Wenn Ingenieure von Hirnforschern lernen

Deutsche Neurowissenschaftler, Mediziner, Physiker und Ingenieure wollen gemeinsam daran arbeiten, wie sich medizinische Prothesen durch Gedanken steuern lassen oder wie künstliche Sehsysteme in Robotern realisiert werden können.

Um den Brückenschlag von neurowissenschaftlicher Forschung zu Anwendungen in der Informationstechnologie, Robotik und Biomedizin zu fördern, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) den „Bernstein Fokus: Neurotechnologie“ gestartet. Darum konnten sich Forscher aus Universitäten, Forschungsinstituten und Unternehmen einer Region mit einem gemeinsamen Konzept bewerben. Das Bundesforschungsministerium finanziert jetzt Forschergruppen in den vier Regionen Berlin, Frankfurt, Freiburg/Tübingen und Göttingen in den kommenden fünf Jahren mit insgesamt 34 Millionen Euro. Ziel der Förderung ist es, neurowissenschaftliche und technologische Kapazitäten zusammenzuführen und zu stärken.

So will der Bernstein Fokus Berlin den direkten Dialog zwischen Gehirn und Computern verbessern. Solche Techniken könnten zum Beispiel bei zeitkritischen Situationen im Straßenverkehr helfen, um die Zeitspanne zwischen der Entstehung einer Absicht im Gehirn und der Ausführung der Aktion verkürzen (BMBF Förderung 6 Millionen Euro für fünf Jahre).

Die Entwicklung eines künstlichen Sehsystems plant der Bernstein Fokus Frankfurt. Das Sehsystem soll autonom lernen und sich aus grundlegenden Funktionselementen selbst strukturieren können. Solche Systeme könnten bei Robotern, bei Fahr-Assistenzsystemen oder bei der Verkehrsregelung eingesetzt werden. (BMBF Förderung 9,5 Millionen Euro).

Die Forscher vom Bernstein Fokus Göttingen wollen ein Regelsystem etablieren, bei dem durch bestimmte Prozesse des Gehirns ein technisches Gerät gesteuert wird, das dann wiederum ein Feedback-Signal an das Gehirn gibt. Über eine solche Technik könnte man eine flüssigere und präzisere Bewegung von Prothesen erreichen (BMBF Förderung 8,4 Millionen Euro).

Der Bernstein Fokus Freiburg/Tübingen möchte die Vorgänge im Gehirn entschlüsseln, die es möglich machen, technische Geräte anzusteuern. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen sollen medizinisch-technische Geräte entwickelt und verbessert werden, die Fehlfunktionen und Ausfälle des Gehirns kompensieren. So könnte beispielsweise Epilepsie- oder Schlaganfallpatienten geholfen werden (BMBF Förderung 10 Millionen Euro).

Die Regionen mit dem Bernstein Focus sind Teil des Nationalen Netzwerks Computational Neuroscience. Das Bundesforschungsministerium fördert dieses Netzwerk mit dem Ziel, die hervorragende Expertise in den experimentellen und theoretischen Neurowissenschaften in Deutschland zu stärken und international sichtbar zu machen. Das Netzwerk wurde begründet mit der Etablierung von vier „Bernstein Zentren für Computational Neuroscience“ und wurde Anfang 2007 durch fünf „Bernstein Gruppen“ und elf „Bernstein Kooperationen“ erweitert. Mit dem „Bernstein-Preis“, fördert das BMBF herausragende Nachwuchswissenschaftler und gibt ihnen die Möglichkeit, ihre innovativen Konzepte zu realisieren und sich zur Übernahme von Führungspositionen in der Forschung zu qualifizieren.

Kontaktdaten der Koordinatoren der Zentren
BCNT Berlin
Prof. Dr. Klaus-Robert Muller, Technische Universität Berlin und Fraunhofer Institut FIRST

Tel: 030 6392 1860, Klaus-Robert.Mueller@first.fraunhofer.de

BNCT Frankfurt
Prof. Dr. von der Malsburg, Frankfurt Institute for Advanced Studies
Tel.: 069 798 47621, malsburg@fias.uni-frankfurt.de
BNCT Göttingen
Prof. Dr. Florentin Woergoetter, Computational Neuroscience, Universität Goettingen

Tel.:0551 5176528, worgott@bccn-goettingen.de

BNCT Freiburg/Tübingen
Prof Dr. Ulrich Egert, Albert-Ludwigs Universität Freiburg
Tel.: 0761 203 9527, egert@bccn.uni-freiburg.de

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