Neue Forschungsgruppe befasst sich mit Dickdarmkrebs


Um den Dickdarmkrebs noch besser erforschen und behandeln zu können, haben sich an der Universität Würzburg Chirurgen, Internisten, Humangenetiker und Pathologen zu einer interdisziplinären Forschungsgruppe zusammengetan. Ihr Sprecher ist Wolfgang Scheppach von der Medizinischen Klinik.

Dickdarmkrebs gehört zu den häufigsten bösartigen Geschwulsten in der westlichen Welt. Mit 30 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner nimmt er in der Todesursachenstatistik bei den Krebskrankheiten den zweiten Platz ein.

Beim Dickdarmkrebs häufen sich genetische Veränderungen an, und dadurch wandeln sich gesunde in bösartige Zellen um. Dieser 10 bis 20 Jahre dauernde Prozess ist relativ gut molekulargenetisch charakterisiert: Durch die Inaktivierung von tumorunterdrückenden und die Aktivierung von krebsfördernden Genen werden die normalen Lebensvorgänge in den Zellen negativ beeinflusst.

An der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg beschäftigen sich seit langem verschiedene Arbeitsgruppen wissenschaftlich und klinisch mit der Entstehung und Therapie von Dickdarmkrebs. Diese Aktivitäten werden nun unter das Gesamtkonzept der neuen Forschungsgruppe gestellt, um optimale Abläufe und Synergie-Effekte zu gewährleisten. Dies geschieht im Rahmen des Interdisziplinären Zentrums für Klinische Forschung der Uni Würzburg.

Das Tumormaterial, das bei der Operation von Krebspatienten oder bei Endoskopien anfällt, stellt für die Wissenschaftler eine wichtige Erkenntnisquelle dar. Dieses Material wird im Pathologischen Institut als Gewebepräparat konserviert und für weitere Charakterisierungen vorbereitet: Es soll künftig, neben der üblichen pathologisch-anatomischen Begutachtung, auch umfassend molekular- und zellgenetisch charakterisiert werden. Damit könne man das Ansprechen der Patienten auf die Therapie besser vorhersagen, so Prof. Scheppach. Auch die Strategien der Nachsorge ließen sich weiter verbessern.

Für diese ersten Schritte ist neben der Pathologie die Chirurgische Klinik zuständig. Dort soll unter anderem durch das Anlegen von Zellkulturen die Voraussetzung für die weitere Untersuchung des Tumorgewebes geschaffen werden. Außerdem soll durch den Nachweis von Tumorzellen im Blut- und Knochenmark festgestellt werden, in welchem Stadium der Krankheit sich die Patienten befinden
Des weiteren wird an der Chirurgischen Klinik ein EDV-gestütztes Register etabliert, in dem die Daten der zell- und molekulargenetischen Untersuchungen gespeichert und mit den klinischen Daten des Tumorzentrums Würzburg in Beziehung gesetzt werden. Hierbei werden laut Prof. Scheppach alle Bestimmungen des Datenschutzes eingehalten; auch ein Votum der Ethikkommission der Medizinischen Fakultät habe man eingeholt.

Am Institut für Humangenetik wird eine so genannte spektrale Karyotypisierung des Gewebes vorgenommen. Diese Technik stellt einen innovativen Ansatz dar, denn sie ermöglicht es, alle Chromosomen gleichzeitig in unterschiedlichen Farben darzustellen. Diese Methode ermöglicht es mit hoher Wahrscheinlichkeit, neue, bei Dickdarmkrebs bisher nicht beschriebene Chromosomenveränderungen festzustellen. Mit ihr können auch verloren gegangene Chromosomenteile typisiert und weitere Erkenntnisse gewonnen werden.

Eine Arbeitsgruppe an der Medizinischen Poliklinik beschäftigt sich mit der Bedeutung, die aggressive Spielarten des Sauerstoffs bei der Tumorentstehung und dem Tumorwachstum haben. Im Mittelpunkt stehen Schutzmechanismen zur Erhaltung der DNA-Stabilität. Hierbei nehmen das essenzielle Spurenelement Selen und selenhaltige Proteine (Selenoproteine) eine zentrale Rolle ein.
Insbesondere das Selenoprotein P und bestimmte Enzyme (Glutathionperoxidasen) spielen eine wichtige Rolle beim Schutz der Zellen gegen Sauerstoff. Die Arbeitsgruppe hat bereits gezeigt, dass in bestimmten Dickdarmgeschwulsten (Adenomen) im Vergleich zu normalen Zellen desselben Patienten fast überhaupt kein Selenoprotein P mehr gebildet wird.

Nach der Etablierung an der Universität Würzburg will die Forschungsgruppe ihre Aktivität in die Region Unterfranken ausweiten, um mit höheren Fallzahlen arbeiten zu können. Andere Arbeitsgruppen, die sich für die molekularbiologischen Grundlagen von Dickdarmkrebs interessieren, sind zur Mitarbeit an diesem Projekt eingeladen.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Wolfgang Scheppach, T (0931) 201-3183, Fax (0931) 201-3534, E-Mail: 
w.scheppach@medizin.uni-wuerzburg.de

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Robert Emmerich idw

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