Automatisierung hält bei den Biegemaschinen Einzug

Grundsätzlich unterscheidet man Biegemaschinen nach den Kinematik-Kriterien: Biegen mit geradliniger Werkzeugbewegung (Gesenkbiegen, Abkanten, Rollbiegen) und Biegen mit drehender Werkzeugbewegung (Schwenkbiegen, Rundbiegen, Walzprofilieren).

Gesenkbiegepressen, auch als Abkantpressen, Abkantmaschinen oder Biegemaschinen bezeichnet, sind gekennzeichnet durch eine geradlinige Hubbewegung des Stößels. Für die rationelle Fertigung von Biegeteilen mit empfindlichen Oberflächen sowie großen Biegeradien haben sich Schwenkbiegemaschinen bewährt.

Im Gegensatz zu den Abkantpressen geschieht das Biegen hier durch eine drehende Werkzeugbewegung. Viele Blechteile werden heute in Gesenken „in einem Zug“ geformt. Zwar hat die Entwicklung des Hydroforming eine Reihe technologischer Grenzen verschoben, dennoch hat die klassische „Abkantbank“ noch lange nicht ausgedient.

Obwohl Schwenkbiegen und Gesenkbiegen zwei technologisch unterschiedliche Verfahren darstellen, findet sich eine Reihe übereinstimmender Einsatzbereiche. Besonders für die Fertigung von komplexen, flächigen Biegeteilen in Klein- und Mittelserien eignen sich oft beide Maschinengattungen. Gehäusebauteile, die aus einem vorgestanzten Blech fertiggebogen werden oder komplexe Profile mit mehrfachen Biegekanten und Hinterschnitt verlangen in der Praxis hingegen die Spezialmaschine.

Abmaße und Antriebsleistung bei Biegemaschinen entscheidend

Wesentliches Kriterium für eine Maschinenauswahl sind die maximalen geometrischen Abmaße sowie die für eine bestimmte Blechdicke erforderliche Antriebsleistung. Schwenkbiegemaschinen eignen sich besonders für das Biegen großflächiger Blechbauteile beispielsweise im Luftkanalbau sowie für Profile und Kanäle.

Gesenkbiegemaschinen bieten einen relativ großen Arbeitsraum und durch die individuell einsetzbaren Gesenke eine hohe Flexibilität für Sonderaufgaben. Wichtig ist auch die mögliche Umrüstbarkeit der Maschine für verschiedene Aufgaben sowie der Umfang an Sonderausrüstungen für bestimmte Anwendungen.

Schwenkbiegen auf dem Vormarsch

„Weltweit findet das Schwenkbiegen immer mehr Fans,“ findet jedenfalls die Sindelfinger RAS Reinhardt Maschinenbau GmbH: Beim Schwenkbiegen ist das Handhaben großer Bleche einfach, es kommt für das gesamte Teilespektrum meist mit nur einem Werkzeugsatz aus, formt die Bleche kratzfrei um und eignet sich ideal für kleine und mittlere Losgrößen.

Der Bogen unterschiedlicher Einsatzfälle spannt sich von einfachen Klempneranwendungen im Dünnblechbereich bis zu industriellen Anwendungen bis 6 mm Stahlblech oder 4 mm Edelstahl – als Stand-alone-Maschine oder integriert in Biegezentren oder automatisierten Fertigungszellen.

Moderne Schwenkbiegemaschinen bieten Präzision von 0,1

Bei modernen Präzisions-Schwenkbiegemaschinen schwenkt die Biegewange mit einer Genauigkeit von 0,1 nach oben und sichert somit exakte und wiederholgenaue Biegeteile. Toleranzen in der Blechdicke beeinflussen das Biegeergebnis nicht, da die Biegewange als Referenz immer die Außenseite des Blechs nimmt.

Daher stimmen beim Schwenkbiegen die Winkel exakt, selbst ohne zusätzliche Winkelmesssysteme. Die Geradheit der Biegungen bestimmt die Steifigkeit der Maschine. Dünnblechmaschinen kommen dank einer tiefen Biegewange ohne Bombiersysteme aus.

Schwenkbiegemaschinen auch für kleine Losgrößen geeignet

Geringe Werkzeugwechselzeiten machen das Schwenkbiegen ideal für die Fertigung selbst kleinster Losgrößen. Meist reicht ein einziger universeller Werkzeugsatz für alle Biegeteile, ganz gleich welche Winkel, Schenkelmaße, Blechdicken und Materialsorten zu biegen sind.

Wichtige Kriterien sind die Höhe des Werkzeugs und seine Freibereiche vorne und hinten. Die Werkzeugflexibilität verringert die Investitionskosten in viele verschiedene Werkzeugtypen und senkt die Werkzeugwartungs- und Rüstkosten. Automatische Klemmsysteme spannen die Werkzeuge der Ober- und Biegewange, sobald der Bediener mit der Arbeit beginnt.

Schnellste Biegemaschine der Welt

Wenn der Bediener einer Abkantpresse müde wird, sinken Menge und Qualität der gefertigten Teile. Um das grundsätzlich zu verhindern, legte die Ditzinger Trumpf GmbH + Co. KG bei der Entwicklung der Tru-Bend Serie 7000 den Fokus auf Ergonomieaspekte: Der Bediener kann sitzend und damit weitgehend ermüdungsfrei arbeiten.

Mit gasfederunterstützten Pedalen lassen sich Höhe und Neigung der Fußauflage einstellen. Auch die Armauflage ist in der Höhe verstellbar, so dass sich jeder Bediener seinen Arbeitsplatz individuell einrichten kann.

Abkantpressen an Hinteranschlag und Pressbalken verbessert

Weiter steigern lässt sich das Biegetempo durch Maßnahmen an den beiden für den Abkantvorgang relevanten Maschinenteilen, dem Hinteranschlag und dem Pressbalken. Der Hinteranschlag besteht aus leichten Kohlefasern. Die Flächen, an denen das Biegeteil den Anschlagfinger berührt, sind aus gehärtetem Stahl. Das erhöht die Dynamik und liefert gleichzeitig präzise Ergebnisse.

Der elektrische Torquemotor, der den Druckbalken antreibt, bringt auch bei geringer Drehzahl hohe Leistung. Er sorgt für rasche Achsbewegungen und ist wartungsfreundlich, da er kein Getriebe hat und daher kein Getriebeöl benötigt.

Trumpf bietet Abkantpressen-Reihe für kleine Platinen

Die neue Maschinenreihe eignet sich besonders gut für Blechteile, deren Platine nicht größer als ein DIN-A3-Blatt ist. Solche Blechteile werden besonders häufig beim Bau von Automaten und Elektrogeräten sowie im Maschinenbau und in der Zuliefererindustrie benötigt. Sie mit großen, schweren Abkantpressen zu biegen, wäre Verschwendung von Platz und Energie.

Dies sind nur zwei von zahlreichen Entwicklungen moderner Biege- und Abkantmaschinen. Die Marktübersicht bietet dazu im Detail weitere Maschinen und Anlagen mit ihren wichtigsten Merkmalen.

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Walter Frick MM MaschinenMarkt

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