Erfolgreiche Energieeinsparung im Verbund mit Netzwerkpartnern

Josef Menz ist ein pragmatischer Mann. „Manchmal aber suche ich hartnäckig nach Problemen, von denen ich gar nicht wusste, dass wir sie haben“, sagt der Leiter Instandhaltung bei Feinguss Blank. Sein Arbeitgeber gehört zur kleinen Schar der hochspezialisierten deutschen Feingießer. Hier wartet Menz nicht nur die Maschinen und Anlagen, sondern optimiert ganze Abläufe aus Energiesicht. „Energiepreise werden als Thema für uns immer wichtiger. Ich suche daher verstärkt nach Prozessen, die ich ganz einsparen kann“, so der Energieeinsparer.

Dazu hat er sich einer regionalen Gruppe von Unternehmern angeschlossen, die ihre Energieeffizienz steigern wollen. Im „EnBW-Netzwerk Energieeffizienz Donau-Alb“ sind 16 energieintensive Firmen zusammengeschlossen, darunter etwa der Kranhersteller Liebherr aus Biberach oder die Airbus Deutschland GmbH. Gemeinsam wollen sie binnen drei Jahren ihren Verbrauch von Strom und Gas um 8,5% senken. Dieses Ziel haben sie sich nach einer ersten Initialberatung selbst gesetzt.

EnBW bringt Firmen mit energieintensiver Produktion sowie Energie-Experten zusammen

Die EnBW Energie Baden-Württemberg AG moderiert die Treffen und bringt die Teilnehmer mit externen Fachleuten zusammen. Unterschiedliche technische Maßnahmen werden nach Effizienzgrad und Wirtschaftlichkeit bewertet und anschließend umgesetzt. Bei den Netzwerktreffen soll jeder Teilnehmer eigene Erfahrungen beisteuern und gleichzeitig von den Anderen lernen. „So manche gute Lösung, die in der Gruppe präsentiert wird, entwickelt plötzlich ein Eigenleben. Dann überlegt man, welches Problem man selbst damit beheben könnte. Und machmal hat man dann Wochen später die Querverbindung zum eigenen Prozess“, erläutert Menz.

In der Feingießerei im schwäbischen Riedlingen wird Stahl geschmolzen, Wachs erhitzt und die formgebenden Keramikmasken im Wärmeofen auf über 1100 °C gebracht. Im Jahr verbraucht Feinguss Blank rund 25 Mio. kWh Energie; der Bedarf verteilt sich etwa hälftig auf Gas und Strom. In den zwei Jahren Netzwerkarbeit hat das Unternehmen insgesamt 25 Effizienz-Maßnahmen umgesetzt. „Zu Beginn haben wir uns die Standard-Themen vorgenommen, Isolierungen ausgebessert, Regelungen bei Klimageräten optimiert und unsere Leckrate bei der Druckluft gedrosselt“, berichtet Menz. Schnell wurden die Projekte jedoch immer spezifischer.

Separate Kühlwasserführung für Prozess und Maschine spart 30% Kühlenergie ein

So wurde die zentrale Kühlanlage für den kompletten Fertigungsbereich im Wachsraum etwa so umgebaut, dass sieh heute unterschiedliche Temperaturniveaus in separaten Systemen fahren kann. Dadurch wird das mit viel Energie erzeugte 8 °C kalte Wasser nur noch zur Prozesskühlung genutzt, das Wasser zur Maschinenkühlung aber darf wesentlich wärmer sein und wird dagegen über Luft-Wärmetauscher bereitgestellt. Allein damit werden nun 30% Kühlenergie eingespart – was rund 325 000 kWh im Jahr ausmacht. Durch eine Optimierung der Klima- und Lüftungsanlagensteuerung konnte ebenfalls rund 30% Energie eingespart werden.

Und nicht nur das: Die neue Regelung bringt eine sehr homogene Temperaturverteilung bei geringer Strömungsgeschwindigkeit. Neben der Energieeffizienz konnte Feinguss Blank so auch die Arbeitsbedingungen verbessern. „Die Anlage läuft leiser und es gibt weniger Zugluft, was für unsere sitzenden Arbeiter eine Erleichterung ist. Nach unserer Erfahrung geht Energieeffizienz oft mit mehr Komfort und mehr Arbeitssicherheit einher“, weiß Menz.

25% Energieeinsparung durch Projekte mit 13,3 Monaten Armortisationszeit

Aktuell bringt der Energie-Fachmann die Beleuchtung in den Produktionshallen auf den neuesten Stand und tauscht alte Leuchtkörper gegen moderne, energiesparende Lampen aus. Die Beleuchtungskosten sollen dadurch um die Hälfte sinken. Tageslichtabhängige Steuerung und Präsenzmelder automatisieren den Lichtbedarf.

Das bei der Initialberatung ermittelte Sparpotenzial konnte Feinguss Blank dabei längst überholen. Und die Kosten? In Riedlingen betrug die durchschnittliche Amortisationszeit der Effizienzprojekte bislang 13,5 Monate. Dafür hat das Unternehmen jetzt schon eine insgesamte Energieeinsparung von 25%. Energieeffizienz rechnet sich also schnell – vor allem dann, wenn man noch weiche Faktoren wie die besseren Arbeitsbedingungen und stabilere Prozesse dazuzählt.

Als nächste Herausforderung will Menz sich den hohen Gasverbrauch in der Gießerei vornehmen. Gerne würde er die Abwärme bei den hohen Schmelztemperaturen von bis zu 1700 °C besser nutzen. „Auch wenn uns dabei eine Lösung einfällt, sind wir aber noch lange nicht am Ende. In so einem Netzwerk entwickelt man sportlichen Ehrgeiz. Man versucht, die Erfolge der Anderen immer noch ein bisschen zu toppen“, schmunzelt Menz.

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Josef-Martin Kraus MM MaschinenMarkt

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