Kleinste Störungen der Herzdurchblutung sichtbar gemacht

MR-Bilder vom Herzen ( Prä-Bolus-Verfahren): Das Blut erscheint hell, erst in der rechten Herzkammer (RV), dann in der linken (LV). Rechts eine Durchblutungsstörung (Pfeile) der Innenwand der Herzscheidewand beim Infarkt. Bilder: Sandstede

Von einer deutlich verbesserten Untersuchungsmethode können künftig Patienten mit Herz-Kreislauf-Krankheiten profitieren: Wissenschaftlern von der Uni Würzburg ist es gelungen, auch geringe Durchblutungsstörungen des Herzens präzise nachzuweisen – dank technischer Neuerungen auf dem Feld der Magnetresonanz-Tomographie. Über diesen Erfolg berichtet die August-Ausgabe der Fachzeitschrift „Magnetic Resonance in Medicine“.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen die Haupttodesursache in den westlichen Industrienationen dar. Sie führen zu Durchblutungsstörungen des Herzens und anderer Organe, als Folgen drohen Herzinfarkte, Schlaganfälle oder eine chronische Herzschwäche. Um Durchblutungsstörungen des Herzmuskels sicher diagnostizieren zu können, sind bisher oft Untersuchungen mit dem Herzkatheter nötig. Zwar gibt es auch nuklearmedizinische Verfahren, doch sei deren räumliche Auflösung zu gering, so Dr. Herbert Köstler vom Institut für Röntgendiagnostik der Universität Würzburg.

Die Magnetresonanz-Tomographie (MRT), die sich bei der Diagnose von Erkrankungen des Zentralen Nervensystems und des Bewegungsapparates etabliert hat, bietet ebenfalls die Möglichkeit, die Herzdurchblutung zu bestimmen. Dabei wird dem Patienten ein Kontrastmittel, das weder nierenschädigend noch radioaktiv ist, in die Armvene injiziert. Anschließend wird der zeitliche Verlauf des Magnetresonanzsignals in der Herzkammer und im Herzmuskel über knapp eine Minute gemessen. Bisher erfolgte die Auswertung der Ergebnisse rein visuell, das Ausmaß einer Durchblutungsstörung konnte damit nicht beurteilt werden.

Technische Neuerungen, die der Physiker Dr. Köstler und seine Kollegen entwickelt haben, erlauben es nun aber, die Herzdurchblutung quantitativ in Millilitern einfließendes Blut pro Gramm Herzmuskel und pro Minute anzugeben. Mit diesem neuen „Prä-Bolus-Verfahren“ können laut Köstler die Bildkontraste deutlich verbessert werden. Im Verein mit einer verbesserten Auswertetechnik lassen sich nun präzisere quantitative Ergebnisse erzielen.

Die Wissenschaftler haben außerdem eine weitere wichtige Voraussetzung geschaffen, um diese Methode für die klinische Anwendung fit zu machen. Bislang konnten nur maximal drei Schichtbilder von der Herzdurchblutung beim Menschen aufgenommen werden. Mit der in Würzburg entwickelten Auto-SENSE-Technik, einem so genannten parallelen MR-Bildgebungsverfahren, gelingt es nun aber innerhalb weniger Sekunden, die Durchblutung des ganzen Herzens lückenlos aufzuzeichnen.

„Mit Hilfe dieser neuen MR-Technik wird es möglich sein, auch kleine Durchblutungsstörungen oder eine Minderdurchblutung nur der inneren Schichten des Herzmuskels quantitativ nachzuweisen“, so der Radiologe PD Dr. Jörn Sandstede vom Würzburger Universitätsklinikum. Nach seiner Einschätzung wird die Bestimmung der Herzdurchblutung mittels Magnetresonanz-Tomographie in wenigen Jahren aus der Diagnostik von Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht mehr wegzudenken sein. Als nächstes strebt die Arbeitsgruppe am Institut für Röntgendiagnostik die Umsetzung ihrer Forschungsergebnisse in die Patientenversorgung an.

MRT: Magnetfelder machen Bilder

Die Magnetresonanz-Tomographie (MRT) liefert exakte Bilder aus dem Inneren des Körpers, ohne dass dafür ein Eingriff nötig ist. Sie funktioniert nicht mit Röntgenstrahlen, sondern mit Magnetfeldern: Diese regen die Atomkerne des Körpers kurzzeitig an. Bevor diese Bewegung dann wieder abklingt, senden die Kerne Signale aus, die bei der MRT registriert und zu Bildern oder Videosequenzen umgesetzt werden. Nach heutigem Kenntnisstand schaden die bei der MRT verwendeten Magnetfelder dem Organismus in keiner Weise.

Media Contact

Robert Emmerich idw

Weitere Informationen:

http://www.uni-wuerzburg.de

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