BMBF-gefördertes nationales TSE-Forschungsnetzwerk gegründet

BMBF wählt erste Forschungsprojekte zur Therapie und Diagnostik von TSE-Erkrankungen aus

Heute treffen sich in München deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur ersten Sitzung der nationalen Plattform für die Erforschung Transmissibler Spongiformer Enzephalopathien (TSE). Dieser Begriff umfasst alle übertragbaren schwammartigen Hirnerkrankungen wie Rinderwahnsinn (BSE), Scrapie bei Schafen und die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (nvCJK) beim Menschen.

Treffen dieser Art stellen einen Eckpfeiler des im Mai 2001 veröffentlichten und mit bis zu 27 Millionen Mark pro Jahr aus Bundesmitteln geförderten nationalen TSE-Forschungskonzepts (siehe auch unter www.bmbf.de) dar. Zusätzliche 25 Millionen Euro an Fördermitteln stellt die Europäische Union zur Verfügung.

Zentrales Anliegen der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) für zunächst 5 Jahre geförderten Plattform ist die Koordinierung und Vernetzung der nationalen Aktivitäten auf diesem Gebiet, die Verbesserung des Informationstransfers zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit sowie die Vernetzung und Einbindung nationaler Maßnahmen in den europäischen Kontext. Gerade der Vernetzung der verschiedenen nationalen Förderaktivitäten von Bund und Ländern untereinander und darüber hinaus ihrer Verbindung mit den europäischen Anstrengungen kommt in diesem Forschungsfeld eine besondere Bedeutung zu. Es gilt effektiv zu arbeiten, um Doppelarbeit bzw. Ressourcenverschwendung vorzubeugen. Hiezu ist Dialog- und Lernbereitschaft von größter Wichtigkeit. Die neu geschaffene Plattform soll eben diesen Aufgaben gerecht werden und alle verfügbaren Kapazitäten bündeln, um die Entwicklung neuer Diagnose- und Therapieverfahren entscheidend voranzutreiben. Daher werden auch künftige Initiativen der EU-Kommission auf dem Treffen vorgestellt.

Im Rahmen des TSE-Forschungsnetzwerkes werden an der LMU München, der Universität Göttingen und der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere auf der Insel Riems Material- und Probenbanken etabliert, die Gewebeproben für Forschungszwecke zur Verfügung stellen. Die Arbeiten der Plattform werden durch eine Geschäftsstelle unterstützt, die am Institut für Neuropathologie der LMU München angesiedelt ist.

Die Ergebnisse der ersten Auswahlrunden zur TSE-Forschung in Diagnostik und Therapie liegen vor:

Bereits Anfang des Jahres hatte das BMBF auf Basis von Expertengesprächen Ausschreibungen zur Förderung von Forschungsvorhaben, die sich mit der Entwicklung neuer diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen gegen TSE-Erkrankungen befassen, veröffentlicht. Jetzt wurden in einer ersten Auswahlrunde innovative Forschungsprojekte durch international besetzte Gutachtergremien ausgewählt, die in den kommenden Jahren mit rund 23 Millionen Mark vom BMBF gefördert werden.

Therapie von CJK und BSE

Das Auftreten der neuen Variante von CJK (nvCJK) wird mit dem Verzehr kontaminierter Lebensmittel von BSE-infizierten Tieren in Verbindung gebracht. Auch wenn in Deutschland bisher noch kein Fall von nvCJK festgestellt wurde, kann dies für die Zukunft nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. Ins Visier der Forschung sollen jetzt therapeutische Interventionen genommen werden, um möglichen zukünftigen nvCJK-Patienten, wirksam helfen zu können.

Schwerpunkte der jetzt ausgewählten Forschungsprojekte liegen unter anderem auf der Entwicklung von Impfstrategien. Darüber hinaus werden neue Ansatzpunkte gesucht, mit denen der vorliegende Krankheitserreger direkt außer Funktion gesetzt werden kann. Für die jetzt ausgewählten Forschungsprojekte wird das BMBF in den nächsten 3 Jahren voraussichtlich 15 Millionen Mark zur Verfügung stellen (vgl. Anhang).

