TV-Doku: Abbild versus Erkenntnis?

Doku von HYPERRAUM.TV: „Abbild versus Erkenntnis? - Was Fundamentaltheorien an den Grenzen unseres Verständnissen leisten - und was nicht“ – von Susanne Päch.

Die Weltbeschreibung der theoretischen Physik ist abstrakt-mathematisch. Führen solche Überlegungen zu einem Verständnis über die Welt, in der wir leben, oder sind sie letztlich „bloß“ eine Beschreibung von beobachtbaren Phänomenen? Über das Spannungsfeld von Erkenntnis und Mathematik spricht Susanne Päch mit dem Fundamentaltheoretiker Alexander Westphal in „Abbild versus Erkenntnis? – Was Fundamentaltheorien an den Grenzen unseres Verständnissen leisten und was nicht“ im abschließenden Teil der Mini-Serie von HYPERRAUM.TV über die theoretischen Grundlagen der Quantengravitation.

Die Welt der Physiker ist bunt, sie reicht von den Experimentalphysikern bis zu den Fundamentaltheoretikern, die nach den gänzlich abstrakten, mathematisch beschreibbaren Grundlagen der Welt, bestenfalls nach der Weltformel  und der Theorie von allem suchen. Sie forschen nach neuen Symmetrien oder gar „der“ Supersymmetrie, nach der „Schönheit“ in der Natur, nach den mathematisch einfachsten Prinzipien des Universums.

Doch ohne die Experimentalphysiker, die auf der anderen Seite des Spektrums handeln, bleiben ihre Gleichungen „reine Theorie“, also wissenschaftlich doch wertlos. Die Experimentatoren suchen nicht nach dem Schönen oder der letzten Weisheit, sie sind deutlich pragmatischer veranlagt und vielfach damit befasst, Theorien mit ihren Versuchsaufbauten vorläufig zu bestätigen. Doch das ist nicht, wonach sie eigentlich suchen. Als Experimentalphysiker will man Symmetriebrechungen aufdecken, Versuche konzipieren, mit denen sich beweisen lässt, dass eine Theorie gerade so, wie sie der Theoretiker gefasst hat, eben doch nicht richtig ist.

Alexander Westphal gehört in das Lager der Fundamentaltheoretiker. Er hofft, einen Beitrag zur Lösung des Problems leisten zu können, der die Kluft zwischen Einsteinscher Gravitationstheorie und Quantenmechanik reduziert – auf dem Weg zur sogenannten Quantengravitation, die beide in einem übergreifenden theoretischen Ansatz zusammenführt. Doch welche Erkenntnis über die Welt kann ein Fundamentaltheoretiker mit solch einer Arbeit erzielen?

Da ist Westphal sehr vorsichtig. Zuerst einmal kann er uns damit zwar sagen, welche grundlegenden Prinzipien im Universum herrschen, doch wie es real funktioniert – wie beispielsweise Leben entsteht -, dafür kann uns die Fundamentaltheorie kein Handlungsrezept geben. Und ebenso wenig kann der theoretische Physiker mit solchen abstrakten Formeln eine Aussage darüber treffen, ob die Welt tatsächlich so ist – oder ob sie erkenntnistheoretisch nur ein mathematisch beschriebenes Abbild dessen sind, was wir als Wirklichkeit wahrnehmen.

Für Westphal ist klar, dass der Mensch niemals wird sicher sein können, dass eine solche Fundamentaltheorie „wahr“ ist oder eher dem plantonischen Gleichnis eines Schattenwurfs an der Höhlenwand entspricht. Trotz dieser grundlegenden menschlichen Erkenntnis-Grenze  ist er, wie er am Schluss darlegt, überzeugt, dass es dennoch lohnt, diese  abstrakten Grundlagen unserer Welt zu erforschen. Mehr noch: dass das Abbild zu kennen, schon so viel mehr sei, als der Mensch je habe erhoffen können zu verstehen.

Ansprechpartner:
Dr. Susanne Päch
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