Etwa 30.000 Schwangere in Deutschland von kardiovaskulären Komplikationen betroffen

Bei bis zu vier Prozent aller Schwangerschaften in Industrienationen treten Komplikationen aufgrund kardiovaskulärer Erkrankungen auf. Experten gehen für Deutschland von bis zu 30.000 betroffenen Patientinnen jährlich aus. Aufgrund der wachsenden Zahl von Frauen mit angeborenen Herzfehlern, die mittlerweile das Erwachsenenalter erreicht haben, soll diese Patientengruppe pro Jahr um weitere 5000 wachsen.

Trotz dieser großen Zahl hat der behandelnde Arzt vergleichsweise selten mit derartigen Erkrankungen zu tun. Grund genug für die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK), nun die Leitlinie „Herzerkrankungen in der Schwangerschaft“ zu veröffentlichen. Sie richtet sich an alle Ärzte, die Frauen im gebärfähigen Alter behandeln, also an Hausärzte, Internisten, Gynäkologen und Kardiologen. „Besonders Nicht-Kardiologen müssen wachsam sein, um ein mögliches Gefährdungspotenzial durch eine Herzerkrankung zur erkennen und die Schwangere bei Bedarf einer spezialisierten Behandlung zuzuführen“, erläutert Prof. Dr. Vera Regitz-Zagrosek aus Berlin, die federführende Autorin der neuen Leitlinie.

Angeborene Vitien, so erklärt Regitz-Zagrosek, stellten mit 74 Prozent die häufigsten Herzerkrankungen in der Schwangerschaft dar, gefolgt von erworbenen Klappenerkrankungen mit zirka 15 Prozent. Kardiomyopathien, Arrhythmien und koronare Herzerkrankungen seien deutlich seltener. Zu den häufigsten Problemen gehöre auch die arterielle Hypertonie. In den USA wären davon schätzungsweise 15 Prozent aller Schwangeren betroffen, für Westeuropa ginge man lediglich von fünf bis sieben Prozent aus. Ein Viertel der stationären Behandlungen Schwangerer sei auf Bluthochdruck-Komplikationen zurückzuführen. Ganz anders stellt sich die Situation in nichtindustrialisierten Ländern dar: Dort machten rheumatische Herzerkrankungen 90 Prozent aller kardiovaskulären Schwangerschaftskomplikationen aus.

Patientinnen mit angeborenen Herzerkrankungen oder mit Klappenerkrankungen rät Regitz-Zagrosek, sich von einem für diese Krankheiten besonders geschulten Kardiologen beraten zu lassen. „Dies gilt in besonderem Maße, wenn früher bereits kardiale Ereignisse wie Herzinsuffizienz, transitorische ischämische Attacke (TIA), Schlaganfall oder symptomatische Herzrhythmusstörung, Herzinsuffizienz der NYHA-Klasse II oder Zyanose aufgetreten sind oder eine erhebliche Belastung des linken Ventrikels durch Aorten oder Mitralklappenvitien beziehungsweise eine eingeschränkte linksventrikuläre Funktion mit einer Auswurffraktion unter 40 Prozent vorliegt“, berichtet die Kardiologin, die an der Charité und am Deutschen Herzzentrum Berlin den Forschungsbereich frauenspezifische Gesundheitsforschung mit Schwerpunkt Herz-Kreislauferkrankungen und Geschlechterforschung in der Medizin leitet.

Kontraindiziert sei eine Schwangerschaft bei Frauen mit schwerem Lungenhochdruck, schwerer Herzinsuffizienz, schweren Aorten- und Mitralfehlern oder einem Marfansyndrom mit signifikanter Aufweitung der Aorta aszendenz.

Frauen, die schwanger sind oder werden wollen, rät Regitz-Zagrosek generell dazu, ihr Risiko für Herzerkrankungen gemeinsam mit ihrem Arzt abzuschätzen. Dazu gehöre die Überlegung, ob bereits Herzerkrankungen bekannt sind, ob ein Bluthochdruck besteht, eine Stoffwechselstörung wie Diabetes vorliegt oder ob in der Familie eine vererbbare Herzerkrankung festgestellt wurde. Besonders Patientinnen unter 16 Jahren oder Patientinnen über 35 Jahren, so Regitz-Zagrosek, hätten ein erhöhtes Risiko, im Laufe einer Schwangerschaft Blutdruckkomplikationen oder eine Präeklampsie zu entwickeln ebenso wie Patientinnen mit Mehrlings-Schwangerschaften, chronischer Hypertonie, mit Diabetes oder deutlichem Übergewicht.

Den vollständigen Text der neuen Leitlinie „Herzerkrankungen in der Schwangerschaft“ finden Sie auf der Homepage der DGK www.dgk.org unter „Leitlinien“.

Kontakt:
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) Pressestelle
Prof. Dr. Eckart Fleck / Christiane Limberg
Achenbachstr. 43, 40237 Düsseldorf
Tel.: 0211 / 600 692 – 61, E-Mail: limberg@dgk.org
Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit heute mehr als 6700 Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927 in Bad Nauheim gegründet, ist die DGK die älteste kardiologische Gesellschaft in Europa.

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Christiane Limberg idw

Weitere Informationen:

http://www.dgk.org

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