wenige Rezeptormoleküle von DR4 vorhanden sind“, so Krainer. In weiteren Untersuchungen wurde dann gezeigt, dass gerade diese Zellen besonders schlecht auf TRAIL reagierten. Damit war geklärt, dass das Fehlen des Rezeptors und nicht des Signals maßgeblich zum Tumorwachstum beitragen kann.

Die Wissenschaftler fanden auch heraus, dass bei 75 Prozent der Proben das Gen so modifiziert wurde, dass es nicht einsatzbereit war. „Einige Bausteine des Gens waren durch Anhängen von Methyl-Gruppen verändert worden. Diese Methylierung ist zwar ein durchaus üblicher Weg, um Gene in Zellen ruhig zu stellen, in den betroffenen Tumorzellen muss diese aber wohl zum falschen Zeitpunkt erfolgt sein“, erklärt der Experte. Das Forschungsteam erhielt die Bestätigung der Testergebnisse an 36 verschiedenen Tumorgeweben, die direkt von Patientinnen stammten. Diese Zellen repräsentieren nämlich im Vergleich zu den für experimentelle Arbeiten üblicherweise verwendeten Zellkulturen die tatsächlichen Erkrankungsursachen wesentlich besser. In 20 Prozent der untersuchten Gewebe wurde auch hier eine erhöhte Methylierung des Gens und ein Fehlen von DR4 festgestellt.

Die vom Wissenschaftsfonds FWF unterstützte Arbeit ebnet mit der wichtigen Erkenntnis, dass die Methylierung des Gens für DR4 zur Entstehung von Tumoren beitragen kann, den Weg für zukünftige Therapien. Diese könnten das gestörte Signaltransfer-System DR4 – TRAIL manipulieren, um die Krebszellen dem ursprünglich programmierten Zelltod zuzuführen.

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Wolfgang Weitlaner pressetext.austria

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