Saurier-Panzer als Hightech Verbundstoff

Aufbau der schusssicheren Dino-Schutzanzüge besser erklärt

Paläontologen der Universität Bonn haben nun entdeckt, dass einige Panzer von Dinosauriern frappierende Ähnlichkeiten mit modernen Verbundwerkstoffen aufweisen. Solche Verbundstoffe werden zum Beispiel als schusssichere Westen verwendet. Der Aufbau dieser Rüstungen scheint teilweise sehr viel komplizierter zu sein als bislang angenommen, berichten die Forscher der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Andere Echsen haben ihren „Schutzanzug“ sogar noch weiter perfektioniert: Ihre Panzer waren erheblich dünner und leichter und wiesen vermutlich eine ähnliche Stabilität auf. Die Rüstung war perfekt, da selbst ihre Augenlider aus Knochenplatten bestanden. Zu den bestgepanzerten Großechsen zählten die bis zu zehn Meter langen Pflanzenfresser namens Ankylosaurier. Ihr Schwanz lief mitunter zu einer gewaltigen knöchernen Keule aus. „Das war wahrscheinlich eine Waffe, auch wenn sie sie mit Sicherheit nicht einfach hin- und herschwingen konnten“, erklärt der Paläontologe Torsten Scheyer. Scheyer hat die Panzer der Echsen genau untersucht und ist zum Ergebnis gekommen, dass die Knochenplatten längst nicht so stark denen der Krokodile ähneln wie bislang angenommen, da die Feinstruktur erheblich komplizierter ist.

Ein komplettes „Dino-Kettenhemd“ bestand aus hunderttausenden von knöchernen Panzerplatten. Die meisten von ihnen waren kleiner als eine Ein-Cent-Münze, manche hatten aber auch einen Durchmesser von mehreren Dutzend Zentimetern und liefen in langen Spitzen aus. „Anders als bei der Schildkröte waren die einzelnen Platten nicht fest miteinander verschmolzen, sondern lagen nebeneinander in der Haut“, erklärt Scheyer. Eine solche Panzerung war flexibel und konnte unter Druck nicht so leicht zerbrechen. Unter dem Polarisationsmikroskop konnte der Forscher feststellen, dass in den Knochenkalk des Panzers Proteinfasern eingewebt waren, die dreidimensional ineinander verwobene Matten bildeten. Innerhalb jeder Matte verliefen die Fasern parallel. Die Fasern waren aber um 45 Grad gegenüber den umgebenden Matten verdreht. Damit erreichten die Panzer in jede Raumrichtung eine enorme Stabilität.

Media Contact

Wolfgang Weitlaner pressetext.austria

Weitere Informationen:

http://www.uni-bonn.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften

Die Materialwissenschaft bezeichnet eine Wissenschaft, die sich mit der Erforschung – d. h. der Entwicklung, der Herstellung und Verarbeitung – von Materialien und Werkstoffen beschäftigt. Biologische oder medizinische Facetten gewinnen in der modernen Ausrichtung zunehmend an Gewicht.

Der innovations report bietet Ihnen hierzu interessante Artikel über die Materialentwicklung und deren Anwendungen, sowie über die Struktur und Eigenschaften neuer Werkstoffe.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Erfolg für Magdeburger Wissenschaftler*innen mit einem „Brutkasten“ für die Lunge

Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie 2020 geht an Chirurg*innen der Universitätsmedizin Magdeburg Die Arbeitsgruppe „Experimentelle Thoraxchirurgie“ der Universitätsmedizin Magdeburg unter der Leitung von Dr. Cornelia Wiese-Rischke wurde für die…

Mehr als Muskelschwund

Forschungsnetzwerk SMABEYOND untersucht Auswirkungen der Spinalen Muskelatrophie auf Organe Spinale Muskelatrophie (SMA) ist eine erblich bedingte neurodegenerative Erkrankung. Dabei gehen die motorischen Nervenzellen im Rückenmark und im Hirnstamm allmählich zugrunde,…

Molekulare Bremse für das Wurzelwachstum

Die dynamische Änderung des Wurzelwachstums von Pflanzen ist wichtig für ihre Anpassung an Bodenbedingungen. Nährstoffe oder Feuchtigkeit können je nach Standort in höheren oder tieferen Bodenschichten vorkommen. Daher ist je…

By continuing to use the site, you agree to the use of cookies. more information

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close