Herzleiden: regelmäßige Medikamenteneinnahme obligat

Placebos wirkungsvoller als sporadische Einnahme von aktiven Medikamenten


Im Fall von Herzleiden ist es offenbar nicht so entscheidend, welches Medikament der Betroffene einnimmt, sondern vielmehr wie regelmäßig die Einnahme erfolgt. Diese Erkenntnis impliziert, dass, solange sich der Patient an seine tägliche Ordnung hält, ein Placebo genauso gut wirkt. Bradi Granger von der Duke Universität in Durham, North Carolina, und ihre Kollegen analysierten die Ergebnisse eines klinischen Versuchs an 7.600 Herzpatienten, an denen ein experimenteller Angiotensin Rezeptor Blocker (ARB) getestet wurde, der die Blutgefäße lockert und den Blutdruck senkt. Das berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature.

Patienten, die ihre Pillen jeden Tag einnahmen, halbierten das Risiko bis zum Ende der Studie zu sterben, im Vergleich zu jenen, die immer wieder Pillen ausließen, gleichgültig ob sie ein aktives Medikament oder ein Placebo nahmen. Jene, die an der verordneten Dosis festhielten, waren auch weniger gefährdet ins Krankenhaus zu kommen. Experten vermuten, dass jene, die an ihrer Medizin festhalten, sich auch eher an bestimmte Aktivitäten halten, die gut fürs Herz sind, wie sportliche Aktivitäten, ausgewogene Ernährung und Verzicht auf Rauchen und Trinken. Diese Gewohnheiten allein gleichen wahrscheinlich den physiologischen Effekt des Medikaments aus.

Wenn Ärzte diejenigen Patienten identifizieren könnten, die ihre Medikamente nicht regelmäßig nehmen, könnten diese mit entsprechenden Ausbildungsprogrammen oder sozialer Unterstützung dazu ermutigt werden, einem gesünderen Lebenswandel zu folgen. „Es geht um die Richtung, die die Menschen einschlagen“, sagt Hayden Bosworth, der Patientenmotivation am Durham Veterans Affairs Medical Center in North Carolina studiert. Beispielsweise untersuchen einige Forscher ob man mit biochemischen Tests verlässlich nachweisen kann, ob Menschen ihre Medikamente regelmäßig nehmen.

Das Medikament in der aktuellen Studie ist als Candesartan cilexetil bekannt und wird in den USA von AstraZeneca unter dem Namen Atacand vermarktet. Dieses und viele andere Präparate derselben Medikamentenklasse werden routinemäßig zur Behandlung von hohem Blutdruck verwendet. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, darunter hoher Blutdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall, machen fast 30 Prozent der Todesursachen auf der ganzen Welt aus. Zwei frühere Studien haben auch gezeigt, dass Patienten mit Herzleiden von der regelmäßigen Einnahme von Placebos profitieren, die dem Effekt von Beta-Blockern oder Lipid-senkenden Medikamenten entsprechen. Die Experten konnten bislang aber nicht erklären, was den Unterschied ausmacht zwischen den Patienten, die den Instruktionen ihres Arztes folgen, und jenen, die sich darüber hinwegsetzen. Eine andere Implikation der neuen Ergebnisse ist, dass die Menschen, die bei der Einnahme ihrer Medikamente sehr gewissenhaft sind und einen gesunden Lebenswandel führen, denselben Nutzen erlangen, wenn sie die Dosis reduzieren oder von einem aktiven Medikament auf ein billigeres Placebo umsteigen. „Das wäre definitiv eine Studie wert“, so Granger.

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Marietta Gross pressetext.austria

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