Eine wichtige Ergänzung zu Herzkatheter und Ultraschall

Der Magnetresonanztomograph (MRT) liefert zusätzliche diagnostische Informationen bei akuten und chronischen Herzerkrankungen

Als eine der ersten Kliniken weltweit verfügt die Medizinische Universitätsklinik Heidelberg (Abteilung Kardiologie, Angiologie, Pneumologie) nach ihrem Umzug in das neue Gebäude über einen Hochleistungs-Magnet-Resonanz-Tomographen, der im Gegensatz zu MR Tomographen (MRT) anderer Kliniken in den Bereich des Herzkatheterlabors integriert ist.

„Für den Notfall-Patienten bedeutet dies eine zusätzliche Absicherung,“ erklärte Professor Dr. Hugo Katus bei einer Pressekonferenz am 29. Juli in Heidelberg. Das MRT kann bei Herzinfarkt, Lungenembolie und Schäden in der Hauptschlagader wichtige Informationen liefern, die mit anderen diagnostischen Methoden wie dem Herzkatheter oder Ultraschall bislang nicht ermittelt werden könnten. Derzeit könnte die neue Methode bei etwa einem Drittel dieser Notfall-Patienten mit akuten Herzbeschwerden zum Einsatz kommen.

Einen weiteren Vorteil bietet vor allem der Standort des neuen MRT-Geräts innerhalb des Herzkatheter-Bereichs: Nach der Untersuchung mit dem Herzkatheter können Notfallpatienten in der Heidelberger Klinik ohne Verzögerung mit dem MRT untersucht werden. Damit ist das MRT essentieller Bestandteil des innovativen Heidelberger Versorgungskonzeptes von Patienten mit Schmerzen im Brustraum. Diese werden in der neuen „Chest Pain Unit“ von qualifizierten Kardiologen untersucht und ggf. unmittelbar im Herzkatheterbereich weiter untersucht und behandelt. Von dort kommen sie, je nach Risiko, zur Überwachung auf die Kardiowachstation oder die Intensivstation der Abteilung Kardiologie.

Auch kleine Durchblutungsdefekte sind im MRT sichtbar

Die Magnetresonanztomographie erlaubt eine sehr genaue, differenzierte Darstellung von Körpergeweben mit hohem Wassergehalt, u.a. von Gehirn und Herz. „Schon geringfügige Veränderungen, z.B. kleine Durchblutungsdefekte, können entdeckt werden,“ sagte Privatdozent Dr. Evangelos Giannitsis, Oberarzt der Kardiologischen Abteilung.

Die MRT-Diagnostik in der Kardiologie hat sich in den letzten Jahren zu einer wichtigen Ergänzung bzw. zur möglichen Alternative zum Herzkatheter für die Darstellung von Herzkranzgefässen und Herzmuskel entwickelt. Auch bei chronischen Herzerkrankungen, z. B. der Herzmuskelschwäche nach einem Infarkt, kann der MRT-Befund Auskunft über die Funktionsfähigkeit des Herzgewebes geben, falls die Röntgenbilder im Herzkatheterlabor oder der Ultraschall keine exakte Diagnose liefern.

Bei dem neuen Kardio-MRT handelt es sich um ein Gerät der Firma Philips mit einer Feldstärke von 1,5 Tesla. Durch seine technische Ausstattung – schnelle Gradientenbildung und parallele Bildgebung – sorgt es für hochauflösende und schnelle Bilder. Gegenüber dem Herzkatheter, dem aktuellen Verfahren der Wahl zur Darstellung von Durchblutungsstörungen in den Herzkranzgefäßen, hat der MRT einige Vorteile: Es handelt sich um ein nicht-invasives Verfahren, das auf den Einsatz von Katheter und Kontrastmittel verzichtet und den Patienten im Gegensatz zu Computertomographie und Röntgen keiner ionisierenden Strahlung aussetzt. Allerdings kann es wegen des starken Magnetfeldes nicht bei allen Patienten zum Einsatz kommen, etwa bei Patienten mit Herzschrittmacher oder einem Gefäßstent, der die Herzkranzgefässe offen hält.

Belastungsuntersuchung im MRT weist koronare Herzerkrankung nach

Der Einsatz des MRT befindet sich derzeit allerdings zum Teil noch in der klinischen Erprobung. Es ist jedoch davon auszugehen, dass er künftig zur Standarddiagnostik für die Beurteilung akuter und chronischer Herzerkrankungen gehören dürfte. Eine Reihe der Herzkatheteruntersuchungen könnte dann entfallen; zuvor müssen allerdings noch vergleichende Studien durchgeführt werden. Schon heute sei jedoch klar, sagte Dr. Giannitsis, dass bei vielen Patienten die Herzkranzgefässe und mögliche Verengungen dargestellt werden könnten und damit einzelnen Patienten die Durchführung der Herzkatheteruntersuchung erspart werden könnte.

Die Anwesenheit erfahrener Kardiologen erlaubt es zudem, Belastungsuntersuchungen bei Patienten mit einer vermuteten ausgeprägten koronaren Herzerkrankung unter optimaler Überwachung durchzuführen und zu befunden.

Mittelfristig geplant ist die Durchführung sogenannter „Hybriduntersuchungen“. Dabei kann von der MRT- zur Herzkatheteruntersuchung gewechselt werden, ohne dass der Patient umgelagert werden muss. In Einzelfällen können sogar Eingriffe am MRT durchgeführt werden.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Hugo Katus: 06221 / 56-8670 (Sekretariat)

Media Contact

Dr. Annette Tuffs idw

Weitere Informationen:

http://www.med.uni-heidelberg.de

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