Diagnostik von CJK und BSE

Ziel der Bekanntmachung der TSE-Diagnostik ist die Entwicklung von neuen, bzw. verbesserten Nachweisverfahren, um TSE-Erkrankungen bei Mensch und Tier zu einem möglichst frühen Infektionsstadium diagnostizieren zu können. Heute beruhen TSE-Nachweisverfahren auf der Untersuchung von Gehirn-, bzw. Rückenmarksgewebe, das erst nach dem Tod (post mortem) entnommen werden kann. Deshalb ist die Etablierung von Testverfahren, die am lebenden Tier eingesetzt werden können, besonders wichtig. Auch im Hinblick auf die mögliche artenübergreifende Übertragung von TSE-Erkrankungen, erscheint die Entwicklung von empfindlicheren Testsystemen dringend erforderlich. Neben der BSE-Diagnostik beim Tier ist auch die Entwicklung von Testen für nvCJK ein wichtiger Aspekt in der Forschung. Weiterhin ist der Nachweis von TSE-Erkrankungen bei anderen Arten, wie z. B. Scrapie bei Schafen, von großer Bedeutung. Um Wissenschaftler beim Erreichen dieser Ziele aktiv zu unterstützen, fördert das BMBF im Rahmen seiner Förderinitiative TSE-Diagnostik jetzt die ersten 9 Forschungsprojekte mit einer Fördersumme von insgesamt 8 Millionen Mark (vgl. Anhang). Weitere Auswahlrunden für diese Förderinitiative, an denen sich FuE-Verbundprojekte und Einzelvorhaben beteiligen können, sind geplant.

Weitere Informationen zur TSE-Forschungsplattform sind erhältlich unter:

Nationale TSE-Forschungsplattform Institut für Neuropathologie der LMU München Marchionistr. 17 81377 München ab Montag, 23.07.2001, Tel.: Sekretariat (0 89) 70 95- 49 04 oder Tel.: Frau Dr. Lederer (0 89) 70 95- 79 06

Anhang

Im Rahmen der Förderinitiative zur Therapie humaner TSE-Erkrankungen wurden folgende Vorhaben zur Förderung empfohlen:

  • Vorbeugung und Behandlung von Prionenerkrankungen durch Modulation des Immunsystems (Verbundprojekt Würzburg)
  • Prionenspezifische Aptamere als Grundlage für Therapeutika gegen Prionenerkrankungen (Verbundprojekt München, Bonn)
  • Stabilisierung der PrPc-Konformation als direkter Ansatz zu einer Therapie der TSE (Verbundprojekt Jena, Düsseldorf)
  • Blockierung des 37 kD/67 kD Laminin Rezeptors zur Therapie menschlicher Prionenerkrankungen (LMU München)
  • Entwicklung von Pharmazeutika zur Reduktion von Prionen (Universität Freiburg)
  • Intermolekulare Kräfte einzelner Prionenproteine – Bestimmung möglicher therapeutischer Liganden durch „atomic force microscopy“ (Verbundprojekt Göttingen, Heiligenstadt)
  • Systematische Entwicklung neuer Verbindungen zur Kausaltherapie von Prionenerkrankungen (Verbundprojekt München, BFAV)
  • Transmissble Spongiforme Enzephalopathien: Therapeutische Intervention in Tieren und Menschen (Verbundprojekt Berlin, Heidelberg, Münster, Göttingen)

Im Rahmen der Förderinitiative zur TSE-Diagnostik wurden folgende Vorhaben zur Förderung empfohlen:

  • FACS-basiertes Verfahren für den Nachweis von TSE (Verbundprojekt Halle, Erlangen)
  • Evaluierung von TSE-Testverfahren und Herstellung standardisierter Probenpanels (Universität Berlin)
  • Frühdiagnose von TSE mittels Proteomuntersuchungen (Universität Göttingen)
  • Entwicklung eines TSE-Testprinzips auf Basis einer Prion-Partikel-Amplifikation (Universität Düsseldorf)
  • Entwicklung eines Verfahrens zur Diagnose der nvCJK auf Basis der Fluoreszenzspektroskopie (Universität München)
  • Frühdiagnose der CJK durch Untersuchungen von Liquor und Blut (Universität Göttingen)
  • Differentialdiagnose humaner Enzephalopathien durch Untersuchungen von Liquor (Universität Göttingen)
  • Entwicklung von Schnelltestverfahren von TSE und Typisierung von TSE-Erregern mittels Infrarotspektroskopie (RKI Berlin)
  • Variabilität und Nachweis von Prionproteinen (Verbundprojekt Universität Münster; BFAV Tübingen)

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