Europäischer Kardiologenkongress 2004: Stadtleben ungesund fuers Herz

Experten warnen: Herzinfarkte durch Lufverschmutzung und Lärmbelastung

Luftverschmutzung und Lärm kann Ihre Herzgesundheit gefährden: Das jedenfalls legen Studien nahe, die heute auf dem Europäischen Kardiologenkongress in München präsentiert wurden. Doch vorbeugende Massnahmen sind hier oft schwierig umzusetzen.

Umweltbelastungen wie hohe Luftverschmutzung oder starke Lärmbelastung im Wohnumfeld oder am Arbeitsplatz dürften für eine erheblich Zahl von Herzinfarkten verantwortlich sein, berichteten heute internationale Experten beim Europäischen Kardiologenkongress, der noch bis 1. September in München stattfindet. Eine Reihe neuer Studien belegen die Bedeutung derartiger Risiken, die vom Einzelnen häufig kaum beeinflussbar sind.

Mehr Spitalseinweisungen in Grossstädten mit Luftbelastung

Den Einfluss von Luftverschmutzung auf den Gesundheitszustand von Menschen, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben, untersuchte beispielsweise die von der EU geförderte „HEAPS“-Studie, eine Grossuntersuchung mit insgesamt 22.000 Teilnehmern in fünf europäischen Städten (Augsburg, Barcelona, Helsinki, Rom und Stockholm). Zehn Prozent der untersuchten Herzpatienten mussten im Untersuchungszeitraum (1992 bis 2000) wegen eines neuerlichen Herzinfarktes in ein Krankenhaus eingewiesen werden, 16 Prozent wegen Angina Pectoris und 30 Prozent von ihnen wegen anderer Herzprobleme. „Der Grad der Luftverschmutzung stand in einem direkten Zusammenhang mit der Häufigkeit von Krankheitsfällen“, berichtete Dr. Stephanie von Klot vom GFS Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit in Neuherberg bei München auf dem Kongress. „Wenn an einem bestimmten Tag besonders hohe Konzentrationen von belastenden Partikeln gemessen wurden, dann kam es noch am selben oder am darauf folgenden Tag auch zu mehr Spitalseinweisungen unter den beobachteten Herzpatienten.“ Wer also schon einmal einen Herzinfarkt hatte, so das Fazit der Forscher, dessen Risiko, wieder krank zu werden, steige mit dem Grad der Luftverschmutzung an.

Experten warnen: Lärmbelastung kann zum Herzinfarkt führen

Aber auch wer häufig Lärm ausgesetzt ist, muss mit einem höheren Risiko in Sachen Herzgesundheit rechnen, berichtete eine deutsche Forschergruppe beim Kongress in München. Prof. Stefan Willich und seine Kollegen vom Institut für Sozialmedizin an der Charité in Berlin hatten zwischen 1998 und 2001 insgesamt 4.115 Patienten untersucht, die mit einem akuten Herzinfarkt in Berliner Krankenhäuser eingewiesen wurden. Dabei wurde einerseits die subjektive Lärmbelastung auf einer fünfteiligen Skala abgefragt, andererseits untersuchten die Forscher auch die objektive Lärmbelastung im Wohnumfeld und am Arbeitsplatz der Betroffenen.

Männer und Frauen reagieren unterschiedlich

Lärm erwies sich als ganz erheblicher Risikofaktor für Herzinfarkt, wobei Männer und Frauen allerdings unterschiedlich reagieren: Frauen, die in ihrem Lebensumfeld einer belastenden Lärmkulisse ausgesetzt sind, haben ein 1,4-fach erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, als Frauen ohne diesen Belastungsfaktor. Bei Männern war in dieser Hinsicht kein Unterschied zu beobachten, sehr wohl aber, was Lärm am Arbeitsplatz betrifft: Hier haben Männer, die Lärm ausgesetzt sind, ein 1,4-fach erhoehtes Herzinfarkt-Risiko, Frauen hingegen nicht. Einen Unterschied macht diese Geschlechterdifferenz jedenfalls für die Prävention, sagte Prof. Willich: „Das Risiko für Männer lässt sich durch geeignete Lärmschutzmassnahmen am Arbeitsplatz durchaus realistisch verringern. Aber betroffenen Frauen zu raten, doch in eine ruhigere Gegend zu ziehen, ist wohl eine nicht so einfach umsetzbare Empfehlung.“

Kontakt für deutschsprachige Medien:
Dr. Birgit Kofler
Roland Bettschart
B&K – Bettschart und Kofler Medien- und Kommunikationsberatung GmbH
e-mail: kofler@bkkommunikation.at
Erreichbarkeit beim Kongress:
Mobil: +49 -(0) 151 11 725 781
Pressezentrum: +49 – (0)89 – 949 27 035

Internationaler Medienkontakt:
Camilla Dormer
Press & Public Relations Officer
European Society of Cardiology (ESC)
e-mail: cdormer@escardio.org
Erreichbarkeit beim Kongress: +49 – (0) 151 11 725 814

Media Contact

Christiane Limberg idw

Weitere Informationen:

http://www.escardio.org

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit

Dieser Fachbereich fasst die Vielzahl der medizinischen Fachrichtungen aus dem Bereich der Humanmedizin zusammen.

Unter anderem finden Sie hier Berichte aus den Teilbereichen: Anästhesiologie, Anatomie, Chirurgie, Humangenetik, Hygiene und Umweltmedizin, Innere Medizin, Neurologie, Pharmakologie, Physiologie, Urologie oder Zahnmedizin.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Durch maschinelles Lernen Stoffklassen erkennen

Bioinformatiker der Friedrich-Schiller-Universität Jena haben gemeinsam mit Kollegen aus Finnland und den USA eine weltweit einmalige Methode entwickelt, bei der alle Metaboliten in einer Probe berücksichtigt werden können und sich…

Fingerkuppen-Sensor mit Feingefühl

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) und der Universität Tokyo haben einen ultradünnen Mess-Sensor entwickelt, der wie eine zweite Haut auf der Fingerkuppe getragen werden kann. Dadurch bleibt…

Harzer Stausee drohen italienische Wassertemperaturen

Die Rappbodetalsperre im Harz ist die größte Trinkwassertalsperre in Deutschland und beliefert rund 1 Mio. Menschen mit Trinkwasser. Der Klimawandel könnte nun dafür sorgen, dass die Wassertemperaturen in dem Stausee…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close