Basler Forscher zeigen Wirksamkeit eines chinesischen Darmwurmmittels

Laut ihrer Studie wirkt das neue Mittel Tribendimidine ähnlich wie das Standardmedikament Albendazole gegen Haken-, Spul- und Peitschenwürmer sowie gegen Zwergfaden- und Bandwürmer. Durchgeführt wurde die in der Fachzeitschrift „PLoS Neglected Tropical Diseases“ publizierte Studie gemeinsam mit chinesischen Partnern in Simao, Shanghai und Wuxi.

Weltweit sind mehr als eine Milliarde Menschen mit Darmwürmern infiziert. Die chronischen Infektionen wirken sich negativ auf die Gesundheit vor allem von Kindern und Müttern aus sowie allgemein auf Ernährungsstatus, physische Leistungsfähigkeit und kognitive Entwicklung der Betroffenen. Die derzeit vorherrschende medikamentöse Behandlung dieser Parasiten zielt auf eine Reduktion der Krankheitssymptome. Idealerweise wird dieser Ansatz mit der Bereitstellung von sauberem Trinkwasser und Sanitäranlagen sowie Gesundheitsausbildung kombiniert, um die Übertragung zu reduzieren.

Zur Behandlung von über den Boden übertragenen Wurminfektionen empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO heute nur vier Medikamente, was die Gefahr der Resistenzentwicklung erhöht. Tribendimidine gehört zu einer anderen chemischen Klasse als die derzeit verwendeten Medikamente; es wurde in China am Nationalen Institut für Parasitosen in Shanghai zusammen mit der Firma Shandong Xinhua Pharmaceutical in Zibo entwickelt und von der chinesischen Nahrungs- und Medikamentenkontrollstelle im Jahr 2004 zugelassen.

Die in einem Dorf in China durchgeführte Studie umfasste 123 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die auf Darmwürmer untersucht und nach dem Zufallsprinzip entweder mit Tribendimidine oder mit Albendazole behandelt wurden (Dosierung für beide Medikamente: 200 mg für 5- bis 14-jährige Kinder, 400 mg für über 14-Jährige). Resultat: Eine Einzeldosis Tribendimidine heilte bis zu 92% der Infektionen mit gewöhnlichen, über den Boden übertragenen Würmern. Positive Ergebnisse wurden erstmals auch gegen den Zwergfadenwurm und gegen Bandwürmer erzielt: Nach der Behandlung konnten in 55% bzw. 67% der ursprünglich infizierten Personen keiner dieser beiden Parasiten nachgewiesen werden. Die Intensität von Spul- und Hakenwurminfektionen wurde durch beide Medikamente signifikant gesenkt, Nebenwirkungen wurden keine beobachtet.

Die Resultate müssen nun in grösseren Patientengruppen und in verschiedenen Regionen bestätigt werden. Ebenfalls sollte nun eine Mehrfachdosierung zur weiteren Steigerung des Behandlungserfolgs untersucht werden.

Weitere Auskünfte
Prof. Dr. Jürg Utzinger, Departement Gesundheitswesen und Epidemiologie, Schweizerisches Tropeninstitut, Socinstrasse 57, 4051 Basel, Tel. +41 061 284 81 29, E-Mail: juerg.utzinger@unibas.ch

Dr. Peter Steinmann, National Institute of Parasitic Diseases, Chinese Center for Disease Control and Prevention, 207 Rui Jin Er Road, Shanghai 200025, People's Republic of China, Tel. +86 136 71 61 60 56, E-Mail: peter.steinmann@unibas.ch

Originalbeitrag in „PLoS Neglected Tropical Diseases“ 2(10): e322. doi:10.1371/journal.pntd.0000322

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Christoph Dieffenbacher idw

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