Fragen haben hohen Ton

Im Niederländischen werden Fragen auf einem höheren Ton als Mitteilungen ausgesprochen, so erweist sich aus einer experimentellen Sprachforschung der Doktorandin Judith Haan der Katholischen Universität Nimwegen. Die von der niederländischen Organisation für wissenschaftliche Forschung (NWO) subventionierte Untersuchung unterstützt die Hypothese, dass Fragenintonation einen biologischen Ursprung hat.

In vielen Sprachen haben Fragen einen durchschnittlich höheren Ton als Mitteilungen. Sprachforscherin Judith Haan hat nachgewiesen, dass die niederländische Sprache dabei keine Ausnahme ist. Ihre Ergebnisse unterstützen die Theorie der amerikanischen Sprachforscherin Ohala, die behauptet, dass der erhöhte Ton in Fragen einen biologischen Ursprung hat. Aus Untersuchungen hat sich herausgestellt, dass Säugetiere und Vögel bei einer Begegnung mit einem Artgenossen die physische Überlegenheit des anderen unter anderem an der Tonhöhe des Geräuschs abschätzen, das der andere macht. Ein Geräusch mit einem niedrigeren Ton oder niedrigerer Schallfrequenz deutet immerhin auf einen größeren Körper hin.

Laut Ohala spielt dieser sogenannte Frequenzkode auch in der menschlichen Sprache eine Rolle. Das Stellen einer Frage kann als eine Art Abhängigkeit betrachtet werden: der Fragensteller ist für bestimmte Informationen vom Zuhörer abhängig. Dies äußert sich in einer höheren Tonhöhe und würde erklären, weshalb dieses Phänomen in so vielen verschiedenen Sprachen zu finden ist. Die größere Höhe offenbart sich direkt am Anfang des Fragensatzes, auch im Niederländischen, etwas, das in spanischen Texten sehr passend ausgedrückt wird, indem man ein umgekehrtes Fragezeichen am Anfang eines Fragensatzes positioniert.

Die Forscherin ließ zehn Testpersonen vier Satzarten vorlesen. Sie sammelte so 200 gewöhnliche Mitteilungen, 200 Mitteilungen, die auch als Frage dienen können wie „Er geht nach London?“, 200 Fragen, in denen Objekt und Verb umgedreht wurden wie „Geht er nach London?“ und 200 Fragen, die mit einem Fragewort anfangen wie „Wann geht er nach London?“. Diese Sätze verglich die Sprachforscherin auf fünf Melodiemerkmale.

Bemerkenswert war, dass Frauen im Experiment dazu neigten, größere Tonbewegungen zu machen. Außerdem unterschieden sie ihre Mitteilungen und die drei unterschiedlichen Fragenarten besser mit Hilfe der Tonhöhe als die Männer. Die Forscherin vermutet, dass Frauen ihre Intonation mehr nutzen, weil sie in ihrer Kommunikation vor allem Klarheit nachstreben, und dabei weniger Angst haben, sich abhängig aufzustellen.

Nähere Informationen bei der Doktorandin Judith Haan (Katholische Universität Nimwegen, Abteilung Allgemeine Sprachwissenschaften und Dialektwissenschaften), Tel. +31 (0)26 4822282 (privat), E-Mail: j.haan@let.kun.nl. Judtih Haan hat mit dieser Arbeit am 20. Februar 2002 promoviert, Promotoren dabei waren Prof. Dr. V. van Heuven (Universität Leiden) und Prof. Dr. C. Gussenhoven (Katholische Universität Nimwegen).

Ansprechpartner für Medien

Msc Michel Philippens idw

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung

Aktuelle Meldungen und Entwicklungen aus fächer- und disziplinenübergreifender Forschung.

Der innovations-report bietet Ihnen hierzu interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Mikrosystemforschung, Emotionsforschung, Zukunftsforschung und Stratosphärenforschung.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Diamanten brauchen Spannung

Diamanten faszinieren – nicht nur als Schmucksteine mit brillanten Farben, sondern auch wegen der extremen Härte des Materials. Wie genau diese besondere Variante des Kohlenstoffs tief in der Erde unter…

Die Entstehung erdähnlicher Planeten unter der Lupe

Innerhalb einer internationalen Zusammenarbeit haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg ein neues Instrument namens MATISSE eingesetzt, das nun Hinweise auf einen Wirbel am inneren Rand einer planetenbildenden Scheibe…

Getreidelagerung: Naturstoffe wirksamer als chemische Insektizide

Senckenberg-Wissenschaftler Thomas Schmitt hat die Wirksamkeit von Kieselerde und einem parasitischen Pilz als Schutz vor Schadinsekten an Getreide im Vergleich zu einem chemischen Insektizid untersucht. Gemeinsam mit Kollegen aus Pakistan…

Partner & Förderer

Indem Sie die Website weiterhin nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. mehr Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind so eingestellt, dass sie "Cookies zulassen", um Ihnen das bestmögliche Surferlebnis zu bieten. Wenn Sie diese Website weiterhin nutzen, ohne Ihre Cookie-Einstellungen zu ändern, oder wenn Sie unten auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

schließen