REWERSE – Aufbau einer europäischen Führungsposition beim logischen Schließen für das Internet

Das Internet bietet den Benutzern heute eine riesige Menge an Informationen sowie interaktive Dienste und Anwendungen, mit denen wir je nach unserer Eingabe einen Urlaub buchen oder den neuesten Bestseller kaufen können. Aber nur wenige Webseiten können den idealen Wochenendtrip vorschlagen, der die Daten bezüglich unserer früheren Reiseziele, bevorzugten Unterbringungsarten und sogar unserer Arbeitszeiten während dieses Zeitraums berücksichtigt.

Derartige Dienste würden einen Grad an Schlussfolgerungen erfordern, der heutzutage einfach nicht verfügbar ist, und das bisschen logisches Schließen, das im heutigen Internet existiert, verlässt sich auf Technologien, die sehr komplex und dementsprechend auch sehr teuer sind. Allerdings trägt ein von der Europäischen Kommission errichtetes Exzellenz-Netzwerk die Hoffnung, Europa an die Spitze der Forschung zu setzen, die an der Realisierung dieser Vision arbeitet.

In den kommenden vier Jahren wird das REWERSE-Netzwerk – das Netz für logisches Schließen im Internet, basierend auf Regeln und Semantik – als eine Art virtuelles Forschungszentrum fungieren und 27 Institutionen aus 14 europäischen Ländern zusammenbringen. Die Arbeit des Netzwerks wird mit fünf Mio. Euro von der EU unterstützt, die durch die thematische Priorität Technologien für die Informationsgesellschaft (IST) des Sechsten Rahmenprogramms (RP6) zur Verfügung gestellt werden. Zusätzlich konnten die Projektteilnehmer weitere Mittel in Höhe des Kommissionsbeitrags aufbringen und haben das Gesamtbudget auf zehn Mio. Euro erhöht.

„REWERSE hat zwei Ziele“, sagte der Koordinator des Projekts, Professor François Bry, zu CORDIS News. „Erstens wird es die Wissenschaftsgemeinde in diesem Gebiet vernetzen und strukturieren, und zweitens wird es Forschungen durchführen zur Hervorbringung greifbarer Ergebnisse für die Entwicklung von logischen Schlussfolgerungssprachen für das Internet.“

Insbesondere, so erläutert Professor Bry, soll die Forschungskomponente des Projekts eine Sammlung von kohärenten und vollständigen Schlussfolgerungssprachen für fortgeschrittene Internetsysteme und anwendungen entwickeln und prüfen. Sobald diese entwickelt und validiert seien, hofft das Netzwerk sie zur Genehmigung durch globale Normungsgremien wie das Worldwide Web Consortium (W3C) einreichen zu können.

Die Arbeit des Netzwerks ist in mehrere Arbeitsprogramme eingeteilt. Eines davon wird an der Entwicklung von ’reasoning-aware querying’-Sprachen (Schlussfolgerungsnahe Internet-Anfragen) für das Internet arbeiten, die von bestehenden Datenbankanfrageverfahren inspiriert werden. Ein anderes Programm untersucht die Entwicklung von zeitrelevanten und ortsabhängigen Schlussfolgerungssprachen, mit denen eine Website in der Lage ist, zwei Kalender aus unterschiedlichen Kulturen (z.B. den Gregorianischen und den Chinesischen) zu vergleichen und einem Benutzer basierend auf seinem Standort Kontext-bewusste Anweisungen zu geben, die sogar spezifizieren können, ob er z.B. in einer Einbahnstraße fährt.

„Jemandem mitzuteilen, wo er die ’nächste Apotheke’ findet, hängt ab von dem genauen Standort dieser Person, ob sie Autofahrer ist oder nicht, und dementsprechend spielt auch die Verfügbarkeit von Parkplätzen eine Rolle“, erklärt Professor Bry.

Auf die Frage, ob es sich bei REWERSE um eine weltweit einzigartige Initiative handele, gab Professor Bry zu, dass er nicht genau wisse, welche Wege andere Forschungsgruppen in der Welt verfolgten, da die offensichtlichen, kommerziellen Anwendungsmöglichkeiten für solche Technologien bei den Forschern einen gewissen Widerwillen hervorrufen, ihre Forschungsvorhaben großartig anzukündigen.

„An REWERSE ist eine Gruppe von exzellenten Forschern und Praktikern beteiligt, und das allein ist bereits eine Leistung“, sagt Professor Bry. „Es handelt sich hier um einen neu entstehenden Technologiebereich in Europa, und während die Leute zuvor an den verschiedenen Elementen des Arbeitsprogramms gearbeitet haben, ist das jetzt das erste Mal, dass sie alle zusammengearbeitet haben.“

Und bei den mangelnden Investitionen von privaten Unternehmen, die sich aufgrund der jüngsten Turbulenzen in dem Sektor weiterhin sträuben, umfangreich in die neu entstehenden Bereiche der technologischen Forschung zu investieren, stellen zehn Millionen Euro eine beträchtliche Investition dar. „In dieser Hinsicht hat REWERSE bereits die Führungsrolle auf diesem Gebiet übernommen“, schließt Professor Bry.

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