Premiere in Heidelberg: Neues Therapiesystem stoppt sämtliche Herzrhythmusstörungen

Fast eine halbe Million Mikrospiegel trägt dieses mechatronische Bauteil, das seit längerem für Videoprojektionen eingesetzt wird. In einem neuen Messgerät tasten feine Lichtstrahlen Oberflächen berührungslos ab.&nbsp;<br> ©Fraunhofer IPT


GEM III AT verhindert den plötzlichen Herztod und bekämpft Vorhofflimmern

Die Kardiologen der Medizinischen Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg können nun mit Hilfe eines neuen implantierbaren Therapiesystems (GEM III AT) sämtliche Herzrhythmusstörungen verhindern bzw. stoppen. Erstmals ist jetzt eine umfassende Behandlung von Patienten möglich, bei denen nicht nur ein hohes Risiko für den plötzlichen Herztod besteht, sondern gleichzeitig auch eine starke Belastung durch die Symptome des Vorhofflimmerns. GEM III AT fungiert somit nicht nur als "Notarzt" im Ernstfall, er verbessert auch entscheidend die Lebensqualität der Betroffenen. 

Im Rahmen der klinischen Studien wurden in Heidelberg 7 Patienten mit dem GEM III AT versorgt, bei denen laut Prof. Dr. Wolfgang Schöls, Oberarzt der kardiologischen Abteilung, eine "deutliche Besserung der Symptome" zu verzeichnen ist. Nach der kürzlich erfolgten Marktfreigabe durch den Hersteller soll das Gerät nun umfassend zum Einsatz kommen.

Das nur Taschenuhr große Gerät überwacht kontinuierlich die Herzfrequenz und kann je nach Ausprägung und Auftreten der Herzrhythmusstörung automatisch eine stufenweise Therapie einleiten. Vorhofflimmern kann durch die sogenannte Überstimulation verhindert bzw. beseitigt werden. Wenn Kammerflimmern vorliegt und der plötzliche Herztod droht, sichert die Kardioversionsfunktion (Elektroschock) des Defibrillators das Überleben. 

"Das Gerät ist besonders patientenfreundlich, weil es mit hoher Sicherheit zwischen einer natürlichen belastungsbedingten und einer krankhaften Erhöhung der Herzfrequenz sowie zwischen Kammerflimmern und Vorhofflimmern unterscheiden kann. Durch diese Differenzierung wird nur im Ernstfall eine Elektroschocktherapie eingeleitet," so Prof. Schöls. 

Über 100.000 Deutsche sterben jährlich am plötzlichen Herztod, manchmal ohne vorangegangene Symptome oder Warnzeichen. Ein Großteil könnte noch am Leben sein, wenn das Herz innerhalb weniger Minuten den lebensrettenden Elektroschock erhalten hätte. Da der Notarzt nicht immer rechtzeitig zur Stelle sein kann, sollten sogenannte "Risikopatienten" mit einem implantierbaren Defibrillator versorgt werden, der das Überleben im Ernstfall sicherstellt. 

Bis zu ein Drittel aller Patienten, die aufgrund ihrer Herzerkrankung einen Defibrillator benötigen, leiden auch unter Vorhofflimmern und könnten damit von der Implantation des GEM III AT aufgrund seiner umfassenden Therapiemöglichkeiten entscheidend profitieren. 

Beim Vorhofflimmern erhöht sich die Frequenz im Vorhof auf 300 bis 600 Schläge in der Minute, woraufhin die fühlbare Pulsfrequenz zwischen 50 und 200 Schlägen in der Minute schwanken kann. Vorhofarrhythmien sind zwar primär nicht lebensbedrohlich, schränken aber aufgrund der belastenden Begleitsymptome wie Herzrasen, Schwindel, Schwäche und Angstzuständen die Lebensqualität der Betroffenen stark ein. Zudem können sie u.U. schwerwiegende Folgeerkrankungen auslösen. So haben Patienten mit Vorhofflimmern ein fünffach erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall und können eine chronische Herzschwäche entwickeln. 

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Wolfgang Schöls 
Oberarzt, Kardiologie 
Medizinische Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg 
Tel: 06221/ 56 86 76

Herr Heinz Wolf
Pressestelle des Universitätsklinikums Heidelberg
Tel: 06221/ 56 89 92

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