Darmspiegelung reduziert Krebsrisiko erheblich


Aktuelle Studie belegt Nutzen der Vorsorge-Koloskopie

Im Herbst soll sie endlich auch in Deutschland eingeführt werden: die Darmspiegelung zur Darmkrebs-Vorsorge und -Früherkennung. Eine aktuelle deutsche Studie belegt jetzt eindeutig den Nutzen dieser Untersuchung. Das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, sinkt um mehr als 70 Prozent, wenn eine Darmspiegelung (Koloskopie) durchgeführt wird. Selbst wenn die letzte Koloskopie mehr als zehn Jahre zurück liegt, ist das Erkrankungsrisiko noch um 60 Prozent gemindert. Die Studie wird in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes vom 16. August 2002 veröffentlicht.

Zum 1. Oktober 2002 soll die Darmspiegelung in das Krebs-Früherkennungsprogramm der Gesetzlichen Krankenversicherungen aufgenommen werden. Im Alter von 55 und 65 Jahren steht jedem Versicherten dann eine komplette Darmspiegelung zu, bei der gutartige Polypen entfernt werden können. Diese gelten als Vorstufen eines Darmkrebses. Bislang stützten sich die wissenschaftlichen Empfehlungen für die Darmspiegelung als Früherkennungsmaßnahme praktisch ausschließlich auf Daten aus den USA, aus Norwegen und aus Italien. Nun liegen erstmals umfangreiche Daten auch für Deutschland vor.

An 320 Patienten mit neu entdecktem Dickdarmkrebs und an 263 Kontrollpersonen ohne Darmkrebs wurde untersucht, ob die Darmspiegelung zu einer Risikominderung führt. Die Daten sind überzeugend: „Das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, mindert sich um 70 Prozent, wenn eine vorsorgliche Darmspiegelung durchgeführt wird“, erläutert der Studienleiter, Professor Dr. Hermann Brenner vom Deutschen Zentrum für Alternsforschung an der Universität Heidelberg. „Auch dann, wenn die Darmspiegelung bereits mehr als zehn Jahre zurückliegt, ist das statistische Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, immer noch um mehr als die Hälfte gesenkt.“

Die Risikominderung ist besonders ausgeprägt für fortgeschrittene Karzinome. Dies erklärt sich dadurch, dass bei einer Früherkennungs-Koloskopie Vorstufen des Dickdarmkrebses entfernt werden, die ansonsten innerhalb von zehn oder mehr Jahren bösartig entarten könnten – weitgehend ohne Beschwerden zu verursachen.

„Selbst wenn man nur einmal im Leben eine Darmspiegelung durchführen lässt, hat man schon viel für seine Gesundheit getan“, betont Professor Dr. Wolff Schmiegel, Direktor der Universitätsklinik Knappschaftskrankenhaus Bochum und Mitglied des Medizinischen Beirats der Deutschen Krebshilfe. „In der Hand eines erfahrenen Untersuchers ist die Vorsorge-Koloskopie eine sichere und schmerzfreie Maßnahme.“

Info-Kasten: Darmkrebs

 

Jedes Jahr werden in der Bundesrepublik 57.000 Menschen mit der Diagnose Dickdarmkrebs konfrontiert, und etwa 30.000 Menschen sterben an dieser Krankheit. Damit gehört der Darmkrebs zu den drei häufigsten bösartigen Erkrankungen. Die Ursachen für die Entstehung von Darmkrebs sind noch nicht eindeutig geklärt. Bestimmte Einflussfaktoren erhöhen das Erkrankungs-Risiko: Erbliche Belastung, chronisch-entzündliche Darmkrankheiten, das Vorliegen von Dickdarmpolypen sowie ballaststoffarme, fett- und fleischreiche Ernährung.

Informationsmaterial über Darmkrebs kann kostenlos angefordert werden bei der Deutschen Krebshilfe, Thomas-Mann-Str. 40, 53111 Bonn.

Quelle: H. Brenner et al.: Präventionspotenzial endoskopischer Vorsorgeuntersuchungen für kolorektale Karzinome. Deutsches Ärzteblatt 2002; 99: A 2186-2192 [Heft 33].

Media Contact

Dr. med. Eva M. Kalbheim idw

Weitere Informationen:

http://www.krebshilfe.de/

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