Die Laser-Skalpelle der Zellforscher


Konferenz wurde von der Europäischen Kommission gefördert

Wie entstehen Krankheiten und Tumoren? Welche Mechanismen steuern die Entwicklung eines Organismus? – Wer solche Fragen beantworten will, muss tief hinein blicken in das Gewebe des Menschen und bestenfalls einzelne Zellen betrachten. Das aber ist gar nicht so einfach, denn bevor man die Funktion einer einzelnen Zelle untersuchen kann, muss man sie erst einmal in Reinform gewinnen. Dass dies heute möglich ist, geht auf das Konto einer neuen Schneidetechnik, der so genannten Laser-Gewebsmikrodissektion. Das ist ein Verfahren, bei dem in einer Gewebeprobe kleinste Schnitte mittels eines Laserstrahls ausgeführt werden. Auf dem Petersberg bei Bonn trafen sich jetzt Fachleute aus aller Welt, um sich über den Stand der Technik auf diesem Gebiet zu informieren. Wissenschaftler der Universität Bonn hatten dazu gemeinsam mit französischen Kollegen eingeladen. Gefördert wurde die Konferenz von der Europäischen Kommission.

„Seit kurzem können wir mit Hilfe eines Laserstrahls kleine Zellgruppen bis hin zu Einzelzellen aus Geweben isolieren, die dann getrennt analysiert werden“, erklärt Professor Dr. Nicolas Wernert vom Pathologischen Institut der Universität Bonn. Dies sei besonders hilfreich, wenn man die Entstehung von Krankheiten, einschließlich von Tumorerkrankungen, untersuchen will. Sie spielen sich nämlich fast alle in Geweben ab, die aus vielen verschiedenen Arten von Zellen bestehen. Bislang war es kaum möglich, zu ergründen, welche Aufgaben die unterschiedlichen Zellen wahrnehmen, weil man einzelne Zellen aus diesen Zellverbänden nicht herauslösen konnte. Dies ist nun Dank der Laser-Gewebsmikrodissektion möglich.

Ihr Hauptaugenmerk richten die Forscher bei der Untersuchung der freigelegten Zellen darauf, welche Gene im Erbgut der Zellen „angeschaltet“ sind und zunehmend auch, welche Eiweißstoffe gebildet werden. „Die Technik wird wesentlich dazu beitragen, in Zukunft auch komplexe biologische Vorgänge wie die Entwicklung eines Organismus oder die Entstehung von Krankheiten und Tumoren zu verstehen“, resümiert der Bonner Pathologe.

Das Bonner Wissenschaftlerteam um Wernert interessiert sich vor allem für die Entstehung der Blutgefäße, die Tumoren mit Blut versorgen. Die so genannte Angiogenese, wie die Entstehung von Blutgefäßen in Fachkreisen genannt wird, erfährt derzeit große Aufmerksamkeit in der Krebsforschung, denn wer weiß, wie die Versorgung von Tumorgewebe funktioniert, darf hoffen, den Tumor eines Tages hiervon abschneiden zu können.


Weitere Informationen: Professor Dr. Nicolas Wernert, Institut für Pathologie der Universität Bonn, Telefon: 0228/287-5371, E-Mail: Wernert@meb.uni-bonn.de

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Dr. Andreas Archut idw

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