Tropische Parasiteninfektion Leishmaniose im Vormarsch

Die Tropenkrankheit Leishmaniose verbreitet sich immer weiter in Europa. Zu den Risikogebieten der Parasiteninfektion, die durch die Sandmücke übertragen wird, gehören auch Regionen rund um das Mittelmeer.

Die meisten deutschen Patienten bringen die Infektion, die unbehandelt tödlich verläuft, aus dem Urlaub in Spanien, vor allem aus Mallorca mit.

Beim „Interdisziplinären Forum zur Leishmaniasis“, die derzeit am Universitätsklinikum Heidelberg stattfindet, stellen Forscher aus Europa, Indien und Australien den aktuellen Wissensstand der internationalen Leishmaniose-Forschung vor.

„Schwerpunktmäßig ist das Problem der Leishmaniose sicherlich eines der ärmeren Länder“, meint der Leiter des Forums, Stefan Zimmermann von der Abteilung für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene im pressetext-Interview. „Jährlich infizieren sich rund zwölf Mio. Menschen mit dem Parasiten Leishmania, den die Sandmücke bei einem Stich mit ihrem Speichel überträgt.

Die Folgen sind Hautgeschwüre oder eine Zerstörung von Knochenmark, Leber und Milz, die unbehandelt tödlich ist.“ Hauptverbreitungsgebiete der Sandmücke sind Indien, Bangladesh sowie die Küstenregionen der Mittelmeerländer. In Deutschland erkranken zwischen 50 bis 100 Patienten pro Jahr an Leishmaniose. Die Dunkelziffer dürfte allerdings höher liegen, meint Zimmermann.

Ein Grund, warum man das Forum in Heidelberg organisiere, liege daran, dass die Bedeutung der Leishmaniose auch in Europa zunehme. „Ein Grund dafür ist die zunehmende Reisetätigkeit, Auslandseinsätze der Bundeswehr sowie eine steigende Anzahl von Patienten, deren Immunsystem durch eine Erkrankung oder durch Medikamente unterdrückt ist, wie etwa bei HIV-Patienten oder Menschen mit chronischen Darmerkrankungen“, erklärt der Mediziner. Zudem werde unter Experten auch darüber diskutiert, dass sich die Sandmücke durch den Klimawandel weiter in Europa ausbreitet. In Norditalien habe man das schlecht fliegende Insekt bereits entdeckt, erklärt der Forscher.

Was die Erkrankung allerdings sehr problematisch mache, ist die eindeutige Diagnose. „Da die Symptome stark variieren, kann es unter Umständen lange dauern, bis man die Erkrankung eindeutig diagnostiziert. Eine nachfolgende Behandlung mit den richtigen Medikamenten verläuft gewöhnlich sehr gut.“ Zimmermann rät, da es noch keine Impfung gegen die Parasiteninfektion gibt, die Verwendung von Insekten-Repellentien. „Unbedingt sollte man auch darauf verzichten, Hunde in die Risikogebiete mitzunehmen. Sie werden nämlich besonders häufig gestochen“, erklärt der Wissenschaftler, der zudem anmerkt, dass es sehr wahrscheinlich sei, dass streunende Hunde das Hauptreservoir für die Infektion sind.

Media Contact

Wolfgang Weitlaner pressetext.austria

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