Röntgenbilder auf der Datenautobahn

Im Teleradiologie-Projekt Rhein-Neckar-Dreieck tauschen mehr als 20 Kliniken und Praxen medizinische Daten aus / Projektleitung am Universitätsklinikum Mannheim angesiedelt / Einsatz in der Notfallversorgung und für konsiliarische Dienstleistungen / Förderung durch die Landesstiftung Baden-Württemberg / Technisch anspruchsvoll, aber flexibel

Nach einer dreijährigen Aufbauphase ist das Teleradiologieprojekt Rhein-Neckar-Dreieck erfolgreich in Betrieb genommen worden. Über 20 Kliniken und Praxen aus dem Bereich Mannheim, Heidelberg, Karlsruhe und Ludwigshafen tauschen dabei über ein Datennetz Röntgenbilder und andere medizinische Daten aus. Die Patientenversorgung in der Großregion wird dadurch verbessert, weil auf diese Weise auch über die räumliche Distanz hinweg Experten hinzugezogen werden können. Gefördert wird das Projekt durch die Landesstiftung Baden-Württemberg. Die Projektleitung ist am Institut für Klinische Radiologie (Direktor: Prof. Dr. Christoph Düber) des Universitätsklinikums Mannheim angesiedelt, Projektleiter ist Dr. Gerald Weisser.

Das System dient beispielsweise der teleradiologischen Betreuung von Notfallpatienten. Hier bietet es Vorteile sowohl für die betroffenen Patienten, in deren Diagnostik rasch die Meinung von Spezialisten einfließen kann, als auch für die einzelnen peripheren Häuser, die beispielsweise auf die Einrichtung zusätzlicher Nacht- und Wochenenddienste verzichten können. So kann jetzt bereits in mehreren Kreiskrankenhäusern auch nachts und am Wochenende ein Computertomograph für Notfallpatienten betrieben werden, obwohl vor Ort kein Spezialist anwesend ist. Dessen Funktion übernimmt ein angeschlossenes Zentrum, in dem die Spezialisten rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Eine solche teleradiologische Anbindung an ein Großkrankenhaus muss jedoch jederzeit zuverlässig funktionieren, damit wird deutlich, dass sehr hohe Anforderungen an die technischen und organisatorischen Gegebenheiten bestehen.

Jenseits der Notfallversorgung wird die Teleradiologie unter anderem für konsiliarische Dienstleistungen, also für das Hinzuziehen eines Experten eines bestimmten medizinischen Faches wie etwa der Neurochirurgie und der Neurologie genutzt. Zudem profitieren Forschung und Lehre von solch einem Datennetz. Ein Vorteil liegt zweifellos auch darin, dass den Patienten mitunter Transporte von einem Krankenhaus zur Untersuchung in ein anderes Krankenhaus erspart werden können.

Technisch ist das Teleradiologieprojekt Rhein-Neckar-Dreieck recht anspruchsvoll, aber auch sehr flexibel: Es handelt sich um eine Hersteller-unabhängige Lösung, die verwendeten Standards sind frei verfügbar. Das bedeutet: Auch wenn die technische Ausstattung der beteiligten Häuser voneinander abweicht, können sie sich an dem Projekt beteiligen. Der Datenaustausch basiert prinzipiell auf dem Versenden beziehungsweise Empfangen von E-Mails über vorhandene Internetanbindungen. Die elektronischen Nachrichten werden dabei aus Datenschutzgründen speziell verschlüsselt und sind so für Dritte nicht einsehbar. Verschickt werden sie über drei eigens eingerichtete Mailserver im Internet. Mittlerweile ermöglichen acht verschiedene namhafte Medizintechnik-Hersteller die Verwendung ihrer Geräte für diesen Zweck, prinzipiell können alle radiologischen Workstations integriert werden. Im Auftrag der Projektgruppe sind mittlerweile auch zwei Betriebssystem-unabhängige, kostenlos erhältliche Software-Lösungen verfügbar, so dass interessierte Partner mit minimalem finanziellem Aufwand am wachsenden teleradiologischen Verbundnetz teilnehmen können. Um bei einem Ausfall der Internet-Infrastruktur die Patientenversorung sicherzustellen, gewährleisten spezielle Einwahlleitungen die Erreichbarkeit der Zentren.

Eines der weiterführenden Ziele des Projektes ist der Anschluss an die anderen Teleradiologie-Projekte in Baden-Württemberg, um auf diese Weise einen Datenaustausch zu ermöglichen, der über die Großregion hinausgeht. In projektübergreifenden Sitzungen wurde dabei das hier vorgestellte technische Konzept als die landesweite Basisarchitektur für teleradiologische Verbindungen festgelegt. Dieser Anschluss wird im Laufe des Jahres 2005 an die Regionen Freiburg, Stuttgart, Ludwigsburg, Villingen-Schwenningen und Ulm erfolgen. Voraussichtlich werden damit zum Ende des Jahres 2005 voraussichtlich über 50 Kliniken im Netzwerk miteinander verbunden sein.

Die Arbeitsgemeinschaft für Informationstechnologie (@GIT) der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG) hat eine Empfehlung für einen bundesweiten Standard zur Teleradiologie vorgestellt, der ebenfalls auf den geschilderten Techniken beruht.

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Klaus Wingen idw

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