Durchbruch für die Wirkstoffforschung

Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben in Zusammenarbeit mit der Chonbuk National University in Südkorea erstmals einen wichtigen Informationsträger im menschlichen Körper, das Eiweiß Rhodopsin, in seiner aktivierten Form abgebildet. Die Zeitschrift Nature veröffentlicht die Arbeit in ihrer Ausgabe vom 10. Juli 2008.*

Rhodopsin gehört zu den so genannten G-Protein gekoppelten Rezeptoren. Diese Eiweiße verbinden die Zellen mit Signalen aus der Umwelt wie Licht, Düften und Geschmacksstoffen oder mit Signalen aus dem Organismus selbst wie zum Beispiel Hormonen. Sie sind daher an fast allen physiologischen Vorgängen im Körper und so auch an den meisten Krankheiten beteiligt. Die Forscher um Prof. Hofmann, Leiter des Instituts für Medizinische Physik und Biophysik am Campus Charité Mitte, hoffen, dass die nun bekannte Struktur helfen wird, neue Medikamente zu entwickeln.

Ob ein Rezeptor wie Rhodopsin eine Information in die Zelle übertragen kann, hängt mit so genannten Liganden zusammen. Diese Moleküle verankern sich direkt in den Rezeptoren. Sie sind in der Lage, die Übertragung von Informationen zu aktivieren oder auch zu blockieren. Der Forschungsgruppe ist es zum weltweit ersten Mal gelungen, die molekulare Struktur eines Rezeptors darzustellen, der zur Aufnahme eines aktivierenden Liganden bereit ist. Bisher war lediglich die Struktur der inaktiven Form des Rezeptors bekannt. Damit erhält man nun Einblick in den Mechanismus der Ligandenbindung. Die Wissenschaftler können vorhersagen, wie der Rezeptor seine Struktur verändert, wenn er durch einen Liganden aktiviert wird. „Da es derartige Rezeptoren mit sehr ähnlicher Struktur in jeder Zelle gibt, ist die Entschlüsselung der Struktur eines einzigen von allgemeiner Bedeutung für verschiedene medizinische Fachgebiete“, erklärt Prof. Hofmann.“Daher besteht jetzt die Chance, dass mit Hilfe dieses Modells die Entwicklung neuer Wirkstoffe ermöglicht oder sogar um Jahre beschleunigt wird.“

* Park JH, Scheerer P, Hofmann KP, Choe HW, Ernst OP.: „Crystal structure of the ligand-free G-protein-coupled receptor opsin“ in: Nature , Vol. 454, 10 July 2008, S. 183-187.

Media Contact

Kerstin Endele idw

Weitere Informationen:

http://www.charite.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit

Dieser Fachbereich fasst die Vielzahl der medizinischen Fachrichtungen aus dem Bereich der Humanmedizin zusammen.

Unter anderem finden Sie hier Berichte aus den Teilbereichen: Anästhesiologie, Anatomie, Chirurgie, Humangenetik, Hygiene und Umweltmedizin, Innere Medizin, Neurologie, Pharmakologie, Physiologie, Urologie oder Zahnmedizin.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Hochleistungs-Metalloptiken mit Lothar-Späth-Award 2021 ausgezeichnet

Fraunhofer IOF und HENSOLDT Optronics entwickeln optisches Teleskop zur Erforschung des Jupitermondes Ganymed. Forscher des Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF sind gemeinsam mit ihrem Partner für die Entwicklung…

Chemiker designen „molekulares Flaggenmeer“

Forschende der Universität Bonn haben eine molekulare Struktur entwickelt, die Graphit-Oberflächen mit einem Meer winziger beflaggter „Fahnenstangen“ bedecken kann. Die Eigenschaften dieser Beschichtung lassen sich vielfältig variieren. Möglicherweise lassen sich…

Der nächste Schritt auf dem Weg zur Batterie der Zukunft

Kompetenzcluster für Festkörperbatterien „FestBatt“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung geht in die zweite Förderphase – Koordination durch Prof. Dr. Jürgen Janek vom Gießener Zentrum für Materialforschung – Rund 23…

Partner & Förderer