Warnzeichen für Alzheimer und Schizophrenie aus Bildern des Gehirns ablesen

Verändert eine Krankheit den Körper, ist das bedrohlich. Dennoch lernen viele, damit zu leben. Verändert sich durch eine Erkrankung jedoch das Gehirn, geht mehr verloren als Beweglichkeit oder Leistungsfähigkeit:

Das Ich des Menschen verändert sich, der Realitätsbezug verlischt – langsam, wie bei Alzheimer. Oder sprunghaft, wie bei einer Schizophrenie, die häufig schon bei jungen Erwachsenen beginnt. Sind diese Erkrankungen einmal ausgebrochen, sind auch die Möglichkeiten der modernen Medizin häufig begrenzt. Denn beide Krankheiten sind auch heute noch nicht heilbar. Viele Hoffnungen richten sich daher auf das Erkennen allererster Warnsignale, um bereits im Frühstadium therapieren zu können.

Wissenschaftler am Universitätsklinikum Jena (UKJ) wollen jetzt untersuchen, wie die Früherkennung von Hirnerkrankungen wie Alzheimer und Schizophrenie künftig gelingen könnte. Das mit 430.000 Euro geförderte Forschungsprojekt setzt dazu auf die junge Methode des „Neuro-Imaging“ – den Einsatz bildgebender Diagnoseverfahren in den Neurowissenschaften. Das Team um Prof. Dr. Christian Gaser an der Jenaer Klinik für Psychiatrie untersucht dabei in den kommenden fünf Jahren die Möglichkeiten einer computergestützten Frühdiagnose auf der Grundlage von MRT-Aufnahmen des Gehirns.

„Bei einer Demenz sehen wir im Magnet-Resonanz-Tomographen ganz typische Veränderungen im Gehirn der Patienten“, so Gaser. „Bestimmte Teile des Gehirns verlieren mit Fortschreiten der Erkrankung immer mehr an Substanz.“ Im fortgeschrittenen Stadium sind diese Veränderungen bereits mit bloßem Auge auf den Aufnahmen zu erkennen. Gaser und seine Kollegen wollen nun technische Lösungen dafür finden, die für den Arzt noch unsichtbaren Veränderungen des Gehirns in den Vorstufen einer Demenz zu erkennen. „Es gibt ein für Alzheimer typisches Muster der Hirnveränderungen, das schon vor dem Ausbruch der Krankheit zu finden ist“, erklärt Prof. Christian Gaser. „Da wir wissen, wie dieses Muster nach Ausbruch der Erkrankung aussieht, wollen wir mit computergestützten Auswertungen von Hirnbildern bereits erste Anzeichen vor Erkrankungsbeginn auffinden. Damit könnten künftig Aussagen über das individuelle Erkrankungsrisiko möglich werden.“ Denn auch wenn es nur begrenzte Therapiemöglichkeiten gibt, kann der Verfall bei Demenz zumindest aufgehalten werden. Und je früher damit begonnen wird, umso mehr Lebensjahre lassen sich für die Betroffenen gewinnen.

Ähnliche frühdiagnostische Möglichkeiten durch bildgebende Verfahren erhofft sich die Arbeitsgruppe für die Schizophrenie. „Hier sehen wir krankheitstypische Veränderungen im Gehirn bereits in jungen Jahren“, erklärt Gaser, der sich vor allem mit der methodischen Seite der Früherkennung beschäftigt.

Die dabei eingesetzten Verfahren des „Neuro-Imaging“ setzen auf modernste Methoden zur Bildgebung, indem MRT und funktionelle MRT aussagekräftige Bilder des Gehirns und seiner Funktionen liefern, die Informationen über die Aktivitäten einzelner Regionen ebenso enthalten wie über die Gesamtbeschaffenheit des untersuchten Gehirns.

Am Universitätsklinikum Jena steht den Wissenschaftlern dafür eines der modernsten MRT-Geräte speziell für die neurowissenschaftliche Forschung zur Verfügung. Gaser: „Wir hoffen, jetzt mit Hilfe sogenannter multivarianter Analysemethoden die noch relativ neuen bildgebenden Diagnoseverfahren so einzusetzen, dass diese künftig zur Früherkennung genutzt werden können.“

Ansprechpartner:
Prof. Dr. rer. nat. Christian Gaser
Arbeitsgruppe Neuro-Imaging, Klinik für Psychiatrie, Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641/935805
E-Mail: Christian.Gaser[at]uni-jena.de

Ansprechpartner für Medien

Helena Reinhardt idw

Weitere Informationen:

http://www.uniklinikum-jena.de

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