Aktuelle Neuigkeiten aus der Hormon- und Stoffwechselforschung

Das Fettgewebe ist keineswegs ein inaktiver, purer Speicher, sondern ein höchst aktives Organ, sozusagen die größte „Drüse“ des menschlichen Körpers. Mit dieser recht neuen Erkenntnis hoffen die Hormonspezialisten auf ein neues Verständnis für Fettstoffwechsel-Störungen. Brandneue Tipps für die Frühjahrskur lassen sich daraus zwar noch nicht ableiten, dafür gab es praktische Ratschläge für den Umgang mit hormonmangelbedingten Hitzewallungen.

Dem diesjährigen Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie – DGE – (Hormon- und Stoffwechselexperten) in Köln hatte sich die Deutsche Menopause Gesellschaft angeschlossen. Mehr als 800 Teilnehmer informierten sich über Hormonstörungen und Übergewicht, Schilddrüsen-Erkrankungen, Fettstoffwechsel-Störungen, Osteoporose, Geschlechtshormone und Diabetes.

Fettgewebe führt „Eigenleben“

Dass das Fettgewebe ein „Eigenleben“ führt, dürften viele Abnehmwillige bereits am eigenen Leibe erfahren haben. Auch wenn grade Fastenzeit ist – ohne erhöhte körperliche Aktivität schwinden die überzähligen Pfunde nur langsam. Warum das so ist und welche neuen Mechanismen dabei entdeckt wurden, erläuterte Professor Dirk Müller-Wieland aus Düsseldorf: Das Fettgewebe ist in Wirklichkeit nicht „untätig“ – es produziert verschiedene Botenstoffe; dazu gehören sowohl Substanzen, die Insulin freisetzen als auch solche, die die Empfindlichkeit auf Insulin mitbestimmen. Bei Übergewicht und Diabetes etwa sind Botenstoffe hochreguliert, die ein vermindertes Ansprechen auf Insulin vermitteln und so den Bedarf an diesem Hormon erhöhen. Andererseits wurde ein Botenstoff entdeckt, der die Insulinwirkung verbessert. Noch ist nicht klar, ob dieser bei Übergewicht vermindert produziert wird. Die neuen Erkenntnisse nähren jedoch die Hoffnung, dass Fettstoffwechsel-Störungen in Zukunft besser verstanden und daraus neue Behandlungsansätze entwickelt werden. Was angesichts von 25 Millionen Bundesbürgern mit – zum Teil erheblichem – Übergewicht dringend notwendig ist. Denn Übergewicht ist ein gesicherter Risikofaktor für die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.

Auch allgemeine Maßnahmen helfen gegen Hitzewallungen Dass Hormone – besser: deren Abfall – eine zentrale Rolle bei Beschwerden in den „Wechseljahren“ spielen, ist hinlänglich bekannt. Ebenso wie die Wirksamkeit der Hormontherapie, die jedoch in den letzen Jahren erheblich „Federn lassen“ musste. Nach den jüngsten Ergebnissen ist eine Hormontherapie nur noch gerechtfertigt, wenn die betroffene Frau dies wünscht und eine entsprechend starke Symptomatik aufweist, erklärte Professor Martina Dören aus Berlin. Die Dosierung sollte so niedrig wie möglich gewählt werden, die Notwendigkeit in regelmäßigen Abständen überprüft werden. Eine Langzeitbehandlung, wie sie früher propagiert wurde, sei aufgrund der heutigen Erkenntnisse nicht mehr gerechtfertigt – auch nicht zur Vorbeugung einer Osteoporose.

Phytoöstrogene als „Ersatz“ sieht die Berliner Frauenärztin durchaus kritisch: Anders als bei der Hormontherapie ist der Nutzen nicht sicher nachgewiesen – und zu den Risiken liegen im Gegensatz zu großen Studien mit Östrogenen und Gestagenen keine Untersuchungen vor.

Frau Dören sprach sich deshalb engagiert dafür aus, ratsuchende Frauen auch auf allgemeine Maßnahmen gegen die körperlichen Beschwerden der Wechseljahre hinzuweisen. Gar nicht so selten gelinge es, die Hitzewallungen durch reduzierten Kaffeekonsum, körperliche Aktivität und den Verzicht auf scharfe Gewürze „in den Griff“ zu bekommen. Mit Blick auf die Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Osteoporose sprach sich die Referentin ebenfalls für gesicherte wirksame Allgemeinmaßnahmen – gesunde Ernährung, Vermeiden von Übergewicht, körperliche Aktivität – aus. „Ärzte sollten den Frauen helfen, alle Chancen zu nutzen“, was allerdings sehr zeitaufwendig ist und von den Kassen nicht entsprechend honoriert wird.

Mehr Eigenverantwortung bei Osteoporose-Vorbeugung

Ähnliche Überlegungen haben sich auch in mühevoll erarbeiteten Leitlinien zur Osteoporose niedergeschlagen, wie Professor Johannes Pfeilschifter aus Bochum ausführte: Sie enthalten unter anderem den von den Selbsthilfegruppen unterstützen Appell zu mehr Eigenverantwortung durch eine „knochengesunde Lebensweise“: Mehr Kalzium und Vitamin D3, mehr körperliche Bewegung, ausreichende Nahrungszufuhr, Meidung von Nikotin, mehr vorbeugende Maßnahmen bei Sturzgefährdung (Badewannen-Matte, Gehilfen, Sehhilfen, Gehtrainig. u.a.).

Auch Hochrisikogruppen wurden erstmals klar definiert: Personen, die sich Knochenbrüche ohne große Krafteinwirkung zugezogen haben sowie Menschen, die mehr als 4 cm kleiner geworden sind und im Röntgenbild Wirbelbrüche als Ursache aufweisen, untergewichtige Personen, Menschen, die „hilflos“ stürzen und Patienten, die länger als sechs Monate Glukokortikoide (etwa wegen rheumatoider Arthritis, chronisch entzündlichen Darm-Erkrankungen und chronisch-obstruktiven Lungen-Erkrankungen) eingenommen haben. Zur Therapie werden zwei Präparate aus der Reihe der Bisphosphonate und Raloxifen in Kombination mit Kalzium und Vitamin D3 empfohlen.

Wie Professor Wilhelm Krone aus Köln darlegte, leiden rund 10 Millionen Bundesbürger an einer Osteoporose; diese ist ursächlich für knapp drei Viertel der Oberschenkelhalsbrüche. Die entsprechenden Operationen – jährlich 110.000 – bedingen 3 Millionen Krankenhaustage und kosten 0,6 Milliarden Euro pro Jahr. Rund die Hälfte der Hüftfrakturen wäre alleine durch eine anschließende Diagnostik und Therapie der zugrunde liegenden Osteoporose zu vermeiden, da auf den ersten Bruch dann nicht automatisch ein zweiter oder dritter folgte, sagte Pfeilschifter.

Das Ausmaß der Volkskrankheiten in Deutschland 25 Millionen Übergewichtige, 20 Millionen mit Fettstoffwechsel-Störungen, 20 Millionen mit Schilddrüsen-Erkrankungen, 10 Millionen mit Osteoporose, 6 Millionen Diabetiker.

Für weitere Fragen steht Ihnen die Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie – DGE – gerne jederzeit zur Verfügung.

Monika Niederwettberg und Ingetraud Witte
Telefon: 089 – 693 40 122
Telefax: 089 – 693 88 911
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