Eye-Tracking: Erstmals Blickmuster von Wellenreitern in standardisierter Umgebung erfasst

Beim Vergleich der Blickmuster zeigte sich deutlich, dass die Blickmuster der Profi-Surfer fokussierter sind als die der Freizeit-Surfer. Martin Walz / Hochschule Macromedia

Im Münchner Eisbach haben Wissenschaftler der Hochschule Macromedia weltweit erstmals die Blickmuster von Surfern beim Wellenreiten in einer standardisierten Umgebung identifiziert. Die Daten der mobilen, in ein wasserdichtes Gehäuse eingefassten Eye-Tracking-Brille schaffen die Grundlage, die Performance der Athleten durch die Optimierung ihrer Wahrnehmungs- und Handlungsmuster zu steigern.

Dazu Prof. Dr. Guido Ellert von der Hochschule Macromedia, der die Studie leitet: „Aus der Kenntnis der impliziten Blickmuster dieser professionellen Surfer ergeben sich ganz neue Trainingsmethoden im sportpsychologischen Bereich. Ziel ist es, das Erfahrungslernen von Athleten signifikant zu verkürzen. Entsprechend erwarten wir einen immensen Qualitätsschub für das Training der Hochleistungssurfer.“

Realistische Erfassung der Wahrnehmungsmuster erst im Wasser möglich

Das Forschungsteam um Prof. Dr. Guido Ellert, Simon Dallwig und Martin Walz (alle Hochschule Macromedia) erforscht – auch in Kooperation mit Wissenschaftlern der TU München – die Bedeutung kognitiver Prozesse als Grundlage für die Verbesserung der sportlichen Performance.

Der Versuchsanordnung im Münchner Eisbach gingen Eye-Tracking-Studien von Surfern im Wavegarden im spanischen San Sebastian sowie Grundlagenstudien im Kontext von Berg- und Kampfsportarten, bei Fußballschiedsrichtern und Snowboardern voran.

Die Aufzeichnungen beim Surfen bezogen sich in einer Vorstudie auf die Beobachtung der Wellen vom Land aus – die mobile Eye-Tracking-Kamera der Macromedia-Wissenschaftler war noch nicht wassertauglich.

„Die Laborversuche haben unsere Thesen zur Bedeutung der Wahrnehmungsmuster für die Performance eines Wellenreiters bestätigt. Wir wussten aber, dass wir ein realistisches Abbild erst bekommen, wenn wir die Wahrnehmungs- und Handlungsmuster der Surfer im Wasser erfassen können. Schließlich wirken in der Welle ganz andere, stressverursachende Umweltfaktoren auf den Surfer ein als wir im Labor simulieren können“, erläutert Martin Walz.

Verkürztes Erfahrungswissen verspricht Qualitätssprung im Spitzensurfsport

Insgesamt wurden in München innerhalb von zwei Wochen eine Gruppe von Profisurfern und eine Gruppe von Freizeitsurfern beim Wellenreiten im Eisbach erfasst. Die Daten ihrer Blickmuster werden derzeit von Studierenden der Studienrichtung Sport- und Eventmanagement an der Hochschule Macromedia wissenschaftlich ausgewertet.

Dazu Prof. Ellert: „Profisurfer und Freizeitsurfer haben signifikant unterschiedliche Blickmuster – es besteht also eine Korrelation zwischen der Könnensstufe und dem Wahrnehmungsmuster. Deshalb gehen wir davon aus, dass eine Optimierung des Sehverhaltens sich entsprechend leistungssteigernd auch auf die Performance der Profisurfer auswirkt. Die Profis können beispielsweise trainieren, die Wellen noch systematischer nach geeigneten Punkten für bestimmte, in der Werteskala höher bewerteten Manövern zu erfassen.“

Den Professor für Sport- und Eventmanagement an der privaten Hochschule Macromedia reizen neben dem Wellenreiten auch ganz andere Schulungssituationen: „Alle Menschen, die sich fokussiert in einer komplexen Umwelt bewegen und darauf basierend schnelle Handlungsentscheidungen treffen müssen, können von der Schulung erfolgreicher Wahrnehmungsmuster profitieren. Neben Leistungssportlern sind diese Trainingsmethoden auch für Sicherheitskräfte wie Polizei und Feuerwehr denkbar.“

http://www.hochschule-macromedia.de/presse Ergebnisse und Abbildungen

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