Jahrestagung der Fraunhofer-Gesellschaft in Mainz 2001: Ergebnis 2000 und Ausblick 2001

Mit einem Wachstum von zehn Prozent und einer Steigerung der Wirtschaftserträge hat die Fraunhofer-Gesellschaft im Jahr 2000 ihre Position in der deutschen und internationalen Forschungslandschaft als größte und erfolgreichste Forschungseinrichtung für angewandte Forschung in Europa gefestigt.

Die Fraunhofer-Gesellschaft hat das Jahr 2000 mit einem Gesamtvolumen von 781 Mio Euro abgeschlossen. Gleichzeitig stieg der Ertragsanteil von 63 auf 66 Prozent. Entscheidend dafür ist die Steigerung der Wirtschaftserträge auf 39 Prozent. Die institutionelle Grundzuwendung reduzierte sich auf 34 Prozent. »Damit überstiegen zum ersten Mal in der Geschichte der Fraunhofer-Gesellschaft die Wirtschaftserträge deutlich die Grundfinanzierung im Bereich Vertragsforschung«, berichtet Prof. Hans-Jürgen Warnecke, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. Die öffentliche Projektförderung von Bund, Ländern und der Europäischen Union trägt mit rund 27 Prozent zum Gesamtergebnis bei.

Die Steigerung der Auslandserträge im Jahr 2000 um acht Prozent auf insgesamt 65 Mio Euro weist die Fraunhofer-Gesellschaft als eine zunehmend international operierende Forschungsorganisation aus.

Die Bereiche der Lebenswissenschaften und der Informations- und Kommunikations-Technologien zählen zu den vordringlichen strategischen Entwicklungsfeldern der Fraunhofer-Gesellschaft. Diese Erweiterung des Technologieportfolios soll die bestehenden Kernkompetenzen in den »klassischen« Feldern wie Produktionstechnik oder Materialwissenschaften ergänzen.

Der Bereich Informations- und Kommunikationstechnik (IuK) erfuhr durch die Fusion mit dem Forschungszentrum Informationstechnik GMD eine erhebliche Verstärkung. Die neue Fraunhofer-Gruppe IuK bildet mit ihren 15 Instituten nach Volumen und thematischer Breite eine der größten und sichtbarsten Forschungsgruppen für IuK in Europa und der Welt. Die Fusion mit der GMD bringt für das Jahr 2001 eine Steigerung des Gesamtaufwands um rund 100 Mio Euro. Außerdem wuchs die Zahl der Mitarbeiter auf über 11 000 an.

Für die mittelfristige Entwicklung des Gesamtetats ergeben sich mit der Integration der GMD einige Änderungen, da die ehemaligen GMD-Institute im Durchschnitt zunächst einen geringeren Ertragsanteil aufwiesen als die alten Fraunhofer-Institute. So wird mittelfristig ein Ertragsanteil von zwei Dritteln anvisiert. Ziel ist es, mittelfristig rund 40 Prozent Wirtschaftserträge zu erreichen.

»Bei aller Verstärkung der Vorlaufforschung bleibt das Profil der Fraunhofer-Gesellschaft klar auf Vertrags- und Auftragsforschung fokussiert«, betont Präsident Warnecke. »Prägendes Element ist anwendungsorientierte Forschung und deren Umsetzung in Innovationen im Markt.«

Integration der GMD in die Fraunhofer-Gesellschaft

Nach der rechtlichen Zusammenführung des Forschungszentrums Informationstechnik GMD und Fraunhofer-Gesellschaft wird nun die inhaltliche und organisatorische Integration umgesetzt.

Die neue IuK-Gruppe bildet mit ihren 15 Instituten den größten Institutsverbund der Fraunhofer-Gesellschaft. Prof. Dr.-Ing. José L. Encarnação und Prof. Dr. Ulrich Trottenberg, die Vorsitzenden der IuK-Gruppe, haben sich das anspruchsvolle Ziel gesetzt, der deutschen Informations- und Kommunikationstechnik zu einer international führenden Position zu verhelfen – in der Forschung wie auch in der Anwendung. Unterstützt wird die inhaltliche Zusammenführung durch das Programm »Leben und Arbeiten in einer vernetzten Welt«, das vom BMBF in den Jahren 2001-2003 mit insgesamt 63 Mio Euro gefördert wird.

Das Programm umfasst 34 Verbundprojekte zu folgenden strategischen Zukunftsthemen:

  • New Generation Internet
  • Software-Engineering und innovative Systemarchitekturen
  • Multimodale Dialoge und neue Medien
  • Knowledge und Content Engineering
  • IT-Sicherheit
  • Computing und Biologie
  • Simulation und Virtuelles Engineering
  • Engineering und Enterprise-Systems
  • Innovative Anwendungen und IuK-basierte Dienstleistungen

Hinzu kommen fünf weitere Projekte aus dem Bereich Mikroelektronik. An den Projekten arbeiten etwa die Hälfte aller Institute der Fraunhofer-Gesellschaft mit. Eingebunden ist auch das Heinrich-Hertz-Institut, dessen Kompetenzen damit bereits in das Portfolio der Fraunhofer-Gesellschaft einfließen.

