Kontinuierliche Badanalyse erhöht Prozess-Sicherheit

Im Jahr 2007 wurde die Entscheidung getroffen, das Glüh- und Oberflächenergebnis der Blankglühlinie zu verbessern und die bis dahin mechanische Entfettung durch eine Bandwaschanlage zu ersetzen. Die wichtigsten Kriterien dabei waren eine signifikante Verbesserung und Dokumentation der Reinigungsqualität. So installierte die BVL Oberflächentechnik GmbH, Emsbüren, nicht nur die Anlage, sondern auch das Badanalysegerät Libelle zur automatischen, permanenten Überwachung des Reinigungsprozesses.

Vor der Anlageninstallation wurde bei BWS die Bandreinigung mechanisch vorgenommen. Dazu hat man Abstreiftücher an das Band gedrückt, die den Fett- und Ölfilm zwar verringerten, aber keine 100%-Entfettung bewirkten. Die Folge war, dass der Restölfilm den nachfolgenden Glühprozess störte. Die nicht entfernten Ölbestandteile verbrennen und vercracken bei 1200 °C im Glühofen. Das beeinträchtigt die Ofenatmosphäre. Als Konsequenz sinkt der Wirkungsgrad des Ofens; der Aufwand für die Ofeninstandhaltung steigt. Mit der Anlagen- und Geräte-Installation wird beides vermieden.

Die Idee dazu hatte ein Anlagenlieferant von BWS. Er rüstet den Stahlbandhersteller mit Abcoilanlagen aus. Als Anlagenhersteller hatte er bereits Erfahrungen mit BVL. Die Aufgabenstellung für die Konzeption der Bandwaschanlage lautete: In einer kontinuierlich laufenden Blankglühlinie soll eine Reinigungsanlage zum Entfetten kaltgewalzter Bandstähle integriert werden. Beim Reinigen müssen die liquiden und festen Bestandteile entfernt werden und auf dem Band dürfen keine Reinigerrückstände verbleiben.

Trocknung erfolgt ohne Restfeuchte auf dem Band

Die Trocknung muss ohne Restfeuchte auf dem Band erfolgen. Der maximal zur Verfügung stehende Platz beträgt 3800 mm. Die Banddicke variiert von 0,05 bis 1,5 mm; die Bandbreite beträgt bis zu 400 mm. Auch bei einer Bandgeschwindigkeit bis 70 m/min muss ein optimales Reinigungsergebnis erzielt werden.

Um diesen Anforderungen zu genügen, ist die Bandwaschanlage prozesstechnisch dreistufig ausgelegt. So findet in der Anlage eine separate Reinigung, Spülung und Trocknung statt. Diese drei Prozesse sind räumlich durch Abquetschwalzen voneinander getrennt. Hauptverantwortlich für das Reinigungsergebnis sind Hochdruckpumpen. Das anschließende Spülen der RSH-Stahlbänder sorgt für eine optisch hochwertige Oberflächenreinheit.

Damit dieses Anlagenkonzept im Drei-Schicht-Betrieb „laufen“ kann, wurde bewusst in Badpflegemaßnahmen und die Badanalyse investiert. Das eingebrachte Öl wird der Waschflüssigkeit über einen Plattenphasentrenner entzogen. In einem zweiten Schritt scheiden Mikrofilter emulgierte Ölanteile ab. Das Spülwasser wird durch eine Umkehrosmoseanlage gepumpt. Dort werden dem Medium gelöste Mineralien und Salze entzogen.

Badanalysegerät automatisiert komplette Reinigung

Mit dem Badanalysegerät Libelle wird die komplette Reinigung automatisiert, inklusive der Badüberwachung. Ein Sensor kontrolliert permanent in einer Bypassleitung die Waschflüssigkeit. Die Ergebnisse werden von einem Rechner optisch angezeigt, der die Messdaten auswertet und am Bedienpult des Geräts angeschlossenen ist. Sie stehen online zur Verfügung. Das ermöglicht einen schnellen Blick auf den aktuellen Badzustand und somit auch auf die Reinigungsqualität im Prozess. Das Analysegerät funktioniert prozesssicher. Es wird entsprechend den Kundenbedürfnissen kalibriert. Nimmt die Schmutzfracht im Bad zu, wird der Verschmutzungsgrad auf einer Art Tachoscheibe von grün über gelb bis rot angezeigt.

Somit lässt sich der Zeitpunkt des Badwechsels optimal planen. Es ist garantiert, dass kein mangelhaft gereinigtes Band in den Glühofen einläuft. Ein Ausfall der Mikrofiltration wird vom Analysegerät sofort erkannt, genau wie ein Filterbruch in der Reinigungsanlage oder ein nicht ausreichend durchgeführter Badwechsel. Im Ergebnis sinken die Kosten. Die Prozess-Sicherheit steigt. Noch in diesem Jahr wird aufgrund der guten Erfahrungen eine weitere Entfettungsanlage für eine derzeit im Bau befindliche Blankglühanlage bestellt.

Bernhard Sievering ist Geschäftsführer der BVL Oberflächentechnik in 48488 Emsbüren.

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Bernhard Sievering MM MaschinenMarkt

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