Tumorstammzellen: Die wirklich bösartigen Tumorzellen

Seit einigen Jahren weiß man, dass diese Vorstellung bei Leukämien, Hirntumoren, Brustkrebs und einer wachsenden Zahl von anderen Krebsarten wohl nicht zutrifft. Hier scheinen einige wenige Zellen, Tumorstammzellen genannt, das Verhalten des gesamten Tumors zu bestimmen.

Man glaubt, dass diese Tumorstammzellen abgetötet werden müssen, um solche Tumoren auszumerzen. Die Gruppe um den Ulmer Krebsforscher Christian Beltinger hat sich zur Aufgabe gesetzt, solche Tumorstammzellen im Neuroblastom und dem Ewing-Sarkom, zwei bösartigen Tumorerkrankungen im Kindesalter, zu finden.

Trifft das Konzept der Tumorstammzellen zu, dann kann das weitreichende Konsequenzen für das klinische Vorgehen haben. Es könnte sein, dass die Zahl und die Funktion der wenigen Tumorstammzellen im Tumor und seinen Metastasen für die Prognose, die Einteilung der Patienten in Gruppen mit hohem oder niedrigem Risiko, die Beurteilung des Therapieansprechens und das Wiederauftreten einer Tumorerkrankung ausschlaggebend sind.

Vor allem aber könnte ein Tumor, der Tumorstammzellen enthält, nur dann erfolgreich therapiert werden, wenn auch die Tumorstammzellen abgetötet werden.

Es verdichten sich die Hinweise, dass die sich langsam teilenden Tumorstammzellen vergleichsweise widerstandsfähig sind gegen herkömmliche Chemo- und Strahlentherapie, die bevorzugt sich schnell teilende Zellen trifft.

Darüber hinaus besitzen Tumorstammzellen Pumpen, die Krebsmedikamente aus der Krebszelle transportieren, so dass diese nicht wirken können. Therapien, die auch die Tumorstammzellen treffen, ohne die Gewebestammzellen zu beeinträchtigen, müssen entwickelt werden.

Bei Neuroblastomen und Ewing-Sarkomen vermutet man, dass sie aus stammzell-ähnlichen Zellen des normalen Gewebes, sog. Vorläuferzellen, entstehen. Diese normalen Vorläuferzellen besitzen einige Eigenschaften, die auch Tumorstammzellen auszeichnen. Jedoch stehen diese Eigenschaften beim Gesunden unter strenger Kontrolle, so dass kein Tumor entsteht.

Könnte es sein, dass bei der Entstehung dieser Tumoren nur einige wenige Schranken niedergerissen werden müssen, damit diese Zellen schrankenlos wachsen können, also Tumorstammzellen werden? So spannend diese Frage für die Krebsforscher um Christian Beltinger ist, die wirkliche Bedeutung ihrer Forschung sehen sie in der Perspektive, die Risikoeinschätzung und die Therapie dieser Krebserkrankungen zu verbessern. Bis dahin ist jedoch noch viel vorklinische Arbeit im Labor notwendig.

Kontakt:
Prof. Dr. Christian Beltinger, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Ulm

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 150.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Media Contact

Bernhard Knappe idw

Weitere Informationen:

http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit

Dieser Fachbereich fasst die Vielzahl der medizinischen Fachrichtungen aus dem Bereich der Humanmedizin zusammen.

Unter anderem finden Sie hier Berichte aus den Teilbereichen: Anästhesiologie, Anatomie, Chirurgie, Humangenetik, Hygiene und Umweltmedizin, Innere Medizin, Neurologie, Pharmakologie, Physiologie, Urologie oder Zahnmedizin.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Live-Webinar 10.12.: Fraunhofer IPA vs. Corona

Aktuelle Anwendungsfälle aus der angewandten Forschung Die Corona-Pandemie stellt die Gesellschaft vor große Herausforderungen, denn es gilt, die Bevölkerung und den Wohlstand optimal zu schützen. Expertinnen und Experten von Fraunhofer…

Und der Haifisch, der hat Zähne

Besonderheit im Zahnschmelz von Haifischzähnen entdeckt Haifischzähne müssen während ihrer kurzen Verweildauer auf den Punkt funktionieren: Der Port-Jackson-Stierkopfhai ernährt sich von harten Beutetieren wie Seeigeln und Muscheln. Seine Zähne müssen…

Quantenphotonik für abhörsichere Kanäle und extrem genaue Sensoren

Yes, we quant! Forscherinnen und Forscher am Fraunhofer IZM wollen die Quantenphysik aus den Lehrbüchern in die Realität bringen. Mit Hilfe von optischen Glas-integrierten Wellenleitern entwickeln sie eine universelle Plattform,…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close