Top-Arbeitgeber für Ingenieure und Naturwissenschaftler

Trotz Fachkräftemangel in den Wachstumsfeldern ist die Bewerbersituation derzeit zufriedenstellend. Wie Umfragen zeigen, ist die Fraunhofer-Gesellschaft für Absolventen nach wie vor ein beliebter Arbeitgeber, obwohl sie noch immer keine marktgerechte Bezahlung bieten kann. Dies liegt vor allem daran, dass die Absolventen bei den Fraunhofer-Instituten rasche Entwicklungsmöglichkeiten mit vielfältigen Perspektiven haben und eine freie und aufgeschlossene Unternehmenskultur antreffen.

Sicherheitstechnik

Durch die schrecklichen Ereignisse seit dem 11. September ist das Thema Sicherheitstechnik in den Vordergrund gerückt. Technik kann erheblich dazu beitragen, das Leben sicherer zu gestalten. Zahlreiche Fraunhofer-Institute befassen sich seit vielen Jahren mit den unterschiedlichen Aspekten der aktiven und passiven Sicherheit – von der Vermeidung von Unfällen in Verkehr und Produktion über den Schutz vor Einbruch und Diebstahl in Gebäude oder Computernetze bis hin zur automatischen Identifizierung und Überwachung. Die Fraunhofer-Gesellschaft wird diese Aktivitäten bündeln und verstärken. Aktuelle Themenschwerpunkte, zu denen die Fraunhofer-Institute einen wichtigen Beitrag leisten können sind: Sicherheit im Flugverkehr durch verbesserte Screening-Verfahren, die Risikoanalyse von Gebäuden bis hin zu ganzen Stadtvierteln mit ihren Versorgungs-, Verkehrs- und Kommunikationsnetzen sowie das Notfall- und Katastrophenmanagement. Der Schutz vor biologischen und chemischen Anschlägen kann durch geeignete Sensorik in mobilen Analysensystemen zumindest verbessert werden. »Wir haben dem Innenminister die bei uns entwickelten oder in der Entwicklung befindlichen Systeme zur Erhöhung der Sicherheit nahe gebracht, und wir verfolgen das Thema weiter«, gab Prof. Warnecke bekannt. »Wir, die Wissenschaftler und Ingenieure, müssen letztlich dafür sorgen, dass Technik nicht nur funktionssicher, sondern auch missbrauchssicher wird«.

Die Fraunhofer-Gesellschaft in Rheinland-Pfalz

Das Land Rheinland-Pfalz ist erst seit wenigen Jahren Standort von Fraunhofer-Instituten. Nun sind es bereits zwei in Kaiserslautern: das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE und das Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik ITWM. Das IESE arbeitet auf dem wichtigen Gebiet der systematischen und qualitätsgesicherten Software-Erstellung. Ein aktuelles Beispiel ist das Kompetenzzentrum ViSEK, ein virtuelles Software-

Engineering Kompetenznetzwerk, das morgen in Kaiserslautern eröffnet wird. Diese einzigartige bundesweite Software-Initiative, die vom Bundesforschungsministerium mit 6 Mio Euro gefördert wird, soll vorhandenes Forschungs-Know-how bündeln und der Industrie über ein webbasiertes Wissensportal zusammen mit unterstützenden Dienstleistungen zur Verfügung gestellt werden.

Das Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik

ITWM arbeitet mit erstaunlichem Erfolg in der Anwendung der Mathematik bei Problemlösungen in der Wirtschaft, auch in Zusammenarbeit mit kleinen und mittelgroßen Betrieben. Viele Unternehmen wenden bei der Entwicklung neuer Produkte die uralte Methode von Versuch und Irrtum an. Dies ist enorm kostspielig und verschlingt Zeit und Material. Im Computer geht das erheblich schneller und billiger. Zudem lassen sich Vorgänge simulieren, die in realen Versuchen nicht durchführbar sind, wie etwa Versuche an Patienten, Unfälle oder gar Katastrophenszenarien. Ein Beispiel, das gerade den Nutzen für die mittelständische Wirtschaft besonders gut belegt, ist die Simulation der Saugfähigkeit von Textilien. Unter dem Motto »Putzlappen aus dem Computer« werden Wissenschaftler des ITWM heute mit dem Fraunhofer-Preis ausgezeichnet. Mehr dazu erfahren Sie in einer folgenden Presseinformation.

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