Medikament für "vergessene Krankheit" entwickelt

Indien lizenziert Miltefosine gegen Kalar Azar

Indien lizenziert das erste Medikament gegen die „tödliche Krankheit der Armen“, der viszeralen Leishmaniose, bekannt auch als „Kala Azar“. Miltefosine entspringt dem gemeinsamen Engagement des deutschen Pharmakonzerns Zentaris und TDR (Tropical Diseases Research), einem von der Weltbank co-gesponserten Programm, dem UN-Entwicklungsprogramm sowie der Weltgesundheitsorganisation WHO. Indien gilt mit 50 Prozent der weltweit Erkrankten als das Zentrum der viszeralen Leishmaniose. Es folgen Bangladesch, Brasilien, Nepal und der Sudan. Die indische Regierung hofft, dass dank des Medikaments „Kala Azar“ bis zum Jahr 2010 ausgerottet ist. Behandlungen bisher verliefen vielversprechend, die Heilungsrate lag bei 95 Prozent.

Von „Kala Azar“ sind in erster Linie Lymphknoten, Milz, Leber und Knochenmark betroffen. Die Erkrankung beginnt schleichend mit Bauchschmerzen, Durchfällen, Fieber und Gewichtsabnahme. In der Folge kommt es zur Vergrößerung von Leber und Milz sowie zu Blutbildveränderungen. Eine Impfung für die von Sandmücken oder Schmetterlingsmücken auf die Krankheitsauslöser, die Geißeltierchen übertragene Leishmaniose, existiert bis dato nicht. Die Vorbeugung besteht in der Bekämpfung der übertragenden Mücken und in allgemeinen Maßnahmen zum Schutz vor Insektenstichen. Die Erkrankung tritt in rund 88 Ländern auf, in diesen Gebieten leben in etwa 350 Mio. Menschen. Da aber rund 80 Prozent der Betroffenen zu den Ärmsten der Armen zählen und das Tageseinkommen teilweise unter zwei Dollar beträgt, gilt „Kalar Azar“ für Pharma-Unternehmen als wenig profitabel.

In Entwicklungsländern liegt die Sterblichkeitsrate ohne Behandlung bei 100 Prozent. Grund sind ein schlechter Ernährungszustand und ein geschwächtes Immunsystem. Bisher eingesetzte Behandlungen zogen toxische Nebenwirkungen nach sich, permanente und irreversible Schäden wie Diabetes waren die Folge. Rund 60 Prozent aller in Indien auftretenden Fälle sind auf Medikamente der ersten Generation bereits resistent. Vor allem aber sind die Behandlungskosten für die meisten Erkrankten unerschwinglich. Obwohl der Preis für Miltefosine noch nicht fest steht, soll er laut Angaben der WHO aller Voraussicht nach unter dem bestehender Behandlungen liegen. Rechnen müssen die Patienten allerdings auch bei Miltefosine mit Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen. Diese seien aber auf einige wenige Tage beschränkt. Im Juli geht das Medikament in Indien in die vierte klinische Testphase. Dabei sollen reale Lebensbedingungen nachempfunden werden und die Langzeitwirkung auf den Erreger getestet werden.

Media Contact

Sandra Standhartinger pte.online

Weitere Informationen:

http://www.who.int/

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