Rückfall bei Knochenkrebs verhindern

Deutsche Krebshilfe fördert internationale Studie

Das Osteosarkom ist die häufigste Krebserkrankung der Knochen. Vor allem Kinder und Jugendliche erkranken daran. Etwa zwei Drittel aller Osteosarkom-Patienten können mit einer Kombination aus Chemotherapie und Operation geheilt werden. Bei den übrigen Patienten tritt der Tumor jedoch nach Abschluss der Behandlung schnell wieder auf. Die Heilungschancen sinken dadurch dramatisch. Im Rahmen einer europäisch-amerikanischen Studie soll die Therapie nun weiter optimiert werden. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt diese Studie mit rund 790.000 Euro.

Bei der Behandlung des Osteosarkoms erhält der Patient bereits vor der Operation eine mehrwöchige Chemotherapie. Durch diese präoperative Therapie soll sich zum einen der Tumor verkleinern, um besser operabel zu sein. Zum anderen sollen die Zellgifte vereinzelte Krebszellen zerstören, die sich vom Haupttumor gelöst haben und an entfernten Stellen im Körper Metastasen bilden können. Bei etwa einem Drittel der Patienten schlägt die Chemotherapie jedoch nicht an, so dass sich danach noch Tumorzellen im Körper – insbesondere in der Lunge – befinden. Diese Patienten haben eine sehr schlechte Prognose.

Im Rahmen der von der Deutschen Krebshilfe geförderten europäisch-amerikanischen „EURAMOS-1 Studie“ (European and American Osteosarcoma Study) wird nun untersucht, ob eine deutlich intensivere Chemotherapie die Krebszellen wirkungsvoller vernichtet. Diese Therapie, bei der zwei zusätzliche Medikamente eingesetzt werden, hat jedoch deutlich mehr Nebenwirkungen als die herkömmliche Standardtherapie. So wird unter anderem die körpereigene Abwehr stark geschwächt und in seltenen Fällen auch die Nierenfunktion eingeschränkt. Die Studie prüft daher, ob die Überlebenschancen durch die intensivere Behandlung tatsächlich erhöht werden und die stärkeren Nebenwirkungen somit gerechtfertigt sind.

Bei denjenigen Patienten, bei denen die Standard-Chemotherapie besser wirkt, wird zusätzlich untersucht, ob die Gabe von Interferon Alpha die Heilungschancen verbessern kann. Interferone sind körpereigene Substanzen, welche die Verständigung zwischen Immunzellen vermitteln und die körpereigene Abwehrreaktion verstärken. Dadurch werden die Krebszellen möglicherweise wirkungsvoller bekämpft.

An der EURAMOS-1 Studie, an der 1.260 Patienten teilnehmen, sind mehrere renommierte Studiengruppen aus Europa und Nord-Amerika beteiligt. Diese Kooperation ist eine konsequente Weiterentwicklung der bisherigen, seit den 80-er Jahren durchgeführten Therapie-Optimierungsstudien der Cooperativen Osteosarkomstudiengruppe (COSS). Die COSS-Gruppe koordiniert seit 25 Jahren die weitere Entwicklung der Therapie des Osteosarkoms in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Studienzentrale hat ihren Sitz an der Universitätsklinik Münster und wird dort seit vielen Jahren von der Deutschen Krebshilfe gefördert.

„In den letzten 25 Jahren hat die COSS-Studiengruppe immer erfolgreichere Therapiekonzepte entwickelt. Ihre Heilungserfolge beim Osteosarkom gehören seit langem zu den besten weltweit“, erklärt Privatdozent Dr. Stefan Bielack, Leiter der COSS-Studiengruppe an der Klinik und Poliklinik für Kinderheilkunde des Universitätsklinikums Münster. „Durch die europäisch-amerikanische Zusammenarbeit im Rahmen der EURAMOS-1 Studie werden sich die Therapieoptionen für die jungen Patienten weiter verbessern.“ Die Teilnahme der COSS-Gruppe an der EURAMOS-1 Studie wird durch die Deutsche Krebshilfe ermöglicht.

Die COSS-Gruppe kooperiert im EURAMOS-Projekt mit der nordamerikanischen Children’s Oncology Group, der European Osteosarcoma Intergroup und der Scandinavian Sarcoma Group. An der EURSAMOS-1 Studie sind insgesamt zwölf europäische Länder, die USA und Kanada beteiligt. Sie wird im Rahmen des Programms „Pan-Europäische Klinische Studien“ der European Science Foundation durchgeführt. Interessierte Osteosarkom-Patienten und deren Angehörige können sich an die deutsche COSS-Studienzentrale wenden: PD Dr. Stefan Bielack, Universitätskinderklinik Münster, Telefonnummer 02 51/83 52 424, E-Mail coss@uni-muenster.de.

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Infokasten: Klinische Studien

In klinischen Studien, auch Therapiestudien genannt, werden Behandlungsverfahren an einer größeren Zahl von Patienten statistisch geplant, systematisch überprüft und sorgfältig ausgewertet. Eine Ethikkommission kontrolliert, ob alle Schutzbestimmungen eingehalten werden und erteilt den Studienärzten die Zustimmung für ihr Vorhaben. Die Broschüre „Klinische Studien“ der Deutschen Krebshilfe, die umfassende Informationen zu diesem Thema enthält, kann kostenlos angefordert werden bei der Deutschen Krebshilfe, Postfach 1467, 53004 Bonn.

Projekt-Nr.: 106624 (50-2723)

Media Contact

Dr. med. Eva M. Kalbheim idw

Weitere Informationen:

http://www.krebshilfe.de

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