Künstlich kunstvoll spinnen in Labor und Biotechnikum

Der Traum, das Biomaterial künstlich herzustellen, ist inzwischen in greifbare Nähe gerückt. Vliesstoffe, Kugeln und Folien aus Seidenprotein lassen sich bereits produzieren. Das Spinnen von Seidenfäden aber bleibt schwierig.

Über die biotechnische Herstellung von Seide und deren Anwendungen berichtet die aktuelle Ausgabe der „Nachrichten aus der Chemie“.

Wie lässt sich am besten Spinnenseide industriell im großen Maßstab produzieren? Jedenfalls nicht mit Spinnentieren – deren kannibalische Veranlagung steht dem Vorhaben entgegen. Die Forscher nutzen daher gentechnisch veränderte Mikroorganismen wie Bakterien der Art Escherichia coli.

Dazu geben Biotechniker die Erbinformationen für das Spinnenseidenprotein in die Bakterien, die sich dann in Bioreaktoren vermehren und das Seidenprotein produzieren. Anschließend lässt sich diese Rohseide zu Vliesstoffen und Folien, zu Kugeln und Kapseln verarbeiten.

Solcherart künstlich hergestellte Seidenmaterialien sollen bald Einzug ins Alltagsleben halten, und zwar auch außerhalb der Textilbranche: Folien aus Seidenprotein ließen sich nutzen wie Kunststofffolien aus PVC oder PE, sie besitzen aber eine bessere Luft- und Wasserdampfdurchlässigkeit.

Als biologisch abbaubare Transporter von Medikamenten bieten sich Seidenkapseln an, die den Wirkstoff bis zu seiner Freisetzung im Körper schützen. In der Medizin schließlich laufen Studien mit Spinnenseide für die Rekonstruktion von Nerven.

In der Maiausgabe der „Nachrichten aus der Chemie“ beschreiben die Biochemiker Lin Römer und Thomas Scheibel den Stand der Technik bei der Produktion und Verarbeitung von künstlicher Seide sowie mögliche Anwendungen. Die PDF-Datei des Artikels gibt es bei der Redaktion der „Nachrichten aus der Chemie“ unter nachrichten@gdch.de.

Nahezu 80.000 anspruchsvolle Chemiker und Chemikerinnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Lehre informieren sich mit den „Nachrichten aus der Chemie“ über Entwicklungen in der Chemie, in angrenzenden Wissenschaften sowie über gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte. Kennzeichen der Zeitschrift der Gesellschaft Deutscher Chemiker sind das breite Spektrum der Berichte, das einmalige Informationsangebot an Personalien, Veranstaltungs- und Fortbildungsterminen sowie der große Stellenmarkt.

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